Person hält Fossil eines kleinen Wirbeltiers mit erhaltenem Skelettabdruck auf Gesteinsplatte

Fossile Vertebraten

Fossile Wirbeltiere aus über 300 Millionen Jahren Erdgeschichte – von frühen Fischen bis zu Dinosauriern, Vögeln und Säugetieren, darunter international bedeutende Typen und Referenzfossilien.

Überblick

Die Teilsammlung vereint mehrere historische Bestände und umfasst fossile Überreste aller großen Wirbeltiergruppen aus Paläozoikum, Mesozoikum und Känozoikum. Dazu gehören Bestände zu Mammalia (Säugetieren), Actinopterygii und Sarcopterygii (Fischen), Amphibia, Reptilia sowie Aves (Vögeln).

Die Bestände umfassen unter anderem:

  • ca. 80.000 Makroobjekte und rund 1.000.000 Kleinsäugerreste (Mammalia)
  • mehr als 18.000 fossile Reptilien und Tetrapodenfährten
  • ca. 25.000 fossile Fische sowie 1.500 Amphibien
  • etwa 3.000 fossile Vogelfunde

Hinzu kommen Spezialsammlungen wie Otolithen (Ohrsteinchen), histologische Dünnschliffe sowie eine Hominiden-Sammlung.

Das Material umfasst überwiegend Versteinerungen von Knochen und Zähnen, daneben auch Spurenfossilien, Haut- und Fellreste, Abgüsse sowie begleitende Dokumente. Geografische Schwerpunkte liegen in Europa (u. a. Solnhofen, Holzmaden, Rüdersdorf), Ostafrika (Tendaguru) sowie weiteren Fundregionen weltweit.

Kontakt

Dr. Daniela Schwarz
Wissenschaftliche Sammlungsleitung (Fossile Vögel, Reptilien und Tetrapodenfährten)
E-Mail: Daniela.Schwarz@mfn.berlin
Telefon: 030 889140-8754

PD Dr. Oliver Hampe
Wissenschaftliche Sammlungsleitung (Fossile Säugetiere, Conodonta; Geologie)
E-Mail: Oliver.Hampe@mfn.berlin
Telefon: 030 889140-8678

PD Dr. Florian Witzmann
Wissenschaftliche Sammlungsleitung (Fossile Fische und Amphibien)
E-Mail: Florian.Witzmann@mfn.berlin
Telefon: 030 889140-8820

Andreas Rassuly
Sammlungsmanagement
E-Mail: Andreas.Rassuly@mfn.berlin
Telefon: 030 889140-8353

Dr. David Ware
Sammlungsmanagement
E-Mail: David.Ware@mfn.berlin
Telefon: 030 889140-8353

Zugang

Die Sammlungsbestände sind unterschiedlich weit digital erschlossen. Von den fossilen Säugetierbeständen sind über 45.000 Objekte datenbanklich erfasst, die Hominiden-Sammlung ist vollständig digital dokumentiert. Auch die Bestände fossiler Fische und Amphibien sind weitgehend digital erfasst. Die Sammlung fossiler Reptilien ist bislang nur teilweise elektronisch erschlossen.

Digitale Daten können auf Anfrage über die zuständigen Ansprechpersonen bereitgestellt werden. Für einzelne Objekte liegen bereits 3D-Daten (Oberflächen- und Volumendaten) vor.

Die Bearbeitung der Objekte erfolgt vor Ort. In den Sammlungsräumen stehen Arbeitsplätze sowie technische Ausstattung wie Binokulare und Polarisationsmikroskope zur Verfügung.

Geschichte

Die Bestände gehen auf mehrere historische Sammlungsbestände zurück, die seit dem 19. Jahrhundert aufgebaut und kontinuierlich erweitert wurden. Ausgangspunkt ist das Mineralogische Museum der Berliner Universität, das 1810 aus dem Königlichen Mineralienkabinett hervorging.

Die Sammlung wurde durch Forschungsreisen, Grabungen und Ankäufe geprägt. Wichtige Beiträge stammen unter anderem von Friedrich Sellow (1789–1831), Margarethe L. Selenka (1860–1922) sowie Ludwig Kohl-Larsen (1884–1969).

Für die fossilen Reptilien sind insbesondere die Grabungen von Otto M. J. Jaekel (1863–1929) in Halberstadt sowie die Deutsche Tendaguru-Expedition (1909–1913) von zentraler Bedeutung. An ihr waren unter anderem Werner E. M. Janensch (1878–1969), Edwin Hennig (1882–1977) und Hans Reck (1886–1937) beteiligt. Die Funde aus Tendaguru im heutigen Tansania zählen bis heute zu den bedeutendsten Dinosaurierbeständen weltweit. Ihren kolonialen Kontext erforschen wir heute im Rahmen der Provenienzforschung. In einem weiteren Forschungsprojekt machen wir die Bestände der Tendaguru-Sammlung virtuell zugänglich.

Ein weiterer Meilenstein ist der Erwerb des Berliner Exemplars von Archaeopteryx lithographica im Jahr 1880, vermittelt unter anderem durch Heinrich Ernst Beyrich (1815–1896) und finanziell unterstützt von Werner von Siemens (1816–1892).

Die Sammlung wurde im 20. Jahrhundert durch internationale Expeditionen und Ankäufe weiter ausgebaut und wächst bis heute durch Schenkungen, Tausch und gezielte Erwerbungen.

Forschung

Die Teilsammlung bildet eine zentrale Grundlage für die Erforschung der Evolution der Wirbeltiere. Ein besonderer Fokus liegt auf Übergängen in der Evolution, etwa dem Landgang der Wirbeltiere, der anhand fossiler Fische und Amphibien untersucht wird.

Die Bestände ermöglichen Studien zu:

  • Stammesgeschichte (Phylogenie)
  • Populationsentwicklung und Biodiversität
  • Paläoökologie und Klimaentwicklung (Stratigraphie)
  • funktioneller Morphologie und Biomechanik

Fossile Tetrapodenfährten liefern wichtige Hinweise auf Fortbewegung und Verhalten ausgestorbener Tiere. Histologische Dünnschliffe unterstützen die Paläohistologie und erlauben Aussagen zu Wachstum und Physiologie.

Moderne Methoden wie CT- und µCT-Analysen, 3D-Oberflächenerfassung und Isotopenanalysen ergänzen die klassische morphologische Untersuchung. Gut erhaltene subfossile Materialien ermöglichen zudem genetische Analysen.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Provenienzforschung. Sie untersucht die Herkunft und Erwerbskontexte der Objekte, insbesondere bei historischen Beständen aus kolonial geprägten Forschungsreisen, und trägt zur transparenten Einordnung der Sammlungsgeschichte bei.