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Weichtiere

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Weichtiere

Die Sammlung „Mollusca“ ist mit rund 5 Millionen Sammlungsstücken eine der umfangreichsten  Kollektionen des Museums für Naturkunde. Sie besteht aus einer umfangreichen Trocken- und Alkoholsammlung mit insgesamt 260.000 Sammlungseinheiten (Gläser/Schachteln) sämtlicher Molluskengruppen, darunter historisch wertvolles Material  und 9.125 Typus-Exemplare. Darüber hinaus gibt es einige Spezialsammlungen wie die ca. 18.000 Mikropräparate oder die Sammlungen kunsthandwerklich bearbeiteter Mollusken.

Mit rund 100.000 Arten sind Weichtiere nach den Gliedertieren der formenreichste Tierstamm. Ihr Ursprung geht bis ins Kambrium vor 550 Millionen Jahren zurück. Dies war der Beginn der fossilen Überlieferung von Hartteilen, den anfangs napfförmigen, später spiralig aufgewunden Schalen. Heute leben Weichtiere im Meer, im Süßwasser und an Land. Geschätzt wird, dass von den weltweit beschriebenen Molluskenarten rund die Hälfte in der Sammlung des Museums für Naturkunde Berlin repräsentiert sind. Neben den allseits bekannten Schnecken (Gastropoda), Muscheln (Bivalvia) und Tintenfischen (Kopffüßer, Cephalopoda) gehören noch vier weitere, weniger artenreiche und bekannte Gruppen zu den Weichtieren, die Wurmmollusken (Aplacophora), Napfschaler (Monoplacophora), Käferschnecken (Polyplacophora) und Kahnfüßer (Scaphopoda).

Digitalisierung

Vom den ca. 260.000 Sammlungsobjekten sind ungefähr 56% erfasst. Neben den historischen Katalogeinträgen und elektronischen Listen (Excel) zur internen Nutzung wird seit 2014 ausschließlich eine Access-Datenbank zur Aufnahme von Proben verwendet, die gegenwärtig (Oktober 2016) mehr als 19.000 Objekte umfasst und auf lange Sicht online zugänglich gemacht wird.

Die umfangreiche Typen -Sammlung ist unter www.biologie.uni-ulm.de/systax/daten/index.html recherchierbar.

Geschichte

Die Sammlung geht wesentlich auf Karl Eduard von Martens (1831-1904) zurück, der sie seit den 1850er Jahren bis zu seinem Tod im Jahr 1904 systematisch erweitert und aufgebaut hat.

Bis Ende der 1930er Jahre wies der Hauptkatalog bereits 100.000 Einträge auf. Seitdem ist die Zahl der inventarisierten Objekte durch die Arbeit und Forschung der Kustoden kontinuierlich gewachsen. Von Anfang an haben auch die Nachlässe bedeutender Sammler wie Wilhelm Dunker (1809-1885), Friedrich Paetel (1812-1888), F. Arnold, H. Kolasius, C.A.E. Krausp, H. Rolle, F.A. Schilder, H.A. Schmidt, Friedrich Dahl und Karl August Möbius die Sammlung bereichert.

Zudem stammen bedeutende Sammlungsteile von großen Expeditionen wie der Deutschen Tiefsee-Expedition Valdivia (1898-1899) und der Deutschen Südpolar-Expedition (1899-1901).

Highlights

Handschuh aus Byssus (Muschelseide) von Pinna nobilis (Edle Steckmuschel)

Byssus sind  hornartige, sehr zugfeste Fasern, die als flüssiges Sekret aus einer Fußdrüse bei Muscheln abgesondert werden und im Wasser schnell erhärten. Der Byssus von Pinna nobilis besteht aus schwach gestreiften, gedrehten goldbraunen Fäden von 30 bis 60 mm Länge und bis zu 160 µm Dicke. Er wurde mit Seide zu feinen Geweben versponnen und zu Handschuhen, Strümpfen oder Kragen vor allem in Süd-Italien verarbeitet. In Tarent, Palermo, Neapel, Reggio bei Messina oder Cagliari waren bis ins 19. Jh. Byssus Spinnereien in Betrieb. Die in der malakologischen Sammlung befindlichen Handschuhe aus Byssusseide wurden 1822 vom Bischof von Tarent dem preußischen König geschenkt.
 

Holotyp von Vampyroteuthis infernalis (Vampirtintenfisch)

Der, während der 1. Deutschen Tiefsee-Expedition (1898-1899) mit dem Schiff Valdivia, von Carl Chun entdeckte Vampirtintenfisch befindet sich in der malakologischen Sammlung. Vampirtintenfische sind Vertreter der Vampiromorpha, einer Übergangsform zwischen zehn- und achtarmigen Kopffüßern. Charakteristisch sind ihre zwischen den Armen befindlichen Häute, die sich aufspannen lassen und an den Umhang eines Vampires erinnert. Ihr Lebensraum ist die Tiefsee.  

Forschung

Die Molluskensammlung im Museum für Naturkunde besitzt eine der ältesten, großen Alkoholsammlungen von Weichtieren. Diese Sammlung wird seit mehr als 150 Jahren für die anatomische Forschung genutzt und seit wenigen Jahren ermöglichen es neue Methoden, auch das im konservierten Weichkörper enthaltene Erbgut (DNA) in historischen Proben zu untersuchen. Damit steht auch Material von seltenen oder sogar ausgestorbenen Arten für die evolutionsbiologische und taxonomische Forschung mittels molekulargenetischer Verfahren zur Verfügung. Aus altem wie neuem Sammlungsmaterial ist mittlerweile eine neue umfangreiche DNA- und Gewebesammlung mit mehr als 15.000 Proben entstanden.

Geographisch liegt der Forschungsschwerpunkt seit 1997 auf Süßwassermollusken in Südost-Asien. Im Rahmen entsprechender Projekte sind etliche Diplom- und Master- bzw. Doktorarbeiten entstanden.

Bibliothek

Die umfangreiche Fachbibliothek der Molluskensammlung mit etwa 1.500 Büchern, 30 Zeitschriftentiteln und 10.500 Sonderdrucken ist aufgrund ihrer zahlreichen alten Werke zur Weichtierkunde sehr wertvoll.