Großer Ausstellungssaal mit mehreren montierten Dinosaurierskeletten unter Glasdach im Museum für Naturkunde Berlin

AUSSTELLUNG

Saurierwelt
Dinosaurier und ihre Umwelt vor 150 Millionen Jahren

Willkommen in der Saurierwelt

Im Herzen des Museums eröffnet die Saurierwelt Einblicke in Forschung und Geschichte: Der Giraffatitan, der Urvogel Archaeopteryx und Fossilien aus Tendaguru erzählen von Wissenschaft, kolonialen Kontexten und Wandel.

„Spektakulär“, „einzigartig“, „beste Dinosaurier-Ausstellung weltweit“ – so beschreiben begeisterte Besuchende die Saurierwelt im zentralen Lichthof des Museums für Naturkunde Berlin. Wenn Sie den Saal betreten, schauen Sie hinauf in 23 Meter Höhe: Dort thront der Schädel des Giraffatitan brancai auf dem größten montierten Dinosaurier-Skelett der Welt – verzeichnet im Guinness-Buch der Rekorde.

Doch die Saurierwelt ist weit mehr als eine Dinosaurier-Ausstellung. Sie zeigt originale Fossilien von Tieren und Pflanzen, die vor rund 150 Millionen Jahren gemeinsam lebten – in der Zeit des Oberen Jura. Damals war der Meeresspiegel höher als heute, das Klima tropisch warm und die Erde in zwei große Kontinente geteilt. Dinosaurier waren die vorherrschenden Wirbeltiere. Viele von ihnen, wie Kentrosaurus, Diplodocus oder Elaphrosaurus, waren Pflanzenfresser und ernährten sich von riesigen Farnen und Nadelhölzern. Auch diese Arten sind Teil der Ausstellung.

Den Himmel beherrschten Flugsaurier und die ersten Urvögel wie Archaeopteryx lithographica. Das Berliner Exemplar gilt vielen als das beste erhaltene der Welt. Auch Insekten wie Libellen, Käfer und Heuschrecken summten durch die Luft, während sich im Wasser Fische und Krebstiere tummelten. Einige davon können Sie zum Beispiel in den Glasvitrinen entdecken.

Juraskope – vom Fossil zum animierten Saurier

Unsere interaktiven Juraskope schlagen die Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Sie verbinden Originalfossilien mit digitalen Rekonstruktionen und zeigen Schritt für Schritt, wie aus Knochen durch Forschung und Vorstellungskraft lebendige Dinosaurier entstehen – vom Skelett über Muskeln und Haut bis hin zur bewegten Animation. 

Wie sich Dinosaurier tatsächlich bewegten, ist Gegenstand unserer Forschung. Gerade digitale Methoden verändern unser Bild von Dinosauriern. Ein internationales Team unter Leitung des Museums rekonstruierte beispielsweise erstmals dreidimensional den Schwanz von Giraffatitan brancai. Die Ergebnisse zeigen: Der rund 2,5 Tonnen schwere Schwanz war beweglich und aktiv an Haltung und Fortbewegung beteiligt. Ältere Darstellungen mit schleifenden Schwänzen gelten damit als überholt.

Was ist Paläontologie?

Paläontologie ist die Wissenschaft vom Leben der Vergangenheit. Sie erforscht Fossilien – also versteinerte Überreste oder Spuren einstiger Lebewesen – und entschlüsselt daraus, wie Tiere und Pflanzen gelebt, sich entwickelt und miteinander interagiert haben. Fossilien entstehen, wenn Organismen nach ihrem Tod von Sedimenten bedeckt werden. Über Jahrmillionen versteinern sie und bewahren so wertvolle Informationen über die Evolution.

Unsere Paläontolog:innen kombinieren biologische, geologische und chemische Methoden, um diese Informationen zu entschlüsseln. Mit moderner Computertomografie und 3D-Modellen können sie selbst feinste Strukturen untersuchen und Ökosysteme rekonstruieren, die längst verschwunden sind.

Doch Paläontologie blickt nicht nur zurück – sie hilft auch, die Gegenwart zu verstehen. Sie zeigt, wie Arten in der Erdgeschichte auf Klimaveränderungen und Katastrophen reagierten, und gibt damit Hinweise auf die Herausforderungen unserer Zeit.

Koloniale Kontexte und Provenienzforschung

Grundlage der Ausstellung sind Funde der Tendaguru-Expedition (1909–1913) im heutigen Tansania – wissenschaftlich bis heute von großer Bedeutung und untrennbar mit der deutschen Kolonialherrschaft in Ostafrika verbunden. Im Sauriersaal macht die Tendaguru-Box auf diese Geschichte aufmerksam.

Diese kolonialen Kontexte erforschen und reflektieren wir heute kritisch. In einem aktuellen Forschungsprojekt erschließen wir Fossilien und Archivmaterial der Tendaguru-Expedition und machen sie digital zugänglich. Am Beispiel von Giraffatitan brancai untersuchen Wissenschaftler:innen die Verflechtungen von Kolonialgeschichte, Forschung und Museumspraxis. Programme wie TheMuseumsLab stärken neue Formen gleichberechtigter Zusammenarbeit zwischen Museen in Afrika und Europa.

Die Dinosaurier ziehen um

Bald beginnt für die Dinosaurier im Museum für Naturkunde Berlin ein neues Kapitel: Im Rahmen unserer Museums-Evolution entsteht das Naturkundemuseum des 21. Jahrhunderts. Im Zuge der Entwicklung und Erweiterung des denkmalgeschützten Gebäudes ziehen auch die Dinosaurier-Skelette um – innerhalb des Hauses.

Während Ihres Besuchs stoßen Sie immer wieder auf Umzugkisten. Sie vermitteln, welche Schritte geplant sind und wohin die Dinosaurier unterwegs sein werden. Die Umzugskisten stehen für Bewegung, für Wissenschaft im Wandel und für einen offenen Umgang mit den Prozessen auf dem Weg zu einem offen, integrierten Forschungsmuseum.