Wissenswertes rund um Nadelbäume

von Susan Karlebowski, Museum für Naturkunde Berlin

Die Blätter von Bäumen verfärben sich im Herbst bunt und fallen irgendwann herunter - das lernen wir von Klein auf. Dass auch die Nadeln der Nadelbäume Blätter sind und warum die bei den allermeisten Arten nicht jeden Herbst abfallen, beschäftigt uns meist weniger. Grund genug sich diese spannende Artengruppe mal genauer anzusehen und über diese und andere Fragen, zum Beispiel wie die Nadeln eigentlich den Winter überstehen oder warum deshalb die Waldkiefer in Berlin so häufig ist, nachzudenken.

Bild 1: Die meisten Nadelbäume bleiben auch im Herbst grün.

Nadelbäume sind Nacktsamer

Nadelhölzer unterscheiden sich botanisch von den meisten Laubbäumen dadurch, dass sie Nacktsamer sind. Das heißt die Samenanlagen von Nadelbäumen sind nicht wie bei den Bedecktsamern in weibliche Blattorgane eingeschlossen, sondern liegen frei (“nackt”) auf diesen. Die Blüten sind entweder rein weiblich oder rein männlich und sitzen in der Regel in Gruppen desselben Geschlechts sehr eng zusammen. So wird der für Nadelbäume typische Zapfen gebildet. Es wird daher oft von männlichen und weiblichen Blütenzapfen gesprochen. Diese befinden sich meistens am selben Baum.

Bild 2: Die männlichen Blütenzapfen einer Eibe. | Bild 3: Die weiblichen Blütenzapfen der Lärche stehen stets aufrecht.

Falsche Beeren

Wenn die weiblichen Zapfen reif sind, verholzen die Zapfenschuppen, spreizen sich auf und die geflügelten Samen können herausfallen. Zwischen der Befruchtung und der Zapfenreife können je nach Art Monate bis mehrere Jahre liegen. Bei einigen Nadelbäumen wie dem Wacholder oder der Eibe können die Schuppen fleischig bleiben oder werden sogar durch einen fleischigen Samenmantel ersetzt. Obwohl diese Samenhüllen wie Beeren aussehen, sind sie botanisch gesehen weder Beeren noch Früchte.

Bild 4: Die Beerenzapfen des Wacholders sind botanisch gesehen keine Beeren.
Bild 5: Die rote Samenhülle der Eibe wird Arillus genannt.

Nadeln statt Laubblätter

Die Blätter der meisten Nadelbäume sind im Gegensatz zu typischen Laubblättern lang, dünn und nadelförmig. Etwas anders gestaltet sind die Blätter der Zypressengewächse, zu denen die Lebensbäume (zum Beispiel Abendländischer Lebensbaum) und die Mammutbäume (beispielsweise Riesenlebensbaum) gehören. Sie haben schuppenförmige Blätter. Obwohl Nadelblätter anders als Laubblätter aussehen, übernehmen sie die selben Funktionen wie die Photosynthese und die Regulation des Wasserhaushaltes.

Bild 6: Lebensbäume, auch Thujen genannt, haben schuppenförmige Blätter.

Immergrüne Nadeln bringen Vorteile und Herausforderungen

Einen großen Unterschied gibt es aber doch: Die Blätter fast aller Nadelbäume sind immergrün, das heißt sie bleiben das ganze Jahr über am Baum. Je nach Art bleiben die Nadeln zwei bis 40 Jahre lang an der Pflanze bis sie am Ende ihrer Lebenszeit ganzjährig abfallen. Immergrüne Nadelbäume können so wichtige Ressourcen sparen, werden aber auch vor besondere Herausforderungen gestellt.

Bild 7: Die Nadeln immergrüner Nadelbäume sind an Kälte und Trockenheit angepasst.

Angepasst an Trockenheit und Kälte

Da beispielsweise die Wasseraufnahme im Winter durch gefrorene Böden erschwert werden kann, weisen Nadelblätter Anpassungen an Trockenheit auf. Sie haben im Vergleich zu Laubblättern eine viel kleinere Oberfläche, sind robuster und von einer Wachsschicht umgeben, um so Austrocknung und Frostschäden vorzubeugen. Außerdem entwickeln immergrüne Nadelbäume bei Kälte glykolartige Substanzen, die wie bei modernen Frostschutzmitteln den Gefrierpunkt des in den Nadeln enthaltenen Wassers herabsetzen. Es gibt aber auch Nadelbaumarten wie die Europäische Lärche, deren Nadeln sich wie Laubblätter im Herbst verfärben und anschließend abfallen.

Bild 8: Die Nadeln der Lärche verfärben sich im Herbst leuchtend gelb und fallen schließlich ab.

Nadelbäume wachsen fast überall und dominieren im Norden

Diese besondere Lebensweise ermöglicht immergrünen Nadelbäumen ein Wachstum auch an kühleren Standorten mit trockenen und nährstoffarmen Böden und damit ein großes Verbreitungsgebiet. Nadelhölzer gibt es daher fast überall auf der Welt und in ihren nördlichen Lebensräumen wie beispielsweise dem borealen Nadelwald sind sie sogar die dominierenden Pflanzen. Aber auch aus Berlin ist insbesondere eine Nadelbaumart nicht wegzudenken - die Waldkiefer. Das ist kein Zufall, ist sie doch eine der am häufigsten zur Holzgewinnung angebauten Baumarten Deutschlands. Die sandigen und trockenen Böden Berlins sind für die Waldkiefer zusätzlich von Vorteil, da sie so weniger Konkurrenz durch Laubbäume hat. Besonders in den Forsten der baumreichen Randbezirke wie im Tegeler Forst oder dem Grunewald ist sie daher landschaftsprägend.

Bild 9: Nadeln und Zapfen der Waldkiefer

Quellen

Bildquellen

DOI: https://doi.org/10.7479/ws8v-z270/2