Drittmittelprojekt

Paläopathologien von obertriassischen Phytosauriern als Fenster zu Paläoökologie

Verhalten und Knochenheilung von frühen Archosauriformes

Foto eines Fossils (Mystriosuchus) auf Metallständer in einem Kasten mit Sand

Paläopathologie, das Studium vorzeitlicher Krankheiten und Verletzungen, trägt wesentlich zum Verständnis der Physiologie und Paläoökologie ausgestorbener Organismen bei. Phytosaurier, eine artenreiche Gruppe karnivorer Archosauriformer, eignen sich besonders für groß angelegte paläopathologische Studien, da tausende Exemplare in Museen Europas und der USA aufbewahrt werden. Obwohl sie nicht näher verwandt sind, lassen sie sich mit Krokodilen vergleichen, die häufig als ihre heutigen ökologischen Entsprechungen gelten.

Ziel dieses Projekts ist es, anhand einer umfassenden Analyse ihrer Skelettpathologien neue Erkenntnisse über Lebensweise und Verhalten der Phytosaurier zu gewinnen. Im Fokus stehen insbesondere Verletzungen, die auf einen aktiven Lebensstil hinweisen, etwa durch trophische Interaktionen (z. B. wehrhafte Beute), innerartliche Aggression oder wiederholte Belastungen von Knochen und Sehnen. Zudem soll untersucht werden, wie Art und Häufigkeit von Pathologien zwischen taxonomischen Gruppen, in Abhängigkeit von der vermuteten trophischen Stellung sowie im Zusammenhang mit dem individuellen Alter variieren.

Die nahezu weltweite Verbreitung der Phytosaurier in obertriassischen kontinentalen Ökosystemen ermöglicht es, ihre Pathologien im Kontext zeitlicher und regionaler Umweltveränderungen zu analysieren. Methodisch kombiniert das Projekt klassische morphologische Untersuchungen mit medizinischem und Mikro-CT sowie histologischen Dünnschliffen.

Der Vergleich mit Pathologien heutiger Krokodile, deren Ökologie gut bekannt ist, soll die Hypothese prüfen, dass aufgrund ähnlicher Morphologie und Lebensweise vergleichbare Krankheitsmuster auftreten. Die Ergebnisse liefern nicht nur einen unabhängigen Test bisheriger Vorstellungen zur Paläobiologie der Phytosaurier, sondern auch neue Einsichten in die Evolution früher Archosauriformer und die trophischen Interaktionen von Tetrapoden in obertriassischen Kontinentalökosystemen.

Kooperationspartner

  • Kyla Beguesse (Tierärztin; Comparative Zoological Osteological and Paleontological Pathology (CZOPP), LLC, Durham, North Carolina, USA)

  • Ewan Wolff (Tierarzt; Mountainside Animal Emergency & Speciality (MAES), North Vancouver,

  • British Columbia, Canada)

  • Patrick Asbach (Radiologe; Charité—Universitätsmedizin Berlin, Department of Radiology, Berlin,

  • Germany)

  • François Clarac (Archosaurier-Experte; 9CR2P, Sorbonne Université, Muséum National d'Histoire Naturelle, Centre National de la Recherche Scientifique, Centre de Recherche en Paléontologie—

  • Paris (CR2P, UMR 7207), Paris, France

Unser Kontext im Museum

Forscherin analysiert ein Fossil; auf dem Bildschirm ist eine farbig markierte 3D-Rekonstruktion eines Schädels zu sehen.
Forschungsbereich

Dynamik der Natur

Wir untersuchen die Prozesse, die die natürliche Welt formen, von der Evolution und Vielfalt der Arten bis hin zur Entstehung des Sonnensystems.