Historisches Nasspräparat der Art Lithocryptus prasinus in einem Glasgefäß.

Vermes

Die Teilsammlung umfasst über 100.000 Exemplare aus verschiedenen Tiergruppen. Sie liefert weltweit wichtige Vergleichsdaten für Biodiversitäts-, Klimawandel- und Parasitologieforschung in sich wandelnden Ökosystemen.

Überblick

Die Teilsammlung Vermes (Wurmartige Tiere) ist in ihrer Zusammensetzung deutschlandweit einzigartig. Sie umfasst mehr als 100.000 Objekte aus einer Vielzahl wurmartiger Tiergruppen und enthält umfangreiches Typenmaterial.

Von besonderer historischer Bedeutung ist die integrierte Sammlung von Carl Asmund Rudolphi (1771–1832), dem Begründer der Helminthologie. Zu ihr gehört auch der Nachlass der Sammlungs- und Erwerbsdokumente aus seiner historischen Arbeitsstätte.

Die Teilsammlung vereint freilebende und parasitische Formen aus marinen, limnischen und terrestrischen Lebensräumen. Vertreten sind unter anderem:

  • Plathelminthes (Plattwürmer), einschließlich freilebender Turbellaria sowie parasitischer Trematoda und Cestoda
  • Gnathostomulida (Kiefermündchen)
  • Nemertini (Schnurwürmer)
  • Rotatoria (Rädertierchen)
  • Acanthocephala (Kratzer)
  • Gastrotricha (Bauchhärlinge)
  • Nematoda (Fadenwürmer) und Nematomorpha (Saitenwürmer)
  • Kinorhyncha (Igelnackentiere)
  • Priapulida (Priapswürmer)
  • Loricifera (Korsett-Tierchen)
  • Sipunculida (Spritzwürmer) und Echiurida (Igelwürmer)
  • Pogonophora (Bartwürmer)
  • Annelida mit Oligochaeta (Wenigborster), Hirudinea (Egel) und Polychaeta (Borstenwürmer)
  • Chaetognatha (Pfeilwürmer)

Bestandsstruktur (Auswahl):

  • ca. 100.000 Objekte
  • 3.912 Typusexemplare
  • ca. 14.000 Nasspräparate
  • ca. 16.000 mikroskopische Präparate
  • zahlreiche Trockenpräparate (z. B. Röhren)
  • Fachbibliothek mit ca. 19.000 Sonderdrucken, Monographien und Büchern

Zugang

Ein Großteil der Bestände ist digital erschlossen und über interne sowie öffentlich zugängliche Datenbanksysteme recherchierbar. Die Teilsammlung steht Forschenden für wissenschaftliche Arbeiten offen, insbesondere für taxonomische, morphologische, ökologische und parasitologische Fragestellungen.

Die fachliche Betreuung und Weiterentwicklung erfolgen im Rahmen nationaler und internationaler Forschungskooperationen.

Geschichte

Die Ursprünge der Teilsammlung reichen über 300 Jahre zurück und liegen in den frühen zoologischen Beständen des Naturalienkabinetts der Akademie der Wissenschaften. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurden die Sammlungsbestände mehrfach institutionell neu verortet, bevor sie 1889 im heutigen Museumsbau zusammengeführt wurden.

Wesentliche Erweiterungen erfolgten durch Forschungsreisen des 18. und 19. Jahrhunderts sowie durch große Expeditionen wie die Deutsche Tiefsee-Expedition Valdivia (1898–1899) und die Deutsche Südpolar-Expedition (1901–1903). Diese historischen Bestände bilden bis heute eine wichtige Referenz für vergleichende Studien.

Seit dem späten 20. Jahrhundert ist die Tiefsee erneut ein zentraler Forschungsschwerpunkt. Expeditionen im Atlantik, Indischen Ozean und Pazifik erweiterten die Teilsammlung insbesondere um Organismen der Meiofauna, also bodenlebende Tiere im Größenbereich unter einem Millimeter.

Forschung

Die Teilsammlung Wurmartige Tiere ist eine zentrale Forschungsinfrastruktur für Taxonomie, Morphologie, Zoogeographie und Biodiversitätsforschung. Aufgrund ihrer breiten systematischen Abdeckung eignet sie sich besonders für vergleichende Studien über lange Zeiträume.

Ein Schwerpunkt liegt auf der Analyse von Veränderungen in Ökosystemen, etwa im Zusammenhang mit Klimawandel und Biodiversitätskrise. Tiergruppen der Meiofauna fungieren dabei als Bioindikatoren, da sie sensibel auf Umweltveränderungen reagieren.

Ein weiterer Fokus liegt auf der Parasitologie, insbesondere auf Wirts-Parasit-Beziehungen in sich wandelnden Ökosystemen. Durch den Vergleich historischer und aktueller Aufsammlungen lassen sich langfristige Veränderungen in Verbreitung und Morphologie nachvollziehen.