Verknüpfte Geschichten. Koloniale Bestände aus Togo und Ghana in den Berliner Museen
01.05.2026
– 30.04.2028

Foto: Bernhard Schurian
Erstmals erforschen Berliner Museen gemeinsam die Aneignungskontexte von Sammlungen aus der deutschen Kolonie Togo, zu der damals ein Teil Ghanas gehörte. Berliner Projektpartner sind das Museum für Naturkunde Berlin, der Botanische Garten und das Botanische Museum sowie das Ethnologische Museum mit dem Zentralarchiv der Staatlichen Museen zu Berlin. In Kooperation mit Partnern aus den Archives Nationales du Togo und der University of Ghana sowie im Austausch mit traditionellen Wissensträger:innen vor Ort werden über zwei Jahre hinweg botanische, zoologische und kulturhistorische Sammlungen aus diesem kolonialen Kontext museums- und fachübergreifend ausgewertet. Gefördert wird das Vorhaben vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste.
Die Zusammenarbeit der Berliner Museen beruht historisch auf einem Bundesratsbeschluss von 1889, der die drei Institutionen zu zentralen Sammelstellen für Einsendungen aus den deutschen Kolonien werden ließ. Die Museen profitierten enorm von dieser politischen Bevorzugung, da nun Kolonialbeamte und Militärangehörige regelmäßig Kisten mit präparierten Pflanzen, Tieren und Kulturobjekten nach Berlin schickten. Oftmals belieferten dieselben Kolonialakteure alle drei Museen, sodass diese durch eine gemeinsame Sammlungsgeschichte miteinander verbunden sind. Obwohl Bestände aus der Kolonialzeit bis heute einen großen Teil der Museumssammlungen ausmachen, ist ihre Herkunft und Bedeutung oft unzureichend dokumentiert.
Diesem Umstand begegnet das Forschungsprojekt mit einer exemplarischen Untersuchung: Im Mittelpunkt stehen die beiden ersten Kolonialstationen Bismarckburg und Misahöhe im Landesinneren Togos. Erforscht wird ihre Bedeutung als Knotenpunkte kolonialer Gewalt, wirtschaftlicher Ausbeutung und wissenschaftlicher Sammeltätigkeit. Das Projekt rekonstruiert diese Verflechtung von Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Gefragt wird dabei auch nach dem oft unsichtbar gemachten Beitrag lokaler Wissensträger:innen und den Erfahrungen der lokalen Bevölkerung sowie nach der Relevanz kolonialer Museumssammlungen in Togo und Ghana heute.
Indem die drei Museen ihre Archive und Bestände zusammenführen und im Austausch mit Partern:innen in Togo und Ghana vergleichend untersuchen, entstehen neue Perspektiven auf koloniale Aneignungs-, Klassifikations- und Verwertungspraktiken. Das Verbundprojekt „Verknüpfte Geschichten. Koloniale Bestände aus Togo und Ghana in den Berliner Museen" entwickelt zudem ein Modell für transdisziplinäre Provenienzforschung, das es erlaubt, die gemeinsame Erwerbungsgeschichte bisher getrennt erforschter Museumsbestände zu rekonstruieren und dabei unterschiedliche Wissenssysteme zusammenzuführen. Ziel ist es, mündliche Überlieferungen, Erinnerungen und lokale Perspektiven aus Togo und Ghana systematisch in die Forschung einzubeziehen und damit Erzählungen Raum zu geben, die in den kolonialen Archiven keinen Platz fanden.
Kooperationspartner
Ein Verbundprojekt des Museums für Naturkunde Berlin, des Botanischen Gartens und des Botanischen Museums, Freie Universität Berlin, sowie des Ethnologischen Museums und Zentralarchivs der Staatlichen Museen zu Berlin (SPK). In Kooperation mit Prof. Dr. Kodzo Gavua, University of Ghana und Dr. Messan Tossa, Archives Nationales du Togo.
Gefördert vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste.
Berliner Projektteam:
Museum für Naturkunde: Anita Hermannstädter, Dr. Katja Kaiser, Kerstin Pannhorst, Maxima Atakora, Dr. Sabine Hackethal
Botanischer Garten und Botanisches Museum: Dr. Luiza Bengtsson, Marius Kowalak
Ethnologisches Museum und Zentralarchiv der Staatlichen Museen zu Berlin (SPK): Ilja Labischinski, Dr. Ohiniko Toffa
