Prof. Dr. Carsten Lüter
Wissenschaftliche Sammlungsleitung

Teilsammlung
Die Sammlung „Marine Invertebraten“ bewahrt marine Wirbellose aus über 200 Jahren Forschung und bietet eine zentrale Grundlage für taxonomische, evolutionäre und ökologische Studien.
Die Teilsammlung Marine Invertebraten umfasst rund 47.000 katalogisierte Einheiten. Ein Großteil stammt aus meeresbiologischen Expeditionen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Ergänzend enthält sie auch Süßwasserformen einzelner Gruppen.
Die systematisch aufgebaute Teilsammlung vereint zwölf Großgruppen mariner Wirbelloser:
Rund 70 Prozent der Objekte liegen als Alkoholpräparate vor. Ergänzend stehen umfangreiche Bestände an Trocken- und Mikropräparaten zur Verfügung.
Die Bibliothek umfasst einen sammlungsbezogenen Bestand mit historischen Monografien sowie eine umfangreiche Sonderdrucksammlung zur taxonomischen Bandbreite der marinen Wirbellosen.

Über historische Eingangskataloge und elektronische Datenbanken ist die Teilsammlung digital erschlossen und für die wissenschaftliche Fragestellungen recherchierbar.
Ein Teil der Bestände – darunter Typusexemplare von Schwämmen, Korallen und Stachelhäutern – ist über das Datenportal SeSAM zugänglich. Weitere Daten stellen wir schrittweise digital bereit.
Wissenschaftliche Sammlungsleitung
Die Teilsammlung entwickelte sich im Kontext großer Forschungsreisen und wissenschaftlicher Netzwerke des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Wichtige Beiträge stammen unter anderem von:
Hinzu kommen umfangreiche Sammlungen bedeutender Forschender, darunter Hemprich und Ehrenberg, Klunzinger, Döderlein sowie Kükenthal und Hartmeyer.
Viele dieser Bestände entstanden im Kontext kolonialer Forschungsreisen. Das Museum arbeitet daran, diese historischen Zusammenhänge systematisch aufzuarbeiten und transparent zu machen.
Forschende aus dem Museum und weltweit nutzen die Sammlung für taxonomische, evolutionäre und ökologische Fragestellungen. Moderne optische und molekulare Methoden ermöglichen es, auch historische Präparate für aktuelle Forschungsfragen zu nutzen.
Ein aktueller Schwerpunkt liegt auf der Untersuchung historischer Alkoholpräparate mit molekularbiologischen Methoden. Diese ermöglichen neue Einblicke in genetische Vielfalt und langfristige Veränderungen mariner Ökosysteme.
Ein Beispiel: Forschende vergleichen die Feinstruktur und Skelettdichte von Korallen aus der historischen Ehrenberg-Sammlung mit heutigen Exemplaren. Ziel ist es, Veränderungen im Zusammenhang mit Klimawandel und Biodiversitätsverlust zu verstehen.
Weitere Projekte untersuchen die molekulare Taxonomie von Korallen sowie die Systematik der Armfüßer (Brachiopoda).
Die Teilsammlung liefert damit eine wichtige Grundlage, um globale Umweltveränderungen über lange Zeiträume hinweg zu analysieren.