Besucherinnen im Gespräch in der Nass-Sammlung, hinter ihnen Reihen von Rochenpräparaten in Glasgefäßen.

Einblicke in die Forschungssammlung

Nass-Sammlung

Archiv des Lebens in Bernsteinfarben

Der Ausstellungsrundgang der Nasssammlung gibt Einblick in wissenschaftliche Arbeit hinter Glas. Hier zeigen wir, wie wir Organismen konservieren, dokumentieren und für Forschung und kommende Generationen erhalten.

Bernsteinfarben schimmern Tausende Gläser in der Nass-Sammlung des Museums für Naturkunde Berlin. In Ethanol konserviert, bewahren sie Rochen, Haie, Barsche, Schlangen und Tiefseefische. Mit über 320.000 Gefäßen und rund einer Million Tierpräparaten zählt unsere Nass-Sammlung zu den bedeutendsten weltweit.

Als Archiv des Lebens liefert die Nass-Sammlung wertvolle Daten für die Erforschung der biologischen Vielfalt unseres Planeten. Viele Objekte sind mehr als 200 Jahre alt und werden bis heute international als Referenzmaterial für Artbeschreibungen, Verbreitungsanalysen und evolutionsbiologische Forschung genutzt. 

Im Ausstellungsrundgang sehen Sie vor allem Fische und Schlangen. In den nicht öffentlich zugänglichen Bereichen stehen Nasspräparate verschiedenster Tiergruppen – von wirbellosen Tieren wie Muscheln und Spinnen bis zu Fröschen und weiteren Wirbeltieren – für wissenschaftliche Fragestellungen bereit .

Was ist eine Nass-Sammlung?

In der Nass-Sammlung des Museums konservieren wir Tiere aller Gruppen in einem Gemisch aus 70 Prozent Ethanol und 30 Prozent Wasser. Diese Methode schützt die Objekte vor Zersetzung und macht sie für DNA-Untersuchungen und weitere Analysen langfristig nutzbar.

Mit der Zeit verlieren die Tiere ihre ursprüngliche Farbe – ein Rochen, einst dunkel, erscheint nun bleich. Zu jedem Präparat gehört ein Etikett mit Angaben zu Fundort, Fundjahr und Art. Ohne diese Informationen wäre ein Objekt wissenschaftlich kaum verwertbar – ob als Nass- oder Trockenpräparat.

Um die in dieser Form einzigartige Forschungssammlung sicher zu erhalten, kühlen wir sie konstant unterhalb des Flammpunkts von rund 18 Grad Celsius. Besonders an Sommertagen ist sie damit der wohl kühlste Ort des Museums.

Aus Ruine wird offene Forschungssammlung

Untergebracht ist die Nass-Sammlung im Ostflügel des Museums, der im Zweiten Weltkrieg zerstört und 2010 nach jahrzehntelanger Planung wiederaufgebaut und -eröffnet wurde. Der preisgekrönte Neubau schafft optimale Bedingungen für Konservierung, Brandschutz und Dokumentation.

Bei der Planung entscheidend war ein neuer Ansatz: Erstmals machten wir eine aktiv genutzte Forschungssammlung dauerhaft für Besuchende einsehbar. Dieser Schritt markierte einen wichtigen Startpunkt unserer Museums-Evolution – hin zu mehr Offenheit, Transparenz und Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft.

Dieses Prinzip führen wir in den kommenden Jahren konsequent fort. Im Zuge weiterer Baumaßnahmen machen wir nach und nach neue Säle und Sammlungsteile zugänglich und integrieren sie in unser Museumsprogramm. Dazu zählen historisch geplante Ausstellungssäle wie der Historische Vogelsaal ebenso wie neu entstehende Säle, in denen Sammlung, Forschung und Vermittlung sichtbar zusammenkommen.

So wächst das Museum Schritt für Schritt zu einem offenen, integrierten Forschungsmuseum des 21. Jahrhunderts.