
Fossile Invertebraten
Fossile Wirbellose aus allen Erdzeitaltern – von Trilobiten und Ammoniten bis zu Bernsteininklusen mit außergewöhnlicher Erhaltung und international bedeutendem Typusmaterial.
Überblick
Die Teilsammlung vereint mehrere historische Bestände und umfasst fossile Überreste zahlreicher wirbelloser Tiergruppen aus allen Erdzeitaltern. Dazu gehören unter anderem Bivalvia (Muscheln), Gastropoda (Schnecken), Brachiopoda (Armfüßer), Porifera (Schwämme), Echinodermata (Stachelhäuter), Arthropoda (Gliederfüßer) sowie Cephalopoda (Kopffüßer) und fossile Korallen.
Die Bestände umfassen unter anderem:
- über 340.000 Objekte zu Bivalvia, Gastropoda, Brachiopoda und Porifera
- ca. 150.000 Cephalopoda und etwa 10.000 Korallen
- rund 90.000 fossile Arthropoden sowie eine Bernsteinsammlung mit ca. 37.000–43.000 Inklusen
- etwa 36.000 Echinodermata mit über 1.000 Typusexemplaren
Die Teilsammlung enthält bedeutendes Typusmaterial, Abbildungsoriginale sowie außergewöhnlich erhaltene Fossilien. Dazu zählen insbesondere dreidimensional erhaltene Einschlüsse in Bernstein sowie umfangreiche regionale und stratigraphische Vergleichssammlungen.
Geografische Schwerpunkte liegen in Europa, insbesondere Deutschland, sowie in Afrika, Südamerika und weiteren Regionen weltweit.
Kontakt
Dr. Christian Neumann
Wissenschaftliche Sammlungsleitung
E-Mail: christian.neumann@mfn.berlin
Telefon: 030 889140-8589
Andreas Rassuly
Sammlungsmanagement
E-Mail: Andreas.Rassuly@mfn.berlin
Telefon: 030 889140-8353
Dr. David Ware
Sammlungsmanagement
E-Mail: David.Ware@mfn.berlin
Telefon: 030 889140-8353
Zugang
Die Bestände sind unterschiedlich weit digital erschlossen. Große Teile der Teilsammlung sind in internen Datenbanken erfasst, darunter Typusmaterial sowie ausgewählte Objektgruppen.
Für einzelne Teilbestände liegen umfassendere digitale Daten vor, etwa:
- rund 30.000 digitalisierte Objekte in der Cephalopoden-Datenbank
- ca. 7.600 Datensätze zur Korallensammlung
- vollständige Erfassung der Typen in der Echinodermen-Sammlung
- digitalisierte Bestände fossiler Insekten im Rahmen von Digitalisierungsprojekten
Digitale Daten können auf Anfrage bereitgestellt werden. Die Bearbeitung der Objekte erfolgt vor Ort.
Geschichte
Die Teilsammlung geht auf umfangreiche Sammlungsaktivitäten des 19. Jahrhunderts zurück. Bedeutende Beiträge leisteten unter anderem Leopold von Buch (1774–1853), Ernst Friedrich von Schlotheim (1764–1832), Heinrich Ernst Beyrich (1815–1896) und Friedrich August Quenstedt (1809–1889).
Ein zentraler Bestandteil ist die Bernsteinsammlung des Danziger Arztes Carl Georg Berendt (1790–1850), die die frühe Bernsteinforschung maßgeblich prägte.
Die Teilsammlung wurden durch zahlreiche regionale und stratigraphische Bestände erweitert, darunter:
- Mollusken aus Tendaguru (Tansania)
- Cephalopoden aus Europa, Nordafrika und Nordamerika
- Seeigel-Sammlungen aus Afrika (u. a. Georg Schweinfurth, 1836–1925)
- fossile Insekten aus Solnhofen, Grimmen und der Crato-Formation (Brasilien)
Ein Teil dieser Bestände entstand im Kontext historischer Forschungsreisen und Expeditionen und damit in kolonialen Strukturen. Diese Entstehungskontexte werden heute im Rahmen der Provenienzforschung untersucht.
Forschung
Die Teilsammlung bildet eine zentrale Grundlage für die Erforschung der Evolution und Diversität wirbelloser Organismen über geologische Zeiträume hinweg.
Die Bestände ermöglichen Studien zu:
- Stammesgeschichte (Phylogenie)
- Biodiversitätsentwicklung und Massenaussterben
- Paläoökologie und Klimaentwicklung
- stratigraphischer Einordnung von Gesteinsschichten
Bernsteininklusen liefern einzigartige Einblicke in vergangene Ökosysteme und erlauben detaillierte Untersuchungen zu Morphologie, Verhalten und Umweltbedingungen fossiler Organismen.
Die Teilsammlung dient zudem als Referenz für taxonomische Arbeiten, insbesondere durch ihren hohen Anteil an Typusexemplaren.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Provenienzforschung. Sie untersucht die Herkunft und Erwerbskontexte der Objekte und trägt zur transparenten Einordnung historischer Sammlungsbestände bei, insbesondere im Hinblick auf koloniale Zusammenhänge.