
Biorepositorium
Das Biorepositorium unserer Forschungssammlung sichert DNA- und Gewebeproben. Mehr als 58.000 dieser Proben stehen heute für disziplinübergreifende Forschung zur Verfügung.
Überblick
Das Biorepositorium (DNA- und Gewebesammlung) stellt genetisches und molekulares Referenzmaterial als Forschungsinfrastruktur bereit und ergänzt die morphologischen Bestände unserer Sammlung um eine molekulare Ebene.
Der Sammlungsbereich umfasst mehr als 58.000 DNA- und Gewebeproben aus allen großen Tiergruppen. Sie besitzt eine hohe nationale und internationale Relevanz, da sie genetisches Material aus historischen und aktuellen Sammlungsbeständen langfristig sichert und für vielfältige Forschungsfragen verfügbar macht.
Inhaltlich deckt das Biorepositorium eine breite zoologische Bandbreite ab, darunter Mollusca, Amphibia, Mammalia, Insecta sowie weitere rezente Invertebraten. Ein Teil der Proben ist mit Typusmaterial der Forschungssammlung verknüpft und damit direkt an taxonomische Referenzen angebunden. Die geografischen Schwerpunkte orientieren sich an den historischen und aktuellen Sammlungsschwerpunkten des Museums und reichen von Europa über Afrika bis nach Südamerika.
Die Proben werden abhängig von Materialeigenschaften und Nutzungszielen bei -20 °C, -80 °C oder in flüssigem Stickstoff bei -196 °C gelagert. Die technische Infrastruktur ist auf Ausfallsicherheit, Langzeitstabilität und kontrollierte Zugänglichkeit ausgelegt.
Zugang
Die konservatorische Betreuung und die technische Infrastruktur des Biorepositoriums sichern die langfristige Nutzbarkeit der Proben. Parallel erschließen wir die Bestände systematisch digital und machen sie in internationalen Datenportalen sichtbar.
Ein Teil der Proben ist bereits über das Global Genome Biodiversity Network (GGBN) recherchierbar. Weitere Nachweise finden sich unter anderem hier:
- Global Biodiversity Information Facility (GBIF)
- GenBank
- European Nucleotide Archive (ENA)
- DNA Data Bank of Japan (DDBJ)
Die Nutzung von DNA- und Gewebeproben erfolgt unter Berücksichtigung internationaler rechtlicher und ethischer Standards, insbesondere des Nagoya-Protokolls. Provenienz und rechtmäßiger Erwerb der Proben sind dokumentiert.
Der Sammlungsbereich ist zudem in überregionale Forschungsinfrastrukturen eingebunden, unter anderem durch die Beteiligung am Berlin Center for Genomics in Biodiversity Research (BeGenDiv).
Geschichte
Der Sammlungsbereich wurde Anfang der 2000er-Jahre aufgebaut, als molekulargenetische Methoden zunehmend an Bedeutung für die Biodiversitätsforschung gewannen. Ziel war es, genetisches Material systematisch zu sichern und als Bestandteil der Forschungssammlung langfristig verfügbar zu machen. Die Bestände wuchsen sowohl durch gezielte Probenahmen im Rahmen von Forschungsprojekten als auch durch die Nacherschließung vorhandener Sammlungsobjekte.
Forschung
Das Biorepositorium ermöglicht die Nutzung genetischer Daten im Verbund mit den übrigen Beständen der Forschungssammlung. Zentrale Forschungsfelder sind unter anderem:
- Taxonomie und Systematik – genetische Abgrenzung und Überprüfung von Arten
- Biodiversitätsforschung – Analyse genetischer Vielfalt und Populationsstrukturen
- Evolutionsforschung – Rekonstruktion von Verwandtschaftsverhältnissen
- Paläogenetik – Untersuchung historischen und subfossilen Erbguts
- Provenienz- und Wissenschaftsgeschichte – genetische Einordnung historischer Belegexemplare
Der Sammlungsbereich schafft damit eine molekulare Ergänzung zu morphologischen, ökologischen und historischen Daten der Forschungssammlung.