Wie überwintern Bienen?

von Vrinda Schallnau, Museum für Naturkunde Berlin

Wir nehmen Bienen meist im Frühjahr und Sommer wahr, wenn sie besonders aktiv sind. Doch oftmals wissen wir nicht genau, wie Bienen den Winter verbringen. Wie ernähren sie sich? Wie schützen sie sich vor Kälte? Und wo überwintern sie? Antworten auf diese und weitere Fragen findest du in diesem Beitrag.

Bild 1: Eine Honigbiene (Apis mellifera, oben) und eine Gemeine Sandbiene (Andrena flavipes, unten) bei der Pollensuche. Die Gemeine Sandbiene gehört zu den Wildbienen.

Von Einzelgängerinnen und Gemeinschaftstieren

Die wohl bekannteste Bienenart ist die Honigbiene (Apis mellifera), deren Lebensweise als großes Volk, das in Bienenstöcken seinen Nachwuchs anzieht und Honig produziert, vielen bereits vertraut ist. Dass in Deutschland jedoch knapp 600 Wildbienenarten mit ganz unterschiedlichen Lebensweisen vorkommen, ist deutlich weniger bekannt. Die Mehrheit der Wildbienenarten lebt im Gegensatz zu Honigbienen solitär, das heißt die Weibchen bauen ihre Nester allein und sorgen allein für die Versorgung ihrer Nachkommen. Hummeln (Bombus) sowie wenige Schmalbienenarten (Lasioglossum) sind die einzigen Wildbienen, die eine soziale Lebensweise in Staaten führen und ihre Nester gemeinsam bauen, sowie ihre Nachkommen gemeinsam versorgen. Ihre Staaten sind jedoch deutlich kleiner als die von Honigbienen. Diese verschiedenen Lebensweisen der Bienenarten haben auch einen entscheidenden Einfluss darauf, wie sie überwintern.

Bild 2: Schmalbienen (Lasioglossum) nisten im offenen, vegetationsfreien Boden. Am Eingang zu ihrem Nest errichten sie einen kleinen Erdwall.

Viele Wildbienen überwintern im Larvenstadium

Die meisten Wildbienenarten überwintern als Larven. Dies ist ein wichtiger Schritt in ihrer Entwicklung zur ausgewachsenen, geflügelten Biene. Die Wildbienenweibchen bauen in ihren Nestern aus verschiedenen Materialien wie Blattteilen, Blütenblättern, Harz oder Wachs mehrere kleine Kammern, sogenannte „Brutzellen“. Sie legen diese in geschützten Hohlräumen wie Pflanzenstängeln, in Totholz oder im Erdboden an. Anschließend sammeln sie Pollen und Nektar und bewahren diesen als Nahrung für ihren Nachwuchs in den Brutzellen auf. Dann legen sie in jede Brutzelle ein Ei auf den Proviant und verschließen die Zelle.

Bild 3 & 4: Die Bunte Blattschneiderbiene (Megachile versicolor) baut ihre Brutkammern aus Blattteilen, die sie abgerundet ausschneidet.
Bild 5: Die Gemeine Löcherbiene (Heriades truncorum) verschließt ihr Nest mit Harz und kleinen Steinen. Im Nest überwintern ihre Larven und schlüpfen als ausgewachsene Tiere im Sommer des darauffolgenden Jahres.

Nestbauende Wildbienen-Weibchen kommen meist nie in Kontakt mit ihren Nachkommen, da sie nur 5 – 11 Wochen leben und vor dem Schlüpfen ihrer Nachkommen sterben. Sie überleben den Winter also nicht. Die Larve schlüpft hingegen schon nach wenigen Tagen und frisst in 2 – 4 Wochen den Nahrungsvorrat auf, während sie mehrere Häutungen durchläuft. Dann umhüllt sie sich selbst in einen seidenen Kokon und beginnt eine lange Ruhephase, in der sie den Winter überdauert. In dieser Zeit ist ihr Stoffwechsel stark herabgesenkt und ihre Entwicklung pausiert. Erst im Frühjahr entwickelt sie sich über das Puppenstadium bis hin zum erwachsenen Tier weiter.

Bild 6: Geöffnete Bienenhotelröhren mit Nestern der Rostroten Mauerbiene (Osmia bicornis) in verschiedenen Entwicklungsstadien. Die jüngeren Stadien, die Eier, sind unten im Bild und die älteren Larven-Stadien weiter oben. Puppen in Kokons sind oben rechts sichtbar.

Wildbienen, die den Winter als ausgewachsene Tiere durchstehen...

Einige Wildbienen wie die Blauschwarze Holzbiene (Xylocopa violacea) überwintern auch als ausgewachsene Tiere. Dabei überdauern sowohl Weibchen als auch Männchen die kalte Jahreszeit in Baumhöhlen oder Hohlräumen in Mauern und Lehmwänden. Während der Winterruhe verlangsamt sich ihr Stoffwechsel. Sie brauchen daher in dieser Phase nur wenig Nahrung und verlieren 10 bis 15 % ihres Körpergewichts.

Bild 7: Die Blauschwarze Holzbiene (Xylocopa violacea) nagt ihre Nestgänge inklusive Brutkammern mit ihrem Oberkiefer ins Totholz. Sie trennt die Brutzellen durch Zwischenwände aus mit Speichel verklebten Holzspänen und Markpartikeln. Die Nestgänge dienen im Winter mitunter auch den ausgewachsenen Tieren als Unterschlupf.

Nur die Hummelkönigin überwintert

Hummeln hingegen bilden einjährige Staaten, bei denen nur die befruchtete Jungkönigin überwintert. Sie frisst sich im Herbst einen Kalorienvorrat an und gräbt sich dann im Boden ein, um den Winter dort geschützt zu überstehen. Währenddessen stirbt ihr zurückgebliebenes Volk ab. Die Königin produziert bei niedrigen Temperaturen ein körpereigenes Frostschutzmittel, um sich vor der Kälte zu schützen. Es bietet ihr Schutz bei bis zu -15 °C. Sie erwacht im Frühjahr aus ihrer Winterruhe und gründet ein neues Volk.

Bild 8: Die oberirdischen Nester der Ackerhummel (Bombus pascuorum) bestehen aus wachsernen Brutzellen, Kokons und Vorratsbehältern für Pollen.

Honigbienen und die Wintertraube

Anders ist es bei den hochsozialen Honigbienen (Apis mellifera), welche stabile, über mehrere Jahre bestehende Völker bilden. Sie überstehen die kalten Temperaturen im Winter in der sogenannten „Wintertraube“. Mit ihren Körpern bilden sie um die Königin herum eine enge, traubenförmige Gruppierung und wärmen sich gegenseitig durch Bewegung und Körperkontakt. In der Wintertraube können auf diese Weise Temperaturen von 20 – 25 °C gehalten werden. Die Wärme wird durch die Bewegung der Flügel, sowie Zitterbewegungen erzeugt. Für die Wärmeerzeugung sind jedoch nicht alle Bienen gleichzeitig zuständig. Weil das „Anheizen“ viel Energie kostet, wechseln sich die Bienen ca. alle 10 Minuten damit ab. Die Bienen an der Außenseite der Traube werden von Bienen aus dem Inneren der Traube abgelöst. Sie werden auch von diesen mit dem Honig gefüttert, der im Sommer von den Arbeiterinnen gesammelt wurde.

 

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