Dr. Bonnie Blaimer
Wissenschaftler:in

Teilsammlung
Die Teilsammlung „Hymenoptera und Neuropterida“ vereint rund 2,3 Millionen Hautflügler und Netzflügler aus aller Welt. Ihr außergewöhnlicher Arten- und Typenreichtum macht sie zu einer bedeutenden Forschungsinfrastruktur für Taxonomie und Evolution.
Die Teilsammlung Hymenoptera und Neuropterida zählt zu den weltweit bedeutenden wissenschaftlichen Sammlungen ihrer Art. Sie umfasst rund 2,3 Millionen Exemplare aus etwa 235.000 Arten, darunter mehr als 11.400 Typusexemplare. Gesammelt werden Vertreter der Hymenoptera (Hautflügler) und der Neuropterida (Netzflügler).
Den größten Teil bilden genadelte Trockenpräparate. Hinzu kommen rund 125.000 Alkoholpräparate, etwa 28.000 mikroskopische Präparate, rund 10.000 Larven, 2.200 Kokons, 238 Nester sowie 1.100 Blätter mit Minen und Gallen. Die Bestände stammen aus allen biogeographischen Regionen der Erde.
Zur Teilsammlung gehören außerdem spezialisierte Bibliotheksbestände mit Literatur zu Hautflüglern und Netzflüglern. Bestandteil ist die Drory-Bibliothek, eine der bedeutendsten historischen Spezialbibliotheken zur Honigbiene mit mehr als 1.800 Bänden. Sie gelangte 1904 mit dem Nachlass ihres Begründers Edward Drory an das Museum für Naturkunde Berlin.
Der Zugang zur Teilsammlung ist für wissenschaftliche Zwecke nach vorheriger Absprache mit der wissenschaftlichen Sammlungsleitung möglich. Arbeitsplätze stehen vor Ort zur Verfügung. Ansprechpersonen sind die zuständigen Sammlungsverantwortlichen, erreichbar via hymenoptera.neuropterida@mfn.berlin.
Seit 2013 digitalisieren wir ganze Insektenkästen und Einzelpräparate hochauflösend. Ergänzend entstehen dreidimensionale Digitalisate ausgewählter Objekte. Mit dem Jahr 2021 begann die Massendigitalisierung eines Teiles der Bestände, verbunden mit der konservatorischen Neuunterbringung der historischen Bestände. Digitale Abbildungen stehen online zur Verfügung und ermöglichen materialschonende wissenschaftliche Untersuchungen.
Wissenschaftler:in
Wissenschaftliche Sammlungsleitung
Sammlungsmanagement
Die heutige Teilsammlung vereint mehrere bedeutende historische Kollektionen, darunter die Sammlungen von Heinrich Friese (1860–1948), Johann Christoph Friedrich Klug (1775–1856), Hans Bischoff (1852–1923), Hans Stitz (1878–1942) und Arnold Foerster (1810–1884). Besonders bekannt ist die Bienensammlung Heinrich Frieses mit Arten und Typusexemplaren aus allen Kontinenten.
Wie viele historische naturkundliche Sammlungen enthält auch diese Teilsammlung umfangreiches Material aus kolonialen Kontexten, insbesondere aus den ehemaligen deutschen Kolonien. Diese Entstehungsgeschichte wird heute wissenschaftlich und historisch kritisch eingeordnet.
Seit den 1990er Jahren wächst die Teilsammlung kontinuierlich durch Forschungsreisen, insbesondere in die Afrotropis mit Schwerpunkt im südlichen Afrika sowie nach Südostasien.
Die Teilsammlung bildet eine wichtige Grundlage für taxonomische, phylogenetische, evolutionsbiologische und verhaltensbiologische Forschung. Ihr außergewöhnlicher Arten- und Typenreichtum ermöglicht sowohl die Beschreibung neuer Arten als auch Untersuchungen zur Entstehung der enormen Vielfalt der Hautflügler. Für sämtliche Gruppen stehen wissenschaftliche Kataloge zur Verfügung.
Ein aktueller Forschungsschwerpunkt untersucht gemeinsam mit internationalen Partnern die Evolution der Hautflügler. Forschende konnten zeigen, dass der Übergang von einer überwiegend parasitischen zu einer pflanzengebundenen Lebensweise wesentlich zur außergewöhnlichen Diversifizierung von Bienen, Wespen und Ameisen beitrug. Diese Entwicklung steht in engem Zusammenhang mit der Ausbreitung der Blütenpflanzen und bildet eine wichtige Grundlage heutiger Bestäubungsleistungen.
Weitere Arbeiten befassen sich mit der Evolution staatenbildender Hautflügler. Der Giftstachel spielte dabei eine entscheidende Rolle für die Entstehung sozialer Lebensweisen. Darüber hinaus untersucht die Forschung die ökologische Bedeutung von Wespen und Schlupfwespen, die als natürliche Gegenspieler zahlreicher Insektenarten wichtige Beiträge zur biologischen Schädlingskontrolle leisten.