Netzwerk Naturwissen

Forschende, Bildungseinrichtungen und Naturschutzakteur:innen werden zusammengebracht, um neue Formen der Wissensproduktion und -vermittlung angesichts globaler ökologischer Krisen zu erproben.

www.atlasnaturwissen.de

Ökologische, politische und soziale Veränderungen stehen in engem Zusammenhang mit der Beziehung des Menschen zur Natur und machen es zunehmend erforderlich, Formen der Zusammenarbeit neu zu denken. Die Bewältigung globaler Herausforderungen wie Biodiversitätsverlust oder Klimawandel erfordert vertrauensvolle Allianzen zwischen unterschiedlichen gesellschaftlichen Akteur:innen. Gerade in der Auseinandersetzung und im Dialog zwischen verschiedenen Perspektiven, Erfahrungen und Wissensformen liegt das Potenzial für innovative Ansätze und gesellschaftliche Veränderungsprozesse. Vor diesem Hintergrund entstand am Museum für Naturkunde Berlin das Netzwerk Naturwissen als Raum für Austausch, Zusammenarbeit und gemeinsame Wissensproduktion. Ziel des Projekts ist es, unterschiedliche Perpektiven auf Natur und Umwelt zusammenzuführen und Wissen über die Beziehungen zwischen Mensch und Umwelt zu sammeln, zu reflektieren und weiterzuentwickeln. Dafür werden Akteur:innen aus Wissenschaft, Kunst, Politik, Bildung und Zivilgesellschaft miteinander vernetzt. Durch diesen entstehen neue Ideen, die dazu beitragen, aktuelle komplexe ökologische Herausforderungen wie Biodiversitätsverlust oder Klimawandel besser zu verstehen und gesellschaftliche Transformationsprozesse anzustoßen.

Der Ansatz des Projekts ist interdisziplinär und partizipativ ausgerichtet. Verschiedene wissenschaftliche Disziplinen werden gezielt mit Perspektiven aus Kultur, Politik, Bildung und Zivilgesellschaft verbunden. Dabei geht es darum, unterschiedliche Formen von Wissen wie naturwissenschaftliche Erkenntnisse, gesellschaftliche Erfahrungen, künstlerische Perspektiven oder praktisches Erfahrungswissen miteinander in einen Dialog zu bringen. Auf diese Weise soll ein umfassenderes Verständnis von Natur und den Beziehungen zwischen Mensch und Umwelt entstehen, das über einzelne Fachperspektiven hinausgeht. Um diesen Austausch zu ermöglichen, setzt das Netzwerk auf verschiedene dialog- und forschungsorientierte Formate, darunter Workshops, Diskussionsveranstaltungen, künstlerische Interventionen, Lesekreise sowie die kollaborative Arbeit in thematischen Projektgruppen. Diese Formate dienen nicht nur dem Austausch von Wissen, sondern auch der gemeinsamen Entwicklung neuer Fragestellungen und Perspektiven.

Ein wichtiges Ergebnis des Projekts ist die Entwicklung einer offenen Plattform für den Austausch von Wissen. Dabei spielt die Projektwebseite Atlas Naturwissen (https://atlasnaturwissen.de/de) eine zentrale Rolle. Der Atlas fungiert als digitales Instrument zur Dokumentation, Reflexion und Weiterentwicklung der im Netzwerk Naturwissen entstehenden Inhalte und Kooperationen. Auf der Plattform werden Projekte, Diskussionen, Veranstaltungen und thematische Karten zusammengeführt, die unterschiedliche Perspektiven auf Naturwissen sichtbar machen. Ziel ist es, abstrakte wissenschaftliche Überlegungen mit konkreten gesellschaftlichen Praktiken zu verbinden und diese Erkenntnisse öffentlich zugänglich zu machen. Dadurch dient der Atlas nicht nur als Informationsplattform, sondern auch als methodisches Werkzeug, um Kooperationen zu strukturieren, gemeinsame Arbeitsprozesse zu dokumentieren und die Entwicklung neuer Wissensformen nachvollziehbar zu machen.

Die Arbeit und die verschiedenen Austauschformate des Netzwerks werden zudem wissenschaftlich begleitet und reflektiert. Die im Projekt entwickelten Ansätze, Kooperationen und Dialogformate werden nicht nur praktisch erprobt, sondern auch wissenschaftlich ausgewertet und in Form von Fachpublikationen veröffentlicht. Dadurch werden die Erfahrungen und Erkenntnisse aus dem Netzwerk in wissenschaftliche Debatten zu Themen wie Wissensproduktion, interdisziplinärer Zusammenarbeit und gesellschaftlicher Transformation eingebracht.

Kooperationspartner 

Seit dem Herbst 2022 versammeln sich im Netzwerk Naturwissen über 50 Partner:innen aus dem Raum Berlin/Brandenburg mit unterschiedlichen Erfahrungen, Einsichten und Expertisen in Bezug auf Mensch-Umwelt-Beziehungen und Naturwissen. Das Netz, das hier entsteht, versammelt und verbindet notwendigen Perspektiven für ein Naturwissen aus Politik, Kunst, Kultur, Zivilgesellschaft. Der Zusammenschluss dieser unterschiedlichen Perspektiven bildet einen Ausgangspunkt, um komplexe Wissensbestände gemeinsam zu reflektieren und weiterzuentwickeln. Schließlich haben alle Netzwerkler:innen Zugang zu ihren jeweiligen Communities. So ist es ausgewiesenermaßen Ziel des Netzwerks, keinen rein akademischen Zusammenhang zu stiften. Stattdessen lebt das Netzwerk von seinen Partner:innen aus NGOs, von Aktivist:innen oder Kulturinstitutionen. Die Involvierten eint das Interesse, durch ihr Beitrag einen Aspekt dieses Naturwissens zu beleuchten. Dieser inhaltliche Bezug kann dabei Ausgangspunkt möglicherweise unerwarteter Zusammenarbeiten sein, die über etablierte institutionelle oder fachliche Grenzen hinausgehen. Gerade in dieser Offenheit für neue Verbindungen und Perspektiven liegt ein wesentliches Potenzial des Netzwerks für innovative Formen der Zusammenarbeit und Wissensproduktion.