Berlin ist eine sehr grüne Stadt mit viel Natur. Stadtnatur spielt eine wichtige Rolle für die Berliner:innen, denn entscheidend für die Lebensqualität der Berliner Stadtbevölkerung ist auch ein guter Zugang zu Grünflächen, Parks und Naherholungsgebieten. Das zeigen die Ergebnisse der Erhebung zur Umweltgerechtigkeit in den Berliner Bezirken. Diese Stadtnatur gilt es zu bewahren, aber das reicht nicht aus. Wie kann der Schutz der sich verändernden Natur gemeinsam mit anderen Akteuren dynamisch und zukunftssicher gestaltet werden? Wie und wo verändert sich die Natur in Berlin überhaupt? Diese beiden Aspekte, "besserer Zugang zur Stadtnatur und zu Umweltbildungsprojekten" und "Forschung zur Natur in Berlin", standen im Mittelpunkt unseres interdisziplinären Projektes und unserer sich daran anschliessenden Aktivitäten.

Vielfalt Verstehen ist ein von der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt gefördertes Forschungs- und Bildungsprojekt zur Berliner Stadtnatur. Entlang der grünen Hauptwege Berlins wird die Stadtnatur erforscht und gleichzeitig für die Menschen vor Ort erlebbar gemacht. Besonders ist die enge Verzahnung von Wissenschaft und Bildungsangeboten sowie der Fokus auf langfristige Partnerschaften, etwa mit Schulen, Kitas und Initiativen, ebenso wie mit Fachgesellschaften und Verbänden. Das Projekt zeigt, wie Biodiversitätsschutz im urbanen Raum gestaltet und unterstützt werden kann. Somit passt Vielfalt Verstehen eng zum Selbstverständnis des Museums für Naturkunde, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen und Forschung, Bildung und Partizipation miteinander zu verbinden. Es zeigt exemplarisch, wie das Museum seine Expertise und Verantwortung in die Stadt hineintragen kann. 

Durch das Projekt sind beständige Kooperationen mit Akteur:innen des Naturschutzes, mit Umweltbildungseinrichtungen, der Umweltverwaltung und der Zivilgesellschaft entstanden. Dies umasst auch acht langfristige Bildungskooperationen mit Schulen und Kitas. Unsere wissenschaftlichen Publikationen, z.B. zum Zustand und der Entwicklung der Biodiversität in Berlin, finden über das Projekt hinaus, wie auch international Anwendung. In einer Veröffentlichung analysieren und vergleichen wir verschiedene Kenngrößen für die Überwachung der Entwicklung der biologischen Vielfalt in Städten; Kenngrößen, die eine Bewertung der Erreichung globaler und EU-Ziele im Bereich der biologischen Vielfalt ermöglichen und wiederum eine wichtige Hilfe beim Treffen politischer Entscheidungen sein können. Eine dieser Kenngrößen wurde im Projekt sogar das erste Mal weltweit überhaupt mit Daten gefüllt versehen – mit Daten für Berlin. Auch haben wir eine Übersicht der bestehenden Langzeitdaten zur Berliner Biodiversität zusammengestellt. Dadurch wissen wir jetzt konkreter, welche welche Biodiversitätsdaten für Berlin erhoben werden – und wo Lücken herrschen. Besonders spannend sind unsere Ergebnisse rund um die Berliner Schlüsselgebiete der Biodiversität. Uns hat interessiert, welche Gebiete in Berlin durch das Vorkommen gefährdeter Arten gekennzeichnet sind. Das internationale Konzept wurde durch uns weltweit erstmals für den städtischen Raum angewendet und veröffentlicht.

Bürger:innen und Projektbeteiligte von "Vielfalt Verstehen" im Trittsteinbiotop in Berlin-Reinickendorf.
Eröffnung Trittsteinbiotop in Berlin-Reinickendorf
Foto: Thomas Rosenthal

Alle Publikationen, Leitfäden und Daten des Projektes bilden eine Grundlage für ein zukünftiges berlinweites Monitoring der biologischen Vielfalt. Zusammen mit den Gesamtergebnissen des Projekts bilden sie wichtige Bausteine für den langfristigen Erhalt und das Management der biologischen Vielfalt in sich schnell verändernden städtischen Räumen wie Berlin – wobei bewusst auch Themen wie (psychische) Gesundheit, Klimaanpassung und Umweltgerechtigkeit mitbeleuchtet werden. Auch wenn die Projektförderung Ende 2025 ausgelaufen ist, wirken viele Strukturen weiter. Ein zentraler Baustein von „Vielfalt Verstehen“ war die Qualifikation von Multiplikator:innen, insbesondere Lehrer:innen, die in Workshops gezielt geschult wurden. Dadurch können Umweltbildungsangebote in den Partnerschulen des Projekts weiterhin fortgeführt werden. Zudem bilden die im Projekt entwickelten Konzepte eine Grundlage für neue Vorhaben und eine Ausweitung auf weitere Bezirke. Die Ansätze sind übertragbar und können auch für andere Städte richtungsweisend sein. Ziel ist es, die Ansätze langfristig zu verstetigen und in neue Projekte zu überführen. Uns treibt nach wie vor um, die Entwicklung von Modellen für eine nachhaltige, lebenswerte Stadt, in der Biodiversität, Gesundheit und Klimaanpassung zusammengedacht werden, zu unterstützen - und natürlich insbesondere auch deren Umsetzung in die Praxis.

Kooperationspartner

Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt und viele weitere Partner