
Arachnida und Myriapoda
Mit rund 250.000 Objekten zählt diese Teilsammlung zu den bedeutendsten Referenzen ihrer Art für die Erforschung von Spinnentieren und Tausendfüßern in Europa.
Überblick
Die Teilsammlung der Arachnida (Spinnentiere) und Myriapoda (Tausendfüßer) umfasst etwa 250.000 Objekte, darunter 5.110 Typusexemplare. Sie gehört zu den größten und historisch bedeutendsten Sammlungen ihrer Art in Europa.
Die Bestände verteilen sich auf rund 20.600 Alkoholpräparate, 7.400 Trockenpräparate und 27.300 Mikropräparate. Ergänzt werden sie durch kleinere Sammlungen verwandter Gruppen wie Asselspinnen, Pfeilschwanzkrebse sowie Zungenwürmer, Stummelfüßer und Bärtierchen.
Der geografische Schwerpunkt liegt in Deutschland, Mitteleuropa und auf der Balkanhalbinsel. Darüber hinaus umfasst die Teilsammlung umfangreiche Bestände aus Brasilien, Australien, Indonesien und Japan sowie aus ehemaligen deutschen Kolonialgebieten wie Namibia, Togo, Tansania und Papua-Neuguinea.
Zugang
Die Teilsammlung steht Forschenden nach vorheriger Anfrage zur Verfügung. Ansprechpersonen sind die wissenschaftliche Sammlungsleitung oder die Sammlungspflege.
Ergänzend steht eine umfangreiche Fachbibliothek mit rund 19.800 Monografien, Sonderdrucken und elektronischen Publikationen zur Verfügung.
Digitale Nachweise der Typusexemplare sind über Datenbanken wie SysTax sowie über internationale Plattformen wie GBIF zugänglich.
Geschichte
Ein Großteil der Teilsammlung geht auf Forschungsreisen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts zurück. Dazu zählen unter anderem Expeditionen nach Zentralafrika, Namibia und Westaustralien.
Die Teilsammlung bewahrt zahlreiche historisch bedeutende Bestände, darunter Material von Carl Ludwig Koch 1778–1857) und Ludwig Koch (1825–1908) sowie Typusmaterial der ehemaligen Kustoden Ferdinand Karsch (1853–1936) und Friedrich Dahl (1856–1929). Weitere wichtige Beiträge stammen von Eugène Simon (1848–1924) sowie aus Spezialsammlungen wie den Wassermilben von Ferdinand Koenike (1854–1935) und den Tausendfüßern von Karl Verhoeff (1867–1944) und Otto Schubart (1900–1962).
Neuere Ergänzungen umfassen unter anderem Raubmilben von Wolfgang Karg (1935–2013), Hornmilben von Manfred Moritz (geb. 1938) sowie regionale Spinnensammlungen aus Deutschland.
Forschung
Die Teilsammlung bildet eine zentrale Grundlage für die Erforschung der Evolution, Systematik und Morphologie von Arachnida und Myriapoda. Ein Schwerpunkt liegt auf dem Vergleich fossiler und rezenter Arten, etwa anhand von Funden aus Bernstein oder Steinkohle.
Forschende untersuchen den Körperbau verschiedener Gruppen und seine Bedeutung für Verwandtschaftsverhältnisse innerhalb der Spinnentiere. Ziel ist es, die Entstehung und Entwicklung einzelner Linien zeitlich einzuordnen und ihre evolutionären Zusammenhänge besser zu verstehen.