
Mineralien
In der Mineraliensammlung dokumentieren rund 175.000 Proben von etwa 3.000 Mineralarten chemische Vielfalt, historische Elemententdeckungen und wissenschaftliche Netzwerke seit dem 18. Jahrhundert.
Überblick
Die Teilsammlung Mineralien umfasst rund 175.000 Proben von etwa 3.000 Mineralarten. Damit enthält sie ungefähr die Hälfte aller bekannten Minerale und zählt zu den größten und artenreichsten Mineraliensammlungen Deutschlands. Im europäischen Vergleich ist sie mit den Beständen großer Naturkundemuseen vergleichbar.
Der regionale Schwerpunkt liegt auf Deutschland, Polen, Südosteuropa, Skandinavien und Russland. Alle Proben sind nach dem kristallchemischen System von Strunz systematisch geordnet.
Zur Teilsammlung gehören:
- Systematische Mineraliensammlung (ca. 170.000 Proben)
- Kristallmodellsammlung (ca. 2.500 Objekte)
- Sammlung Technische Mineralogie (ca. 2.500 Objekte)
- Archivalien (ca. 1.000 Sammlungskataloge und -listen)
Die Teilsammlung beherbergt 33 Typproben von Mineralarten. Zudem befinden sich hier Originalproben zu den Elemententdeckungen von Uran (1781), Strontium (1793), Titan (1795) und Tellur (1798).
Im historischen Mineraliensaal sind 4.300 Proben öffentlich ausgestellt.
Kontakt
Ralf Thomas Schmitt
Wissenschaftliche Sammlungsleitung
E-Mail: Ralf-Thomas.Schmitt@mfn.berlin
Telefon: 030 889140-8842
Zugang
Aufgrund von Umzug und Neuaufstellung im Zuge unserer Museums-Evolution ist die Teilsammlung von bis voraussichtlich Mitte 2029 temporär nicht zugänglich.
Rund 90 Prozent der Proben sind in einem internen Datenbanksystem erfasst. Die Datensätze enthalten unter anderem:
- Mineralname
- Fundort und Fundjahr
- Vorbesitzer
- Erwerbsart und Erwerbsjahr
- Angaben zu historischen Etiketten
- kristallographische Besonderheiten
Im Rahmen des Projekts SYNTHESYS entwickelte das Museum für Naturkunde Berlin das GeoCase-Portal für geowissenschaftliche Sammlungsdaten. Dort sind die erfassten Proben recherchierbar.
Die Bibliothek des Museums bietet umfangreiche Fachliteratur zur Mineralogie. Weitere historische Unterlagen liegen im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin.
Geschichte
Die Teilsammlung geht auf die 1770 gegründete Berliner Bergakademie zurück. 1781 wurde sie nach dem Ankauf der Sammlung von Carl A. Gerhard (1733–1819) in „Königliches Mineralienkabinett“ umbenannt.
Weitere wichtige Schritte:
- Beiträge durch Zar Alexander I. (1777–1825) und Alexander von Humboldt (1769–1859)
- 1810 Übergabe an die neu gegründete Berliner Universität
- Ausbau durch Martin H. Klaproth (1743–1817), Christian S. Weiss (1780–1856) und Gustav Rose (1798–1873)
- 1889 Schenkung der 14.000 Stücke umfassenden Sammlung des Erzherzogs Stephan von Österreich (1817–1867)
- 1889 Umzug in das heutige Museumsgebäude
- 1954 Wiedereröffnung des Mineraliensaals nach Kriegszerstörungen
Die Teilsammlung wuchs durch Ankäufe, Expeditionen und wissenschaftliche Netzwerke kontinuierlich weiter.
Forschung
Typproben
Die Teilsammlung bewahrt unter anderem den Holotyp des Minerals Perowskit. Typproben besitzen hohen wissenschaftlichen Wert, da sie die Referenz für die Definition einer Mineralart bilden. Bei rund 6.200 bekannten Mineralarten weltweit sind solche Referenzstücke zentral für Systematik und Vergleichsstudien.
Elemententdeckungen und Materialanalysen
Schon Martin Heinrich Klaproth identifizierte anhand von Proben aus der Sammlung mehrere chemische Elemente, darunter Uran. Originalstücke aus diesen Analysen sind bis heute erhalten und dokumentieren frühe mineralanalytische Verfahren.
Die Publikation Uranentdeckung und Mineralanalysen von Ferdinand Damaschun und Ralf-Thomas Schmitt wertet diese historischen Proben systematisch aus. Sie verknüpft die erhaltenen Sammlungsobjekte mit Klaproths Analysen und ordnet seine Arbeiten aus heutiger wissenschaftlicher Perspektive ein.
Historische Provenienzen
Sammlungsbestände aus dem Umfeld von Alexander von Humboldt und Gustav Rose ermöglichen Forschung zu wissenschaftlichen Netzwerken, Rohstofferkundung und Sammlungsgeschichte.