Blick in einen Sammlungsraum des Museums für Naturkunde Berlin mit dicht bestückten Regalanlagen voller Geweihe, Hörner, Schädel und Präparate von Hirschen, Antilopen, Ziegen und anderen Hornträgern.

Öffentliche Sammlungen und Co-Kuration

Mit den Forschungssammlungen „Säugetierschädel“ sowie „Hirsche & Hornträger“ wurden im Jahr 2025 erstmals bislang nicht öffentlich zugängliche Sammlungsräume als Teil des Ausstellungserlebnisses aufbereitet. Sie bildeten den Auftakt der Neugestaltung und Erweiterung des Ausstellungsrundgangs durch Mittel des Zukunftsplans. Neben dem Projekt ZUGvögel (siehe Geschäftsbericht 2023/24) als erstem Pilotprojekt für das Konzept der Öffentlichen Sammlungen stehen auch die Forschungssammlungen „Säugetierschädel“ und „Hirsche & Hornträger“ für eine neue Ausstellungskonzeption.

Wesentlich für diese Konzeption ist, dass öffentliche Sammlungen hybride Räume sind: Sie dienen zugleich der Aufbewahrung wissenschaftlicher Sammlungen und sind Teil des Ausstellungsrundgangs. Damit sind sie sowohl Arbeitsräume für Forschung und Sammlungspflege als auch erlebbare Ausstellungsorte für Besuchende. In der Konsequenz arbeitet die Ausstellungsentwicklung mit der Sammlung in ihrem bestehenden Zustand – mit ihrer wissenschaftlichen Ordnung, den vorhandenen Beschriftungen und dem historischen Mobiliar. Ziel ist es, die Sammlung nicht neu zu inszenieren, sondern ihre Struktur und Geschichte sichtbar zu machen. Im Sinne des offenen, integrierten Forschungsmuseums wird die Entwicklung dieser Räume zudem partizipativ gestaltet. Besuchende und externe Beteiligte werden aktiv in die Themenentwicklung einbezogen.

Blick in die Forschungssammlung für Säugetierschädel des Museums für Naturkunde Berlin. In großen verglasten Metallschränken sind hunderte Schädel verschiedener Säugetierarten auf mehreren Regalböden systematisch aufbewahrt.
Blick in die Forschungssammlung "Säugetierschädel".
Foto: Carola Radke

Bei den beiden Sälen mit den Säugetierschädeln sowie Hirschen & Hornträgern war bei der Konzeption der Präsentation als Weiteres zu berücksichtigen, dass die dort aufbewahrten Teilsammlungen stark mit kolonialen Kontexten verbunden sind: 70 bis 80 % der Objekte stammen aus kolonialen Netzwerken, vor allem aus Afrika. Dies ist auch an den historischen Beschriftungen auf den Objekten sichtbar.

Ein zentraler Bestandteil der Ausstellungskonzeption bestand 2025 daher in einem Co-Kurationsprozess mit internationalen Partner:innen. Neun Co-Kurator:innen aus afrikanischen Ländern – darunter Tansania, Namibia, Kamerun und Ägypten – wurden gewonnen über einen offenen Aufruf und das Netzwerk des TheMuseumsLab, dem vom Museum betreuten afrikanisch-europäischen Lernprogramm für aufstrebende Führungskräfte aus Museen sowie Kulturerbe- und Kunstinstitutionen. Gemeinsam mit dem Ausstellungsteam des Museums entwickelten diese Co-Kurator:innen neue Perspektiven auf die beiden Teilsammlungen.

Dabei entstanden objektbezogene Geschichten, die sowohl koloniale Erwerbskontexte als auch die kulturelle Bedeutung der Tiere in ihren Herkunftsregionen beleuchten und jeweils ein konkretes Sammlungsobjekt in den Mittelpunkt stellen. Die Perspektive des Museums wurde so um internationale und dekoloniale Sichtweisen ergänzen. Jedes der Objekte wird in einem „Fenster“ inszeniert, insgesamt entstehen 19 Fenster.

Ab Herbst 2026 werden die beiden Säle im Rahmen geführter Touren zugänglich sein. Die vollständige Integration in den regulären Ausstellungsrundgang ist nach Abschluss der Sanierung und barrierefreien Erschließung des Museums im Rahmen des Zukunftsplans vorgesehen.