

Das Verbundprojekt „BROMACKER – Öffnen von Wissenschaft: Neue Wege des Wissenstransfers am Beispiel des Forschungsprojekts BROMACKER“ lief von 2020 bis 2025 und verband internationale Spitzenforschung mit innovativer Wissenschaftskommunikation. Während der Projektlaufzeit wurden die systematischen Ausgrabungen am Bromacker nach mehr als zehn Jahren wieder aufgenommen, zahlreiche bedeutende Fossilien geborgen und neue Erkenntnisse über das rund 290 Millionen Jahre alte Ökosystem veröffentlicht. Viele der geborgenen Funde werden jedoch noch präpariert und wissenschaftlich ausgewertet. Die Veröffentlichung weiterer Forschungsergebnisse wird daher auch in den kommenden Jahren fortgesetzt.
Das vom früheren Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Verbundprojekt wurde gemeinsam vom Museum für Naturkunde Berlin, der Friedenstein Stiftung Gotha, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und dem UNESCO Global Geopark Thüringen Inselsberg – Drei Gleichen durchgeführt.
Eine weltweit einzigartige Fossillagerstätte
Der Bromacker im Thüringer Wald zählt zu den bedeutendsten Fossillagerstätten des frühen Perms. Vor rund 290 Millionen Jahren befand sich hier eine Flusslandschaft auf dem Urkontinent Pangäa, in der sich frühe Landwirbeltiere, Pflanzen und Wirbellose entwickelten – lange bevor die Dinosaurier erschienen.
Die Fundstelle ist weltweit einzigartig, weil sie außergewöhnlich gut erhaltene Skelette, Trittsiegel, Grabgänge, Hautabdrücke sowie Fossilien von Pflanzen und Wirbellosen in einem gemeinsamen geologischen Zusammenhang bewahrt. Diese Kombination ermöglicht es, nicht nur einzelne Arten zu erforschen, sondern ganze Lebensgemeinschaften und ihre Umwelt zu rekonstruieren.
Das Ökosystem des Bromackers entschlüsseln
Im Mittelpunkt des Projekts stand die Rekonstruktion eines frühen terrestrischen Ökosystems. Dazu arbeiteten Fachleute aus Paläontologie, Geologie, Biologie und digitalen Technologien eng zusammen und kombinierten klassische Grabungsarbeit mit modernsten Methoden wie Computertomographie, 3D-Digitalisierung, Histologie, Isotopenanalysen und Sedimentologie.
Seit dem Neustart der Grabungen im Jahr 2020 wurden mehr als 1.500 Fossilien geborgen, darunter Skelette, Knochen, Fährten, Grabgänge, Pflanzenreste sowie Fossilien von Wirbellosen. Mehrere neue Arten konnten bereits beschrieben werden, zahlreiche weitere Funde befinden sich derzeit in der wissenschaftlichen Bearbeitung. Die Grabungen fördern jedes Jahr neue Erkenntnisse zutage – darunter ausgedehnte Knochenlagen, fossile Grabgangsysteme, Kleinskelette früher Reptilien sowie eine Ascheschicht, die künftig eine präzisere Datierung der Fundschichten ermöglichen könnte.
Die Forschungen lieferten neue Erkenntnisse über Biodiversität, Nahrungsketten, Fortbewegung, Wachstum und Lebensweise früher Landwirbeltiere sowie über Klima, Landschaft und Umweltbedingungen im frühen Perm. Sie tragen dazu bei, die Entstehung moderner Landökosysteme und die Evolution der frühen Amnioten – der gemeinsamen Vorfahren heutiger Säugetiere, Reptilien und Vögel – besser zu verstehen.
Eine Besonderheit des Bromackers ist das gemeinsame Vorkommen von Knochenfossilien und den zugehörigen Fährten derselben Tierwelt. Diese weltweit seltene Kombination erlaubt es, Verhalten, Fortbewegung und Lebensräume ausgestorbener Tiere so detailliert zu rekonstruieren wie an kaum einer anderen Fossillagerstätte.
Wissenschaft transparent machen
Ein zentrales Merkmal des Projekts war die enge Verzahnung von Forschung und Wissenschaftskommunikation. Der Wissenstransfer war nicht erst das Ergebnis der Forschung, sondern von Beginn an integraler Bestandteil des Projekts.
