
Einblicke in die Forschungssammlung
ZUGvögel – Eine Sammlung in Bewegung
bis
Eine Sammlung hebt ab
Die historische Vogelsammlung erzählt von Krieg und Wandel, aber auch von unserer Museums-Evolution. Die Sonderausstellung zeigt Sammlung als Prozess – zwischen Bewahren, Erforschen und gesellschaftlichem Dialog.
So nah kommen Sie Vögeln sonst nie: den metallisch schimmernden Kolibris, dem stolz balzenden Großtrappenhahn oder der aufmerksam blickenden Eule.
Weltweit gibt es rund 11.000 Vogelarten – unsere wissenschaftliche Vogelsammlung umfasst etwa 200.000 Objekte und damit rund 80 Prozent dieser Vielfalt. Rund 11.500 historische Standpräparate stehen im Mittelpunkt der Sonderausstellung ZUGvögel – Eine Sammlung in Bewegung. Sie macht sichtbar, wie sich das Museum im Rahmen seiner Museums-Evolution zu einem offenen Forschungsmuseum entwickelt.
Die ausgestellten Vögel sind mehr als Präparate. Sie sind Zeitzeugen: Sie standen bereits im Museum, als Bombentreffer das Gebäude zerstörten und als die Berliner Mauer gebaut und wieder eingerissen wurde. Heute erzählen sie nicht nur von der Vielfalt der Vogelwelt, sondern auch von der Geschichte des Museums, von Forschung und von den Veränderungen, die das Museum bis heute prägen.
Was ist ein ZUGvogel?
Im Rahmen unserer Museums-Evolution samt der umfassenden baulichen, digitalen und gesellschaftlichen Erneuerung des Museums wird der Historische Vogelsaal denkmalgerecht saniert. Dafür mussten die Präparate temporär ausziehen.
Bei dieser Gelegenheit haben wir jedes Objekt gereinigt, fotografiert und sorgfältig in Transportboxen verpackt. Diese Boxen bleiben jedoch nicht hinter verschlossenen Türen, sondern werden hier selbst Teil der Ausstellung. Im übertragenen Sinn werden damit auch die Vögel selbst zu ZUGvögeln – sie sind unterwegs, verlassen ihren angestammten Ort und kehren nach der Sanierung in einen offenen Sammlungssaal zurück. Dieser war historisch als Ausstellungssaal geplant und wird im Zuge der laufenden Museums-Evolution erstmals Teil unseres Programms.
Die Ausstellung verbindet diesen Umzug mit anderen Stationen der Museums-Evolution: Auch digitize! und an mehreren Orten im Rundgang informieren stapelweise Transportboxen über die bauliche Sanierung, die Sammlungserschließung und den Wandel des Museums.
Ausstellungsentwicklung gemeinsam mit Besuchenden
Dieser Wandel betrifft auch die Entwicklung der Ausstellung: Mehr als 350 Menschen haben ihre Perspektiven, Fragen und Geschichten beigesteuert. So entstand eine Ausstellung, die so vielfältig ist wie die Vogelwelt selbst – von der Geschichte der Sammlung über Präparation und Forschung bis zu Artenvielfalt und Artenschutz.
Diese Themen haben wir gemeinsam entwickelt und in ZUGvögel aufgegriffen:
- Geschichte einer Sammlung: Reisen Sie zurück zu den Ursprüngen unserer Vogelsammlung – und entdecken Sie, wie eng Naturgeschichte und Kolonialgeschichte miteinander verwoben sind.
- Vogelarten und Eigenschaften: Erfahren Sie, warum der Schwarzmilan Feuer liebt und Kolibris Kopf voraus aus 40 Metern Höhe stürzen.
- Historische Kontexte: Unsere Sammlungsobjekte erzählen auch von Macht, Wissen und kolonialen Strukturen – und wie wir sie heute neu befragen.
- Präparation und Konservierung: Was macht ein Präparat jahrhundertelang haltbar – und warum tragen manche Vögel „Make-up“?
- Umweltschutz und Artenvielfalt: Von verschwundenen Arten bis zu neuen Erfolgsgeschichten – entdecken Sie, warum Vogelschutz uns alle betrifft.
- Forschung und Sammlung: Wie alte Federn neue Erkenntnisse liefern – und DNA die Geheimnisse des Vogelzugs entschlüsselt.
- Von Menschen und Vögeln: Was Raben mit Intelligenz, Mozart mit einem Vogel und Zufälle mit Massentierhaltung zu tun haben.
„Wir haben bisher viel auf den Weg gebracht, aber auch noch viel vor uns – und das zeigen wir jetzt dem Publikum. In den nächsten Jahren können alle Interessierten unseren Weg begleiten und sich einbringen.“ – Stephan Junker, Geschäftsführer des Museums für Naturkunde Berlin
Auf dem Weg ins Naturkundemuseum des 21. Jahrhunderts
„ZUGvögel – Eine Sammlung in Bewegung“ ist damit weit mehr als eine Sonderausstellung. Aus einem notwendigen Umzug entstand ein neues Ausstellungsformat, das Forschungssammlung, Ausstellung und Einblicke hinter die Kulissen miteinander verbindet. Es zeigt, wie ein offenes Forschungsmuseum aussehen kann.
Im Zuge der laufenden Bauarbeiten entsteht im Westflügel des Hauptgebäudes die bauliche Grundlage dafür: Neue Ausstellungs-, Lehr- und Arbeitsräume, eine moderne Infrastruktur und barrierefrei erschlossene Obergeschosse ermöglichen es künftig, weitere Forschungssammlungen dauerhaft für die Öffentlichkeit zu öffnen. Dazu gehört auch der denkmalgeschützte Historische Vogelsaal, in den die Vogelpräparate nach Abschluss der Sanierung zurückkehren.













