
Petrographisch-lagerstättenkundliche Sammlung
Rund 122.000 Gesteins- und Erzproben dokumentieren die Vielfalt der Gesteine der Erdkruste und liefern wichtige Referenzen für Rohstoff-, Impakt- und Erdsystemforschung.
Überblick
Die petrographisch-lagerstättenkundliche Sammlung des Museums für Naturkunde Berlin umfasst rund 122.000 Gesteins- und Erzproben. Sie dokumentiert geologische Prozesse ebenso wie wirtschaftlich bedeutende Lagerstätten.
Zur Teilsammlung gehören mehrere Sammlungsbestände:
- Regionale Petrographie – ca. 45.000 Proben
- Systematische Petrographie – ca. 9.000 Proben
- Impaktkratergesteine – ca. 10.000 Proben
- Nordische Geschiebe – ca. 15.000 Proben
- Lagerstättenkunde – ca. 15.000 Proben
- Dekorationsgesteine – ca. 1.000 Proben
- Dünnschliffe, Anschliffe und optische Präparate – ca. 27.000 Objekte
Die Sammlung der Impaktkratergesteine ist europaweit einzigartig. Sie enthält Proben aus 79 Impaktkratern weltweit und zählt zu den größten Sammlungen dieser Art.
Kontakt
Ralf Thomas Schmitt
Wissenschaftliche Sammlungsleitung
E-Mail: Ralf-Thomas.Schmitt@mfn.berlin
Telefon: 030 889140-8842
Zugang
Die Teilsammlung steht Forschenden auf Anfrage beim wissenschaftlichen Leiter Dr. Ralf-Thomas Schmitt zur Verfügung. Auf Anfrage können Proben makroskopisch und stereomikroskopisch untersucht werden. Ein temporärer Arbeitsplatz ist vorhanden.
Aufgrund eines Umzugs im Zuge der Museums-Evolution und einer Neuaufstellung ist die Teilsammlung von Januar 2026 bis voraussichtlich Mitte 2029 temporär nicht zugänglich.
Eine eigene Bibliothek ist der Sammlung nicht direkt zugeordnet. Sammlungsbezogene Kataloge und Sammlungslisten befinden sich historisch bedingt in der Mineraliensammlung. Weitere Archivbestände liegen im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin.
Geschichte
Die Geschichte der petrographisch-lagerstättenkundlichen Sammlung ist eng mit der Mineraliensammlung des Museums verbunden. Viele Sammlungsbestände gehen auf wissenschaftliche Reisen, Expeditionen und die Arbeit einzelner Forschender zurück.
Die ältesten Proben gehören zur Regionalen Petrographie. Sie stammen aus geologischen Untersuchungen des späten 18. und 19. Jahrhunderts, vor allem aus Deutschland, Polen, Italien und Skandinavien.
Historisch bedeutende Zugänge entstanden außerdem durch Expeditionen:
- Russland (1829): Alexander von Humboldt, Gustav Rose und Christian Gottfried Ehrenberg
- Südamerika: Friedrich Sellow und Ignaz von Olfers (1882) sowie Ludwig Brackebusch (1884)
- Südliches Afrika: Paul Ramdohr (1929) und Ernst Reuning (1936)
Die Sammlung nordischer Geschiebe gelangte 1950 als Übernahme von der Preußischen Geologischen Landesanstalt an das Museum. Sie enthält unter anderem Proben des Geschiebeforschers Julius Hesemann (1901–1980).
Die lagerstättenkundliche Sammlung geht auf den Begründer der Erzmikroskopie Paul Ramdohr (1890–1985) zurück. Sie enthält Erzminerale und Proben aus zahlreichen klassischen Lagerstätten weltweit.
Ein jüngerer Schwerpunkt ist die Sammlung der Impaktkratergesteine. Sie umfasst Proben aus 79 der weltweit bekannten Einschlagskrater. Besonders bedeutend ist die Sammlung von Dieter Stöffler (1939–2023) mit Originalproben zur Klassifikation der Stoßwellenmetamorphose in Impaktkratern.
Forschung
Die Teilsammlung liefert wichtige Referenzmaterialien für die Petrographie, Lagerstättenkunde und Impaktforschung.
Die Petrographie beschreibt Gesteine – von ihrer allgemeinen Zusammensetzung bis zu mikroskopischen Details. Die Lagerstättenkunde untersucht Entstehung, Eigenschaften und Nutzung mineralischer Rohstoffe in der Erdkruste.
Ein besonderer Schwerpunkt am Museum liegt auf der Untersuchung von Impaktkratern und Einschlagsprozessen. Die Teilsammlung der Impaktkratergesteine ist eng mit der Abteilung Sonnensystem, Impakte und Meteoriten des Museums verbunden. Die Proben ermöglichen Forschungen zu Einschlagsereignissen und ihren geologischen Folgen.
Auch transdisziplinäre Fragestellungen spielen eine Rolle. Das Projekt Schwerwiegende Schenkungen untersuchte beispielsweise die Herkunft mineralogisch-petrographischer Sammlungen aus wirtschaftlicher und politischer Perspektive des 19. Jahrhunderts.