PALEONILE erforscht die Evolution von Tieren, Ökosystemen und frühen Menschen entlang des Nils im heutigen Sudan. Das vom Europäischen Forschungsrat (ERC) geförderte Projekt untersucht erstmals systematisch die pleistozänen Fossilien und archäologischen Fundstellen des sudanesischen Nilbeckens – einer Schlüsselregion zwischen Subsahara-Afrika, Nordafrika und Eurasien.
Ziel des Projekts ist es, die Rolle des Nilkorridors für die Ausbreitung von Tierarten, frühen Menschen und Ökosystemen während der letzten Hunderttausende Jahre besser zu verstehen. Dafür verbindet PALEONILE Paläontologie, Archäologie, Geologie, Geochronologie und moderne biomolekulare Methoden zu einem interdisziplinären Forschungsansatz.
Das Projekt wird vom Museum für Naturkunde Berlin unter der Leitung von Prof. Dr. Faysal Bibi gemeinsam mit internationalen Partnern durchgeführt. Im Mittelpunkt steht dabei auch der langfristige Aufbau wissenschaftlicher Kooperationen und Forschungskapazitäten mit sudanesischen Institutionen.
Nach Ausbruch des Krieges im Sudan im Frühjahr 2023 mussten die geplanten Feldarbeiten vorübergehend ausgesetzt werden. Die wissenschaftliche Auswertung der bereits gewonnenen Proben sowie die internationale Zusammenarbeit werden jedoch fortgeführt. Die Forschenden bereiten weitere Analysen vor und hoffen, die Geländearbeiten fortsetzen zu können, sobald die Sicherheitslage dies zulässt.
Forschung
Vor Beginn von PALEONILE war die pleistozäne Fossilüberlieferung des Sudan trotz seiner zentralen geografischen Lage kaum erforscht. Das Projekt schließt diese Wissenslücke durch groß angelegte Geländearbeiten, stratigraphische Untersuchungen und moderne Datierungsmethoden.
Die Forschenden analysieren Fossilien von Wirbeltieren, archäologische Fundstellen und Sedimentabfolgen, um die Entwicklung von Landschaften, Klimabedingungen und Tiergemeinschaften zu rekonstruieren. Ergänzt werden die Untersuchungen durch stabile Isotopenanalysen, paläobiomolekulare Methoden sowie optisch stimulierte Lumineszenz- (OSL) und Radiokarbondatierungen.
Bereits die ersten Feldkampagnen konnten zahlreiche neue Fossilfundstellen erschließen und bedeutende Fossilien aus dem Mittel- und Spätpleistozän dokumentieren, darunter Großsäuger, Krokodile, Primaten sowie frühe Vertreter der Gattung Homo. Die Datierungen ermöglichen erstmals eine zeitliche Einordnung der Fossilien und liefern neue Erkenntnisse zur Umwelt- und Klimageschichte des Nilbeckens.
Internationale Zusammenarbeit
PALEONILE ist das erste groß angelegte paläontologische Forschungsprojekt, das gemeinsam mit sudanesischen Wissenschaftler:innen im Sudan durchgeführt wird. Das Projekt verbindet Forschende des Museums für Naturkunde Berlin mit der Al Neelain University in Khartum, dem Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik (LIAG), der Université de Bordeaux sowie weiteren internationalen Partnern.
Ein wichtiger Bestandteil des Projekts ist der nachhaltige Aufbau wissenschaftlicher Kapazitäten. Im Rahmen von PALEONILE werden sudanesische Wissenschaftler:innen auf Master-, Promotions- und Postdoc-Ebene ausgebildet und langfristig in die internationale Forschung eingebunden.
Förderer
PALEONILE wird im Rahmen eines ERC Consolidator Grants des Europäischen Forschungsrats (European Research Council, ERC) gefördert. Das Projekt läuft von 2022 bis 2027 (mit erwarteter Verlängerung) und wird am Museum für Naturkunde Berlin unter der Leitung von Prof. Dr. Faysal Bibi koordiniert.
Publikationen
Salih, K., Müller, J., Eisawi, A., Bibi, F. (2025). A new late Pleistocene fossil crocodile from Sudan reveals hidden diversity of Crocodylus in Africa. Scientific Reports, 15. DOI: https://doi.org/10.1038/s41598-025-08980-6
Mohammednoor, M., Bibi, F., Struck, U., Eisawi, A., Bussert, R. (2025). Pleistocene pedogenic carbonates from alluvial paleosols in eastern Sudan reveal a semi-arid and seasonal climate, similar to today. CATENA, 248, 108583. DOI: https://doi.org/10.1016/j.catena.2024.108583
Mohammednoor, M., Bibi, F., Eisawi, A., Tsukamoto, S., Bussert, R. (2023). Quaternary alluvial paleosols of the Atbara River, eastern Sudan: description and paleoenvironments. Journal of Quaternary Science, 39(1), 102-118. DOI: https://doi.org/10.1002/jqs.3574
