
Mollusca
Die Teilsammlung umfasst rund sieben Millionen Objekte und zählt zu den weltweit größten Weichtiersammlungen. Mit über 9.000 Typusexemplaren bildet sie eine zentrale Forschungsressource für Taxonomie, Evolution und Biodiversität.
Überblick
Die Teilsammlung Mollusca (Weichtiere) zählt mit rund sieben Millionen Objekten zu den umfangreichsten Molluskensammlungen weltweit. Sie umfasst Nass-, Trocken- und Mikropräparate aus allen heute bekannten Weichtiergruppen und enthält schätzungsweise etwa die Hälfte aller weltweit beschriebenen Molluskenarten.
Von besonderer Bedeutung ist der hohe Anteil an Typenmaterial mit 9.125 Typusexemplaren. Die Teilsammlung deckt die gesamte systematische Breite der Mollusca ab, darunter:
- Gastropoda (Schnecken)
- Bivalvia (Muscheln)
- Cephalopoda (Tintenfische)
- Aplacophora (Wurmmollusken)
- Monoplacophora (Napfschaler)
- Polyplacophora (Käferschnecken)
- Scaphopoda (Kahnfüßer)
Ergänzt wird die Teilsammlung durch bedeutende fossile Bestände, darunter Ammoniten als Leitfossilien der Erdgeschichte, sowie durch eine Sammlung kunsthandwerklich bearbeiteter Mollusken. Dazu zählt unter anderem historisches Material aus Byssus (Muschelseide).
Zur Teilsammlung gehören außerdem umfangreiche archivalische und bibliothekarische Bestände, darunter das digitalisierte Findbuch der Deutschen Tiefsee-Expedition Valdivia sowie eine Fachbibliothek mit etwa 1.500 Büchern, 30 Zeitschriftentiteln und 10.500 Sonderdrucken.
Zugang
Die Bestände sind nach Präparationsformen strukturiert und systematisch inventarisiert.
Der Digitalisierungsgrad liegt derzeit bei mehr als der Hälfte der rund 260.000 erfassten Sammlungsobjekte. Historische Kataloge und elektronische Datensätze werden schrittweise in eine zentrale Sammlungsdatenbank überführt, die perspektivisch online zugänglich gemacht wird.
Die Teilsammlung steht Forschenden für wissenschaftliche Arbeiten offen, insbesondere für taxonomische, morphologische und evolutionsbiologische Fragestellungen. Die Betreuung und Koordination erfolgen über das Sammlungsmanagement.
Geschichte
Der systematische Aufbau der Teilsammlung geht wesentlich auf Karl Eduard von Martens (1831–1904) zurück, der sie seit den 1850er-Jahren kontinuierlich erweiterte. Bereits Ende der 1930er-Jahre umfasste der Hauptkatalog rund 100.000 Einträge.
Die Bestände wuchsen durch die Arbeit mehrerer Generationen von Kustoden sowie durch bedeutende Nachlässe privater Sammler, darunter Wilhelm Dunker (1809–1885), Friedrich Paetel (1818–1892), Karl August Möbius (1825–1908) und weitere. Wesentliche Sammlungsteile stammen aus großen Forschungsreisen, insbesondere der Deutschen Tiefsee-Expedition Valdivia (1898–1899) und der Deutschen Südpolar-Expedition (1899–1901).
Ein herausragendes Objekt der Teilsammlung ist der Holotyp von Vampyroteuthis infernalis, der im Rahmen der Valdivia-Expedition geborgen wurde. Er besitzt bis heute hohe Bedeutung für die Evolutionsforschung der Kopffüßer.
Forschung
Die Teilsammlung Mollusca bildet eine zentrale Forschungsinfrastruktur für Taxonomie, Systematik, Evolutions- und Biodiversitätsforschung. Seit mehr als 150 Jahren dient sie als Grundlage für morphologische Untersuchungen und revisionsbasierte Arbeiten.
Ein aktueller geographischer Forschungsschwerpunkt liegt auf Süßwassermollusken Südost- und Ostasiens, insbesondere aus Indonesien (Sulawesi) und China. Die Forschung erfolgt in internationalen Kooperationen und schließt die Betreuung von Master-, Promotions- und Gastforschenden aus der Region ein.
Dank der Verknüpfung historischer Bestände mit neu erhobenem Material stehen zunehmend auch molekulargenetische Analysen zur Verfügung. Eine umfangreiche DNA- und Gewebesammlung mit über 15.000 Proben ist im Biorepositorium des Museums hinterlegt. Ergebnisse der taxonomischen Forschung fließen zunehmend in Rote-Listen-Assessments sowie in Kooperationen mit internationalen Partnern und NGOs ein.