
Der Meteoritenfall von Ribbeck
Als frischer Fall einer sehr seltenen Meteoritenklasse wurde Ribbeck auch zum Gegenstand intensiver wissenschaftlicher Untersuchungen

Der vorhergesagte Meteoriteneinschlag von Ribbeck
Am 20. Januar 2024 entdeckte der ungarische Astronom Krisztián Sárneczky den nur etwa 40 Zentimeter großen Asteroiden 2024 BX1 auf Kollisionskurs mit der Erde. Die Asteroidenüberwachungssysteme Scout der NASA und Meerkat der ESA berechneten einen Einschlag für den 21. Januar 2024 um 1:33 Uhr westlich von Berlin. Der Feuerball wurde zum vorhergesagten Zeitpunkt beobachtet und durch ALLSKY-Kameras dokumentiert. Nach einer ersten erfolglosen Suche wurde das Streufeld anhand neuer Berechnungen weiter östlich verlagert. Vier Tage später fanden Meteoritenjäger nahe Ribbeck das erste Fragment.
Weltweit ist dies erst das vierte Ereignis, bei dem ein Asteroid im All beobachtet, sein Atmosphäreneintritt dokumentiert und anschließend als Meteorit geborgen werden konnte.
Ein außergewöhnlicher Fund
Der Vergleich mit einem Typusexemplar aus der Meteoritensammlung des Museums für Naturkunde Berlin zeigte, dass Ribbeck zur äußerst seltenen Klasse der Aubrite gehört. Diese machen nur rund 0,01 Prozent aller bekannten Meteoritenfunde aus und liefern wichtige Informationen über die frühe Entwicklung der Gesteinsplaneten im Sonnensystem. Mithilfe der Laborinfrastruktur des Museums – darunter Elektronenmikrosonde, Mikro-Röntgenfluoreszenz und Computertomographie – wurde der Meteorit untersucht und bereits zwei Wochen nach der Einreichung offiziell von der Meteoritical Society als Ribbeck anerkannt.
Suche und wissenschaftliche Auswertung
Ein gemeinsames Team des Museums für Naturkunde Berlin und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) fand mit Unterstützung von Forschenden und Studierenden der Freien Universität Berlin, der Technischen Universität Berlin sowie des SETI Institute insgesamt 25 Meteoritenfragmente mit einer Gesamtmasse von rund 160 Gramm. Die Funde wurden in die Meteoritensammlung des Museums aufgenommen und bilden eine wichtige Grundlage für weitere Forschung.
Heute untersucht ein internationales Konsortium aus nahezu 100 Wissenschaftler:innen unter Leitung des Museums, des DLR und des SETI Institute die Fragmente mit modernsten chemischen, mineralogischen und spektroskopischen Methoden. Der Ribbeck-Meteorit liefert unter anderem neue Erkenntnisse darüber, wie sich flüchtige Elemente während der frühen Entwicklung der Gesteinsplaneten verteilt haben. Insgesamt wurden innerhalb von etwa acht Wochen 203 Fragmente mit einer Gesamtmasse von rund 1,8 Kilogramm gemeldet.
Bedeutung für Forschung und Gesellschaft
Der Meteoriteneinschlag stieß auf großes öffentliches Interesse. Zahlreiche Medien berichteten über den Fund, und ausgewählte Fragmente wurden in einer Sonderausstellung im Museum präsentiert.
Gleichzeitig unterstreicht der Fall Ribbeck die Bedeutung moderner Asteroidenüberwachung und internationaler Zusammenarbeit. Forschende des Museums beteiligen sich unter anderem an der ESA-Mission HERA, um Verfahren zur Ablenkung potenziell gefährlicher erdnaher Asteroiden zu untersuchen.
Ribbeck zeigt damit eindrucksvoll, wie ein außergewöhnlicher Meteoritenfall zugleich neue Erkenntnisse über die Entstehung des Sonnensystems liefert und zur Vorbereitung auf zukünftige Einschlagsereignisse beiträgt.
Partner
- Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
- SETI Institute
- Freie Universität Berlin
- Technische Universität Berlin
- ESA NEO Coordination Centre
- American Meteor Society and AllSky7 Network
- Arbeitskreis Meteore, e.V.
- Astronomical Institute of The Czech Academy of Sciences
- Astronomical Institute of the Romanian Academy
- Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe
- CEREGE
- Curtin University
- Delft University of Technology
- Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ
- ESRF – The European Synchrotron
- ETH Zürich
- GAMP—Osservatorio Astronomico Montagna Pistoiese
- GiaGa Observatory
- Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover
- Helmholtz Zentrum München
- Jet Propulsion Laboratory
- Johannes Gutenberg-Universität Mainz
- Konkoly Observatory
- Leidos
- Lowell Observatory
- Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung
- Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik
- NASA Ames Research Center
- NASA Goddard Space Flight Center
- NASA Johnson Space Center
- National Centre for Nuclear Research RC POLATOM
- Oberfrauendorf Observatory
- Purdue University
- Sandia National Laboratories
- Schiaparelli Astronomical Observatory
- Technische Universität München
- Tescan
- The Catholic University of America
- Thüringer Landessternwarte Tautenburg
- Twistaroma
- Universidad de Alicante
- Universitat de Barcelona
- Universität Innsbruck
- Université de Lorraine
- Université Toulouse III - Paul Sabatier
- University of California
- University of Western Ontario
- Višnjan Science and Education Center
- Vrije Universiteit Brussel

