Gruppe von Fischen als Alkoholpräparate, Foto: HwaJa Götz / MfN
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Die Fische (Pisces) sind eine sehr vielfältige Gruppierung von primär im Wasser lebenden Wirbeltieren. Die Ichthyologische Sammlung umfasst etwa 133.490 Objekte und enthält etwa 50 % der über 29.000 nominellen Arten. Unter den Exemplaren sind 1.100 Fischskelette, 1.750 Trockenpräparate und Fischhäute und 130.640 in Alkohol konservierte Fische.

Die Sammlung ist von mittlerer Größe, aber durch die Fülle historischer Belege weltweiter Herkunft ist sie in Deutschland einzigartig und weltweit für taxonomische und biogeographische Recherchen bedeutend.

Digitalisierung

Typus-Exemplare sind über GBIF und Eschmeyer’s Catalog of Fishes recherchierbar. Die Welse sind über ACSI im Netz zugänglich.

Eine interne Datenbank der katalog-registrierten Exemplare der Sammlung, mit zumindest ihren primären Eingangsdaten, sowie eine stetig wachsende Zahl digitaler Bilder und Röntgenaufnahmen von Typus-Exemplaren sind im Museum vorhanden.

Geschichte

Die ältesten und wissenschaftshistorisch wertvollsten Bestände sind die Fischsammlungen von Marcus E. Bloch (1723–1799) und einige erhaltene Fischpräparate von Peter S. Pallas (1741-1811). Beide Sammlungen stammen aus dem späten 18. Jahrhundert.

Die Sammlung beherbergt außerdem Exemplare der Nordafrikaexpedition 1820-1825 von Friedrich W. Hemprich (1796-1825) und Christian G. Ehrenberg (1795-1876), viele Präparate der Anatomischen Sammlung von Johannes Müller (1801-1858), der als Begründer der modernen Zoologischen Systematik gilt, sowie einen Großteil der Fische, die auf der "Valdivia", der Deutschen Tiefsee-Expedition, 1898-1899 gefangen worden sind. Diese war die erste deutsche Meeres-Forschungsexpedition, die zoologisch-wissenschaftlich motiviert war und eine Fülle an neuen Erkenntnissen über Tiefseeorganismen und -lebensräume geliefert hat.

Neuere, umfangreiche Aufsammlungen stammen unter anderem vom Institut für Hochseefischerei der ehemaligen DDR.

Highlights

Besonders hervorzuheben ist hier das Belegmaterial frühen, wissenschaftshistorisch bedeutenden Erkenntnisgewinns. So gehört zu der Ichthyologischen Sammlung des Museums für Naturkunde die Sammlung von Marcus É. Bloch (1723-1799), der viele Fischarten im 18. Jh. wissenschaftlich beschrieben und systematisiert hat und als Begründer der Ichthyologie als speziellem Zweig der Zoologie gilt. Trotz der schwierigen zeitgeschichtlichen Phasen, denen das Museum unterworfen war, ist der größte Teil noch vorhanden. Die Sammlung bildet nach wie vor eine häufig genutzte, wichtige Referenzsammlung für die Taxonomie.

Wissenschaftlich besonders bedeutungsvoll sind die 2.500 Typus-Exemplare von rund 1.700 Artbeschreibungen und die Repräsentanten von ausgestorbenen und seltenen Arten und Populationen. Die Sammlung enthält Belegexemplare der Arbeiten von Georges Cuvier (1769-1832) und Achille Valenciennes (1795-1865), Alexander v. Humboldt (1769-1859) und seinen Nachfolgern in der Erforschung Südamerikas, sowie der Reisen von Hemprich und Ehrenberg in Nordafrika und Wilhelm C.H. Peters (1815-1883) nach Mozambique. Das originale Material der vergleichend-anatomischen Studien von Johannes Müller aus dem 19. Jh. ist vor allem für Systematik, Evolutionsbiologie und Wissenschaftsgeschichte interessant.

Nass-Sammlung

Alkohol-konservierte Fischpräparate verschiedenen Alters aus dem Benguela-Strom für Stabile Isotopen-Vergleichsuntersuchungen. Die Nass-Sammlung ist in der Ausstellung des Museum für Naturkunde großräumig vertreten.

Gruppe von Fischen als Alkoholpräparate, Foto: HwaJa Götz / MfN

 

Dentex dentex (Linnaeus, 1758)

Restauriertes Skelettpräparat einer kommunen Meerbrasse aus dem Mittelmeer. ZMB 33358

Restauriertes Skelettpräparat einer kommunen Meerbrasse (Dentex dentex), Foto: HwaJa Götz / MfN

 

Pristiophorus cirratus (Latham, 1794)

Ein altes Trockenexemplar eines "Langnasen-Sägehaies", Geschenk von Wilhelm v. Blandowski (1822-1878), Victorian Museum Melbourne um 1855. ZMB 4537

altes Trockenexemplar eines "Langnasen-Sägehaies", Foto: Carola Radke / MfN

Forschung

Zurzeit wird eine wissenschaftshistorisch-zoologische Recherche zu dem Fisch-Material der Nordafrika-Expedition 1820 bis 1825 von Gottfried C. Ehrenberg und Friedrich W. Hemprich durchgeführt, sowie eine kritische Sichtung und Registratur der Exemplare der Anatomischen Sammlung. Spezialgebiet des Kurators ist die Phylogenie rezenter ursprünglicher Fischgruppen, Anatomie, Reproduktionsbiologie und Ontogenese von Knochenfischen.

Der umfangreiche Forschungsservice umfasst vor allem taxonomische Fragen, aber auch Anfragen zu organismischen, ökologischen und fischereibiologischen Fragestellungen, Naturschutz- und Behördenservice sowie Ausstellungs- und Öffentlichkeitsarbeit.  

Zugang zur Sammlung ist nur nach vorheriger Absprache mit dem Kurator und/oder der zuständigen Konservatorin möglich.

Bibliothek

Neben den thematisch umfassenderen Beständen der Zoologischen Zentralbibliothek des Museums für Naturkunde, Expeditionsberichten, zoologischen Werken und Zeitschriftenbeständen, gibt es einen separaten spezialisiert-ichthyologischen Bestand und eine Handbibliothek, die ca. 1.500 Monographien und 36 laufende Meter Sonderdrucksammlung seit etwa 1850 enthält.