Kapazitäten und Kompetenzen im Umgang mit Hassrede und Wissenschaftsfeindlichkeit (KAPAZ)

Das KAPAZ-Projekt (Kapazitäten und Kompetenzen im Umgang mit Hassrede und Wissenschaftsfeindlichkeit) befasst sich mit einer drängenden Frage: Wie kann die Wissenschaft Forschende besser schützen und unterstützen, die bei der Interaktion mit der Öffentlichkeit auf Hass und Anfeindungen stoßen? In den letzten Jahren sind Forschende in Deutschland und Europa sich der Gefahr von Online-Belästigung, öffentlichen Angriffen und Reputationsrisiken zunehmend bewusst geworden – insbesondere bei der Arbeit an gesellschaftlich und politisch sensiblen Themen. Solche Feindseligkeiten betreffen nicht nur die betroffenen Forschenden persönlich, sondern stellen auch eine Herausforderung für den offenen wissenschaftlichen Austausch und den demokratischen Diskurs dar.
Gleichzeitig fördert die Forschungspolitik einen intensiveren Dialog zwischen Forschung und Gesellschaft. KAPAZ begegnet diesem Spannungsfeld, indem es die Resilienz gegenüber Feindseligkeiten sowohl auf individueller als auch auf institutioneller Ebene stärkt. Das Projekt ist eine gemeinsame Initiative von sieben Partnern aus Forschung und Praxis, darunter das Museum für Naturkunde Berlin mit seiner Berlin School of Public Engagement and Open Science. Koordiniert wird das Projekt vom Alexander von Humboldt-Institut für Internet und Gesellschaft.
Das Kernziel von KAPAZ besteht darin, die Resilienz des Wissenschaftssystems gegenüber wissenschaftsfeindlichen Tendenzen zu stärken. Dies soll erreicht werden, indem:
- Wissen über die Art, Verbreitung und Auswirkungen von Feindseligkeit gegenüber Forschenden aufgebaut wird
- praktische Unterstützungsstrukturen innerhalb von Forschungseinrichtungen entwickelt werden
- Forschende und Organisationen mit Kompetenzen ausgestattet werden, um feindselige Interaktionen zu antizipieren und darauf zu reagieren.
Ein wichtiges angestrebtes Ergebnis ist ein akademisches Umfeld, in dem Forschende sich sicher und unterstützt fühlen, wenn sie mit der Gesellschaft in Kontakt treten. Bei auftretenden Feindlichkeiten sollen klare institutionelle Wege und Ressourcen zur Verfügung stehen. Darüber hinaus zielt KAPAZ darauf ab, das Bewusstsein von Wissenschaftsmanagern, politischen Entscheidungsträgern und Kommunikationsfachleuten zu schärfen.
Das Arbeitspaket 3 (AP3) steht unter der Leitung der Berlin School of Public Engagement and Open Science am Museum für Naturkunde Berlin. Es konzentriert sich auf den Aufbau praktischer Kompetenzen bei Forschenden und bei den Fachkräften, die sie unterstützen.
Zwischen 2023 und 2025 bot AP3 zwei sich ergänzende Fortbildungsformate an:
- Ein Train-the-Trainer-Programm für Fachkräfte aus den Bereichen Kommunikation und Forschungsunterstützung (fünf Workshops mit 62 Teilnehmenden), das darauf abzielt, institutionelle Kapazitäten zu stärken und proaktive Unterstützung zu leisten.
- zwei Durchgänge einer Sommerschule für Nachwuchswissenschaftler:innen (insgesamt 41 Teilnehmende), in denen die Teilnehmenden Strategien für ein sicheres und selbstbewusstes Public Engagement erarbeiteten.
Diese Aktivitäten setzen den Schwerpunkt von KAPAZ – die Verknüpfung von individueller Resilienz mit organisatorischer Vorbereitung – in die Praxis um.
AP3 ergab, dass den Forschenden die Risiken und Auswirkungen von Feindseligkeit auf ihre Arbeit sehr bewusst sind. Mit der Teilnahme am Programm wollten sie nicht nur praktische Wege finden, um sich selbst zu schützen, sondern auch Kontakte zu anderen knüpfen, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Forschende benötigen umsetzbare Reaktionsstrategien, starke institutionelle Unterstützung und eine eindeutige Anerkennung der praktischen und emotionalen Belastungen, die Feindseligkeit im Rahmen von Public Engagement mit sich bringen kann.
Fachkräfte aus dem Bereich der Forschungsförderung suchten nach Einblicken in das Thema Feindseligkeit gegenüber Forschenden und nach Klarheit über ihre eigene Unterstützungsrolle. Die Fortbildung bot einen strukturierten Ansatz zur Entwicklung praktischer Strategien aus persönlicher, organisatorischer und rechtlicher Perspektive. Die Teilnehmenden erlangten ein tieferes Verständnis für die ihnen zur Verfügung stehenden Instrumente, mehr Selbstvertrauen bei der Beratung und Gestaltung institutioneller Praktiken und eine verbesserte Fähigkeit, mit Feindseligkeit umzugehen und Forschende an ihren Einrichtungen zu unterstützen.
Fachkräfte aus dem Bereich der Forschungsförderung suchten nach Einblicken in das Thema Feindseligkeit gegenüber Forschenden und nach Klarheit über ihre eigene Unterstützungsrolle. Die Fortbildung bot einen strukturierten Ansatz zur Entwicklung praktischer Strategien aus persönlicher, organisatorischer und rechtlicher Perspektive. Die Teilnehmenden erlangten ein tieferes Verständnis für die ihnen zur Verfügung stehenden Instrumente, mehr Selbstvertrauen bei der Beratung und Gestaltung institutioneller Praktiken und eine verbesserte Fähigkeit, mit Feindseligkeit umzugehen und Forschende an ihren Einrichtungen zu unterstützen.
Zu den wichtigsten Ergebnissen des Projekts gehören:
- praktische Trainingsmaterialien und Bildungsressourcen, frei verfügbar für Forschungseinrichtungen
- ein gestärktes Netzwerk von Fachkräften, die sich dafür einsetzen, Resilienzbildung in institutionelle Strategien zu integrieren
- Leitlinien zum Umgang mit Feindseligkeit, die für Forschende und Wissenschaftskommunikator:innen entwickelt wurden
- ein Bericht über Feindseligkeiten gegenüber Forschenden in Deutschland, der auf einer landesweit repräsentativen Studie basiert
- ein Rechtsleitfaden zur Aufklärung von Feindseligkeiten und persönlichen Angriffen gegen Forschende sowie zu Rechtsmitteln.
Die Ergebnisse von KAPAZ stärken das Wissenschaftssystem. Sie helfen, Feindseligkeiten früh zu erkennen, angemessen zu reagieren und aus Erfahrungen zu lernen. So fördern sie einen offenen und nachhaltigen Austausch zwischen Forschung und Gesellschaft.
Kooperationspartner
KAPAZ wird als Pionierprojekt der VolkswagenStiftung gefördert. An dem Projekt sind verschiedene Forschungs- und Praxisorganisationen beteiligt, darunter das Museum für Naturkunde Berlin, das durch die Berlin School of Public Engagement and Open Science vertreten ist, das Alexander von Humboldt-Institut für Internet und Gesellschaft, die Freie Universität Berlin, Wissenschaft im Dialog, der Bundesverband Hochschulkommunikation, das Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut und das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung.
