Nahaufnahme eines historischen Säugetierfells aus der Sammlung mit sichtbaren Rissen und Alterungsspuren im Leder.

Forschungsgruppe

Konservierungsforschung
Wissen bewahren – Sammlungsobjekte nachhaltig sichern

Forschung

Eine zentrale Aufgabe des Museums für Naturkunde Berlin ist die Bewahrung des naturkundlichen Erbes. Auf der Basis von langjährigen Erfahrungswerten werden Erhalt und die Nutzbarkeit der wissenschaftlich wertvollen Objekte für zukünftige Generationen gesichert. Die Konservierungsforschung trägt maßgeblich dazu bei, Alterungsphänomene der heterogenen Objektgruppen des Museums vom Meteorit bis hin zum konservierten Marienkäfer besser zu verstehen und zu erforschen sowie Erhaltungsmethoden zu optimieren und weiterzuentwickeln.

Die Forschungsfragen entstehen unmittelbar aus der täglichen Arbeit mit Objekten und Materialien. Ihre Ergebnisse fließen direkt in praktische Anwendungen und in strategische Planungen ein. Gleichzeitig sichern Wissenstransfer und Capacity Building als zentrale Säulen des Forschungsfeldes die Vernetzung und langfristige Verankerung des gewonnenen Wissens.

Insbesondere neue Ansätze der Präventiven Konservierung, sei es im Umgang mit biozidbelastetem Sammlungsgut, der Entwicklung intelligenter Verpackungs- und Lagerungssysteme oder auf dem Gebiet der Notfallplanung sind entscheidende Schritte bei der nachhaltigen Stärkung der Resilienz unserer Sammlung.

Als Teil der Agenda 2030 der Leibniz-Forschungsmuseen ist die Konservierungsforschung ein Kernthema im Forschungsbereich Zukunft der Sammlung. Sie richtet sich an folgenden Leitfragen aus:

  • Wie können wir die Integrität und Nutzbarkeit unserer physischen Objekte langfristig und nachhaltig sichern?
  • Wie sehen intelligente Unterbringungs- und Verpackungssysteme aus?
  • Wie kann es gelingen, Nutzbarkeit und Arbeitssicherheit beim Umgang mit biozidbelastetem Sammlungsmaterial zu vereinen?

Leitung

Dr. Christiane Quaisser
Wissenschaftlerin
Christiane.Quaisser@mfn.berlin

Schwerpunkte

Materialforschung und nachhaltige Erhaltung

Der Fokus der Konservierungsforschung liegt auf der Untersuchung von Alterungs- und Abbauprozessen der vielfältigen Materialien in der Sammlung sowie auf der Entwicklung nachhaltiger Methoden und intelligenter Technologien zum Schutz und langfristigem Erhalt der wertvollen Sammlungsobjekte.

Auch die Verbesserung der Lagerung und Verpackung von Objekten ist in Anbetracht der umfangreichen Sammlungsumzüge und der Planung von neuen Depots von großer Bedeutung.

Umgang mit biozidbelastetem Sammlungsgut

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Entwicklung und Implementierung neuer Methoden zur Erfassung, Bewertung und zum sicheren Umgang mit biozidbelastetem Material. Vor allem trocken gelagerte biologische Objekte, wie Insekten, Vögel, Säugetiere, Pflanzen sind mit diversen Giften behandelt um sie vor Schädlingen und Schimmel zu schützen.

Ziel der Forschung und Entwicklung ist es, das Risiko für Mitarbeiter:innen im Umgang mit diesen Objekten zu minimieren.

Krisenvorsorge und präventive Konservierung

Vor dem Hintergrund des Klimawandels und zunehmender Bedrohung von Kulturgut durch mannigfaltige Krisen gewinnen Notfallplanung und Maßnahmen zum Schutz vor Katastrophen als Teil der präventiven Konservierung dramatisch an Bedeutung. Im Mittelpunkt stehen dabei die Entwicklung von Notfallplänen und Notfallvorsorge zur schnellen und effektiven Reaktion auf unerwartete Ereignisse, die die Sammlung gefährden könnten und eine Förderung des Wissensaustauschs und der engen Vernetzung auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit

Forschungsnetzwerke und Wissenstransfer

Ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit ist das Engagement im Leibniz-Forschungsnetzwerk Konservierung/Restaurierung. In Arbeitsgruppen werden zentrale Themen wie Biozide, Nachhaltigkeit und Notfallplanung bearbeitet. Das Forschungsnetzwerk fördert zudem den Austausch mit anderen Akteuren im Bereich der Konservierungsforschung, zum Beispiel der Forschungsallianz Kulturerbe, der Plattform Konservierungswissenschaften und mit internationalen Partnern wie dem Smithsonian und den University of Cambridge Museums und trägt damit zur Verbesserung der politischen Sichtbarkeit dieses Themas bei.

Konkrete Projekte sind unter anderem die Erhöhung der Umwelt-Resilienz von wertvollem Kulturgut, die Bewertung der Effektivität von Entstaubungsanlagen zur Biozidabreicherung und die Konzeptentwicklung zum Umgang mit Pyritzerfall.

Die interdisziplinären Forschungsansätze erfordern eine enge Kooperation mit externen Partnern, die über spezifisches Know-how verfügen. Wichtige Fachbereiche sind Materialwissenschaften, Chemie, Genetik, Mikrobiologie und Ingenieurwissenschaften.

Das Museum für Naturkunde ist ein aktiver Partner in der Forschungsallianz Kulturerbe (FALKE), dem European Partnership for Resilient Cultural Heritage und arbeitet mit verschiedenen institutionellen und privatwirtschaftlichen Partnern zusammen, darunter: Bundesanstalt für Materialforschung, Zentrum für Bucherhaltung, Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, Leibniz-Forschungsmuseen, Care for Art, und dem Rathgen-Forschungslabor der Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

Publikationen (Auswahl)

Petersen, M., Berger, F., Blessing, A., Glöckler, F., Herrmann, E., Hoffmann, J., Hoffmann, A., Quaisser, C., Tata, N. (2023). Nutzungsgetriebene Erschließung und Digitalisierung für einen offenen Zugang zu naturkundlichen Sammlungen.. In Becker, I.C., Lehmann, F., Meier, R., Uhde, K. (Hrsg.), Alte und neue Kontexte der Erschließung. Beiträge zum 26. Archivwissenschaftlichen Kolloquium der Archivschule Marburg. Archivschule Marburg. Marburg. URL: https://www.archivschule.de/publikationen/veroeffentlichungen

Quaisser, C., Hoffmann, J. (2025). Offene Wissensinfrastruktur für Natur. Museumskunde, 90(Doppelausgabe 2025), 124-131.

Johnson, K.R., Owens, I.F.P., the Global Collection Group (2023). A global approach for natural history museum collections. Science, 379(6638), 1192-1194. DOI: https://doi.org/10.1126/science.adf6434

Zuordnung im Museum für Naturkunde

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