
Diptera und Siphonaptera
Die Teilsammlung umfasst fast eine Million Objekte. Mit rund 9.200 Typenserien zählt sie zu den weltweit bedeutendsten Forschungsressourcen ihrer Art für Biodiversität und Taxonomie.
Überblick
Die Teilsammlung Diptera und Siphonaptera zählt zu den größten ihrer Art weltweit. Sie umfasst nahezu eine Million präparierte Exemplare von Fliegen, Mücken und Flöhen.
Der Schwerpunkt liegt auf Diptera (Zweiflügler) mit rund 27.000 Arten, diese repräsentieren etwa 16% der bislang beschriebenen Spezies. Ergänzt wird die Teilsammlung durch die Ordnung der Siphonaptera (Flöhe) mit 237 Arten und etwa 1.200 Objekten, was rund zehn Prozent aller weltweit bekannten Floharten entspricht.
Von besonderer Bedeutung ist der hohe Anteil an Typenmaterial: Die Teilsammlung umfasst rund 9.200 Typenserien, darunter allein im Sammlungsteil Muscoidea das Typenmaterial von über 1.000 nominellen Arten. Die Objekte stammen aus allen zoogeographischen Regionen, mit einem geografischen Schwerpunkt in Mittel-Europa.
Die Präparate liegen genadelt, auf Objektträgern fixiert oder alkoholkonserviert vor.
Ergänzend bestehen drei Nebensammlungen:
- Nass-Sammlung mit Alkoholpräparaten (vor allem Flöhe, Larven und Fallenfänge)
- Mikropräparate
- Blattminierer
Kontakt
Jenny Pohl
Konservatorin
E-Mail: jenny.Pohl@mfn.berlin
Telefon: 030 889140-8521
Sven Marotzke
Konservator
E-Mail: sven.marotzke@mfn.berlin
Telefon: 030 889140-8503
Zugang
Die Teilsammlung steht Forschenden für wissenschaftliche Arbeiten offen. Typische Nutzungsformen sind:
- taxonomische und systematische Studien
- Bild- und Datennutzungsanfragen
- Leihgaben
- längere Arbeitsaufenthalte in der Sammlung
Die Bestände sind vollständig inventarisiert und den jeweiligen Familien zugeordnet. Seit 2013 werden die Insektenkästen hochauflösend digitalisiert. Im Rahmen des Projekts Erschließung objektreicher Spezialsammlungen wurden die Hauptsammlung sowie die Sammlung Hering vollständig erfasst.
Insgesamt umfasst die Teilsammlung etwa 800.000 genadelte Exemplare. Die zugehörigen Daten werden nach Revision schrittweise in öffentlich zugänglichen Datenbanken und im Insektenportal bereitgestellt. Hochauflösende Fotografien, darunter von Typusexemplaren und Mikrostrukturen, ergänzen die digitale Erschließung.
Geschichte
Der Aufbau der Teilsammlung begann bereits im 19. Jahrhundert. Bedeutende Beiträge leisteten unter anderem Hermann Loew (1807–1879), Carl Eduard Adolph Gerstäcker (1828–1895), Theodor Becker (1840–1928) und Oswald Duda (1869–1941). Spezielle Sammlungen von Paul Lackschewitz (1895-1936) und Ewald Heinrich Rübsaamen (1887-1919) wurden in den letzten Jahrzehnten ebenso integriert wie umfangreiche regionale Sammlungen von Max Paul Riedel (1870-1941), Erich Kirchberg (1914-1968) und Klaus Günther (1907-1975) aus Berlin und Brandenburg. Zusätzlich wurde umfangreiches Material aus außereuropäischen Regionen, darunter auch aus ehemaligen deutschen Kolonialgebieten, erworben.
Ein großer Teil des Typenmaterials stammt aus Spezialsammlungen einzelner Dipterologen, darunter Bestände zu Tipulidae, Culicidae, Bombyliidae, Cecidomyiidae sowie Muscoidea und Oestroidea. Diese historischen Bestände prägen die internationale Bedeutung der Teilsammlung bis heute.
Eine Besonderheit stellt die Sammlung der Blattminierer von Erich Martin Hering (1893–1967) dar. Sie umfasst etwa 3.000 Arten aus mehreren Insektenordnungen.
Forschung
Die Teilsammlung bildet eine zentrale Grundlage für taxonomische, systematische und biodiversitätsbezogene Forschung. Forschende aus aller Welt nutzen insbesondere das umfangreiche Typenmaterial für revisionsbasierte Arbeiten.
Darüber hinaus ermöglicht die globale Herkunft des Materials:
- Vergleiche historischer und aktueller Verbreitungsgebiete
- Analysen von Artenverschiebungen im Kontext des Klimawandels
- Datengrundlagen für Gefährdungsbewertungen und Rote Listen
Auch in der angewandten Forschung spielt die Teilsammlung eine wichtige Rolle. Dipteren sind relevante Modellorganismen für:
- forensische Fragestellungen (z. B. Myiasis)
- One-Health-Ansätze als potenzielle Vektoren von Krankheitserregern
- biologische Schädlingsregulation, etwa durch parasitische oder räuberische Arten
Aktuelle Sammlungszuwächse aus den italienischen Alpen und aus Hochgebirgsregionen des Iran erweitern das Forschungspotenzial. Mehrere neue Arten wurden auf dieser Basis beschrieben; die zugehörigen Typen sind in der Teilsammlung hinterlegt.