Blick in den Ausstellungsbereich „digitize!“ des Museums für Naturkunde Berlin. Zwei Personen arbeiten an Digitalisierungsstationen mit Monitoren, Kameratechnik und Scannern. Im Hintergrund zeigt eine großflächige Projektion zahlreiche digitalisierte Sammlungsobjekte.

Die Sammlung in die Zukunft führen

Die Sammlung des Museums für Naturkunde Berlin ist weit mehr als ein naturkundliches Archiv: Sie ist ein lebendiger Wissensspeicher, der Antworten bereithält nicht nur auf zentrale Fragen unserer Zeit, sondern auch auf zukünftige Fragen, von denen wir heute noch nicht einmal wissen. Ob fossile Zeugnisse früherer Erdzeitalter, Typusexemplare neu beschriebener Arten oder Meteoriten, die Hinweise auf die Entstehung des Wassers auf der Erde liefern – jedes der rund 30 Millionen Sammlungsobjekte birgt das Potenzial für neue Erkenntnisse. Dieses Potenzial systematisch zu erschließen und für eine breite Nutzung zu öffnen, ist einer der wichtigsten Aspekte unserer Museums-Evolution, konkret umgesetzt im Zukunftsplan und hier genauer: im Teilprojekt Sammlungserschließung und -entwicklung, dessen Ziele bis Ende des Jahres 2025 zu mehr als der Hälfte umgesetzt worden sind.

Angestrebt wird, die historisch gewachsene Sammlung langfristig zu sichern, digital zu erfassen und weltweit zugänglich zu machen. Viele Objekte lagerten bislang in historischen Schränken und waren nur eingeschränkt dokumentiert oder digital verfügbar. Durch konservatorische Sicherung, strukturierte Datenerfassung und systematische Digitalisierung wurden und werden diese Bestände nun Schritt für Schritt in eine offene Wissensinfrastruktur überführt.

Mit modernen Digitalisierungsverfahren, standardisierten Workflows und neuer technischer Ausstattung konnten große Objektmengen effizient erschlossen werden. Gleichzeitig wurde diese Arbeit für die Öffentlichkeit sichtbar gemacht – etwa in Ausstellungen wie „digitize!“ oder „ZUGvögel – Eine Sammlung in Bewegung“, die Einblicke in die Prozesse hinter den Kulissen geben und teilweise partizipativ entstanden sind. 

Zentrale Datenstrukturen und Fachdatenbanken werden weiterentwickelt. Einheitliche Standards sorgen dafür, dass Sammlungsinformationen verlässlich erfasst, langfristig archiviert und über das hauseigene Datenportal sowie internationale Plattformen wie GBIF oder Europeana bereitgestellt werden können. Die Einführung einer Richtlinie zur Urheberrechtsauszeichnung ermöglicht es zudem, Daten und Digitalisate der Massendigitalisierung unter Creative-Commons-Lizenzen offen zugänglich zu machen – eine wichtige Voraussetzung, um die Sammlung des Museums wie angestrebt weltweit zugänglich zu machen.

Hochauflösende Bilder, Tonaufnahmen und 3D-Modelle erweitern nun den Digitalen Katalog. Durch offene Zugänge, innovative Ideen und Vernetzung von Partnern konnten im Rahmen des Zukunftsplans neue Nutzungsformen erprobt werden. Ein Beispiel ist das 3D-basierte Tastmodell eines Waldmistkäfers, das zeigt, wie digitale Sammlungsdaten Innovation und Inklusion fördern können.

Aus der Verbindung der physischen und der im Teilprojekt Sammlungserschließung und -entwicklung des Zukunftsplans erstellten digitalen Sammlungsobjekte entstehen neue Möglichkeiten für die sammlungsbezogene Forschung und damit neue Erkenntnisse, zum Beispiel bei der Erforschung von Meteoriten, der urbanen Biodiversität oder der Sammlungsgeschichte.

Teil der Sammlungsentwicklung und -erschließung sind die im Jahr 2025 fortgesetzten, umfangreichen Vorbereitungen für die anstehenden Sammlungsumzüge. Diese stehen im Zusammenhang mit der Sanierung des Museums und dem Aufbau des Zweitstandorts in Berlin-Adlershof. Sie stellen einen weiteren essentiellen Baustein der Erschließung der Sammlung als zentralen Motor der Forschung und Museums-Evolution dar.