
Rezente und fossile Pflanzen
Pflanzenfossilien aus über 500 Millionen Jahren und umfangreiche Vergleichssammlungen rezenter Pflanzen – zentrale Grundlagen für die Erforschung früher Ökosysteme und Vegetationsgeschichte.
Überblick
Der Sammlungsbereich Rezente und fossile Pflanzen vereint paläobotanische Bestände und rezente Vergleichssammlungen. Er umfasst mehr als 160.000 Sammlungseinheiten fossiler Pflanzen sowie umfangreiche Bestände rezenter Pflanzen.
Fossile Pflanzen
Die fossilen Bestände decken alle Erdzeitalter vom Präkambrium bis zum Känozoikum ab und umfassen unter anderem:
- ca. 90.000 Objekte aus dem Paläozoikum
- ca. 32.000 Objekte aus dem Mesozoikum
- ca. 38.000 Objekte aus dem Känozoikum
- rund 20.000 fossile Samen
Die Sammlung beinhaltet zahlreiche Typusexemplare und Abbildungsbelege und ist systematisch sowie stratigraphisch gegliedert. Schwerpunkte liegen auf mitteleuropäischen Lagerstätten, insbesondere Kohleablagerungen, sowie auf Fundregionen in Europa, Afrika und Südamerika.
Rezente Pflanzen
Die rezenten Vergleichssammlungen umfassen:
- ein Herbar („Schrader-Herbar“) mit etwa 45.000 Belegen
- eine Samensammlung („Mai-Sammlung“) mit rund 24.000 Arten
Diese Bestände dienen dem direkten Vergleich fossiler und rezenter Pflanzen und unterstützen insbesondere aktuopaläontologische Fragestellungen.
Kontakt
Dr. Ludwig Luthardt
Wissenschaftliche Leitung
E-Mail: Ludwig.Luthardt@mfn.berlin
Telefon: 030 889140-8403
Zugang
Die fossilen Bestände sind teilweise digital erschlossen. Nahezu alle Abbildungsbelege sind in einer internen Datenbank erfasst, ergänzt durch weitere Teilerfassungen und digitalisierte Inventarbücher. Insgesamt sind derzeit etwa 17.000 Datensätze digital verfügbar.
Die rezenten Sammlungen sind vollständig über analoge Karteisysteme erschlossen und werden aktuell neu bearbeitet und digital vorbereitet.
Die Nutzung erfolgt vor Ort. Teile der Sammlung wurden im Zuge von Umstrukturierungen in Außendepots verlagert, bleiben jedoch zugänglich.
Geschichte
Die Teilsammlung geht auf Bestände der königlich-preußischen Sammlungen und der 1770 gegründeten Bergakademie zurück, die 1810 in die Berliner Universität integriert wurden. Bereits im frühen 19. Jahrhundert wurden bedeutende Sammlungen angekauft, unter anderem durch das Engagement von Alexander von Humboldt (1769–1859).
Zu den zentralen historischen Beständen gehören die Sammlungen von Ernst Friedrich von Schlotheim (1764–1832), einem Begründer der Paläobotanik, sowie von Heinrich Cotta (1763–1844). Große Teile der Sammlung wurden im 19. und 20. Jahrhundert im Kontext geologischer Landesaufnahmen und Forschungsinstitutionen wie der Preußischen Geologischen Landesanstalt aufgebaut.
Im 20. Jahrhundert wurden die Bestände an verschiedenen Institutionen geführt und schließlich in das Museum für Naturkunde integriert. Die Sammlung wurde durch kontinuierliche Forschungstätigkeit maßgeblich geprägt, unter anderem durch Christian E. Weiss (1833–1890), Henry Potonié (1857–1913), Walther Gothan (1879–1954) und Winfried Remy (1924–1995).
Das Herbar („Schrader-Herbar“) geht auf die Sammlung von Johann E. J. Schrader (1809–1898) zurück. Die Samensammlung wurde seit den 1950er Jahren unter anderem von Dieter H. Mai systematisch ausgebaut.
Forschung
Die Teilsammlung bildet eine zentrale Grundlage für die paläobotanische Forschung und die Rekonstruktion vergangener Vegetationen und Ökosysteme.
Die Bestände ermöglichen Studien zu:
- Evolution früher Landpflanzen
- Vegetations- und Klimaentwicklung
- stratigraphischer Einordnung von Sedimenten
- Paläoökologie fossiler Floren
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Karbon Mitteleuropas sowie auf frühen Landpflanzen aus dem Devon, etwa aus der Eifel. Bohrkernmaterial und Untertage-Aufsammlungen liefern wichtige Daten zur Vegetationsentwicklung und zu Kohlebildungsprozessen.
Die engen Verbindungen zwischen fossilen und rezenten Vergleichssammlungen ermöglichen detaillierte morphologische und anatomische Analysen. Gut erhaltene Fossilien, etwa verkieselte Pflanzenreste, erlauben Untersuchungen bis auf zellulärer Ebene.