Während der jährlichen Grabungskampagnen konnten Besucherinnen und Besucher den Forschenden direkt bei der Arbeit über die Schulter schauen und mit ihnen ins Gespräch kommen. Ergänzt wurde dies durch Führungen an der Grabungsstätte, Social-Media-Formate, digitale Angebote, projektbegleitende Webseiten sowie Ausstellungen und Dialogveranstaltungen der Projektpartner. Allein während der Grabung 2025 nutzten mehr als 1.400 Menschen die Gelegenheit, die Ausgrabungen vor Ort zu besuchen und sich mit dem Forschungsteam auszutauschen.
Mit Formaten wie dem BROMACKER Lab der Friedenstein Stiftung Gotha wurde der Forschungsprozess selbst zum Ausstellungsgegenstand. Präparation, wissenschaftliche Analysen und aktuelle Forschungsergebnisse wurden für die Öffentlichkeit unmittelbar nachvollziehbar gemacht. Das Projekt zeigte beispielhaft, wie Forschung und Wissenschaftskommunikation gleichberechtigt zusammenwirken können und schuf neue Wege für den Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft.
Bedeutung für Forschung und Gesellschaft
Der Bromacker zählt heute zu den wichtigsten Referenzfundstellen für die frühe Evolution der Landwirbeltiere und die Entwicklung terrestrischer Ökosysteme. Die Forschung liefert grundlegende Erkenntnisse darüber, wie sich Lebensgemeinschaften an Umwelt- und Klimaveränderungen anpassten und welche Prozesse zur Entstehung der heutigen Biodiversität führten. Dieses Wissen hilft dabei, die Entwicklung von Ökosystemen über geologische Zeiträume hinweg besser zu verstehen und aktuelle Veränderungen in einen langfristigen evolutionären Kontext einzuordnen.
Mit seiner Verbindung aus internationaler Spitzenforschung, modernsten Analysemethoden und einem konsequent offenen Wissenschaftsansatz hat das BROMACKER-Projekt Maßstäbe für interdisziplinäre Forschung und Wissenschaftskommunikation gesetzt. Zugleich bildet es die Grundlage für die langfristige Erforschung einer der bedeutendsten Fossillagerstätten der Welt, deren wissenschaftliches Potenzial noch längst nicht ausgeschöpft ist.
Geschichte der Fossillagerstätte
Die Fossillagerstätte Bromacker liegt in der Tambach-Formation zwischen Tambach-Dietharz und Georgenthal im Thüringer Wald. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts wurden dort fossile Fährten entdeckt. 1974 fand der Gothaer Paläontologe Thomas Martens erstmals Knochenfossilien und begründete damit die moderne Bromacker-Forschung.
Zwischen 1993 und 2010 führten internationale Teams regelmäßige Grabungen durch und entdeckten zahlreiche außergewöhnlich gut erhaltene Skelette früher Landwirbeltiere. Mit dem Verbundprojekt BROMACKER wurden diese Forschungen ab 2020 wieder aufgenommen und um geologische, klimatische sowie wissenschaftskommunikative Fragestellungen erweitert. Auch nach dem Ende der Bundesförderung werden die Arbeiten am Bromacker fortgeführt und neue Forschungsergebnisse veröffentlicht.
Projektergebnisse
Während der Projektlaufzeit wurden mehr als 1.500 Fossilien geborgen und mit modernsten Methoden dokumentiert und untersucht, darunter Drohnenkartierungen, 3D-Modelle, CT-Scans und histologische Analysen. Die Forschenden beschrieben vier neue Arten; zahlreiche weitere Funde werden derzeit wissenschaftlich bearbeitet.
Zu den wichtigsten Forschungsergebnissen zählen der erste Nachweis einer modernen Nahrungspyramide in einem terrestrischen Ökosystem des frühen Perms, die ältesten bekannten Hautabdrücke eines Synapsiden, die ältesten bekannten komplexen Grabgangsysteme von Wirbeltieren sowie die erste hochpräzise Altersbestimmung der Bromacker-Fossillagerstätte auf rund 295 Millionen Jahre.
Ebenso erfolgreich war die Wissenschaftskommunikation: Mit virtuellen Angeboten, Ausstellungen, Social Media, Podcasts, Schulprogrammen und Veranstaltungen erreichte das Projekt ein breites Publikum. Insgesamt fanden über 250 Veranstaltungen statt, es erschienen mehr als 1.500 Medienberichte, über 10.000 Menschen besuchten die Ausgrabungen und mehr als 50.000 Besucherinnen und Besucher das BROMACKER Lab in Gotha.
Das Projekt zeigte zudem, dass Wissenschaftskommunikation durch Forschende selbst besonders transparent, wirksam und vertrauensbildend ist und den direkten Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft nachhaltig stärkt.






