Haus-Projekt

Speculative Image Ecologies

Fotografische Verfahren und mehr-als-menschliche Relationen in der künstlerischen Forschung

Bild 1: Aus dem Projekt Forest Imaginaries (seit 2024). Diptychon aus einem auf einem zugefrorenen See inszenierten Eisfragment und einem durch Umwelteinflüsse veränderten Mittelformat-Farbnegativfilm. © Martin Tscholl

Ausgangspunkt

Die ökologische Krise stellt nicht nur bestehende Formen des Naturhandelns infrage, sondern auch die Art und Weise, wie Natur wahrgenommen wird. Das Promotionsvorhaben untersucht, wie fotografische Praktiken dazu beitragen können, mehr-als-menschliche Relationen wahrnehmbar zu machen. Ausgangspunkt ist die Frage, wie Fotografie über eine reine Repräsentation von Natur hinausgehen und ästhetische Bedingungen schaffen kann, unter denen ökologische Zusammenhänge, Materialprozesse und nicht-menschliche Wirksamkeiten sichtbar werden.

Forschungsfrage

Im Zentrum steht die Frage, unter welchen ästhetischen Bedingungen fotografische Verfahren mehr-als-menschliche Relationen erfahrbar machen können und welche Formen ästhetisch-epistemischen Wissens dabei entstehen.

Methodischer Ansatz

Das Projekt verbindet verschiedene fotografische Verfahren miteinander: inszenierte Fotografien von Pilzen, Steinen, Wurzeln, Eis und anderen mehr-als-menschlichen Entitäten, Aufnahmen von Wildtierkameras sowie analoge Filme, die direkt in Waldumgebungen platziert und dort Boden, Feuchtigkeit, Zerfall und Zeit ausgesetzt werden.

Diese Verfahren verschieben die Bedingungen der Bildentstehung. Während die inszenierten Fotografien noch stark durch menschliche Entscheidungen geprägt sind, werden in den Wildkamera- und Materialfilmverfahren Tiere, Umweltbedingungen und materielle Prozesse zunehmend an der Entstehung der Bilder beteiligt.

Arbeitshypothese

Das Projekt geht davon aus, dass fotografische Verfahren nicht nur Natur darstellen, sondern Wahrnehmungsbedingungen verändern können. Durch die gezielte Öffnung fotografischer Prozesse entstehen Bildkonstellationen, in denen ökologische Relationen nicht ausschließlich repräsentiert, sondern ästhetisch erfahrbar werden.

Erste Ergebnisse

Die bisherige künstlerische Forschung zeigt, dass unterschiedliche fotografische Verfahren jeweils eigene Formen des Sichtbarwerdens hervorbringen. Insbesondere fotografische Sequenzen, Diptychen, Triptychen und größere Bildkonstellationen eröffnen Wahrnehmungsräume, in denen Relationen, Materialprozesse und Atmosphären als ästhetische Zusammenhänge erfahrbar werden. Die Arbeit deutet darauf hin, dass solche Bildpraktiken Formen ästhetisch-epistemischen Wissens ermöglichen, die sich taxonomischen oder quantitativen Zugängen entziehen.

Theoretischer Rahmen

Das Promotionsvorhaben bewegt sich an der Schnittstelle von künstlerischer Forschung, Bildtheorie, spekulativer Ästhetik, Posthumanismus und Neuem Materialismus. Es untersucht Fotografie als Medium, das nicht nur abbildet, sondern Wahrnehmungsbedingungen verschiebt und neue Formen des Denkens mit und durch Bilder ermöglicht.

Das Promotionsvorhaben entsteht im Rahmen von SINTA (Studies in the Arts), dem gemeinsamen Doktoratsprogramm der Universität Bern und der Hochschule der Künste Bern (HKB).

Kontext im Museum

Zwei Frauen befestigen Fotos und Notizzettel an einer Pinnwand, die mit roten Linien Themen wie Konsum, Recycling und Globalisierung miteinander verknüpft.
Abteilung

Public Science

Beteiligung, Wissensinfrastrukturen und Science-Policy

Forschungsbereich

Gesellschaft und Natur

Wir untersuchen, wie Wissen über Natur entsteht, wie es gesellschaftlich genutzt wird und wie Wissenschaft und Gesellschaft gemeinsam Lösungen für ökologische Herausforderungen entwickeln.