Mehrere in Alkohol konservierte Amphibien und Reptilien in Glasgefäßen unterschiedlicher Größe, angeordnet vor neutralem Hintergrund

Teilsammlung

Herpetologie

Die Teilsammlung "Herpetologie" des Museums zählt zu den bedeutendsten ihrer Art in Europa. Rund 160.000 Amphibien und Reptilien, etwa 2.600 Typusexemplare und umfangreiche Begleitdaten machen sie zu einer wichtigen Forschungsinfrastruktur.

Überblick

Die Teilsammlung Herpetologie des Museums für Naturkunde Berlin zählt zu den bedeutendsten ihrer Art in Europa. International ist sie insbesondere aufgrund ihrer rund 2.600 Typusexemplare aus etwa 1.900 Artbeschreibungen von großer Bedeutung. Die Verknüpfung der Teilsammlung mit den Daten der historischen Arbeitsstelle ermöglicht eine fundierte Recherche und die Zuordnung bislang nicht individualisierter Sammlungsinformationen. Neuere Zugänge umfassen neben den Präparaten georeferenzierte Funddaten, Gewebeproben für genetische Analysen, Fotografien lebender Tiere und Tonaufnahmen von Amphibien.

Die Teilsammlung umfasst rund 160.000 Amphibien und Reptilien. Den größten Bestand bilden etwa 155.000 Nasspräparate. Hinzu kommen rund 1.400 Knochen-, Skelett- und Trockenpräparate, etwa 5.000 Fotografien – überwiegend von Typusexemplaren –, rund 1.000 Mikro-CT-Datensätze, Gewebeproben sowie Rufaufnahmen im Tierstimmenarchiv.

Der historische Bestand dokumentiert die weltweite Vielfalt der Herpetofauna über mehr als 250 Jahre. Aktuelle Sammlungsschwerpunkte liegen unter anderem auf den Amphibien Afrikas.

Zur Teilsammlung gehört außerdem eine der umfassendsten herpetologischen Bibliotheken mit rund 1.100 Monographien, etwa 100 historischen Rara-Bänden, 30 Fachzeitschriften sowie rund 200.000 Sonderdrucken.

Zugang

Der Zugang zur Teilsammlung erfolgt für wissenschaftliche Zwecke auf Anfrage über die zuständigen Ansprechpersonen. Arbeitsmöglichkeiten stehen vor Ort zur Verfügung. 

Sammlungsdaten erschließen wir kontinuierlich. Bereits digital verfügbare Daten einzelner taxonomischer Gruppen stellen wir Ihnen auf Anfrage über die wissenschaftliche Sammlungsleitung oder das Sammlungsmanagement zur Verfügung.

Kontakt

Geschichte

Die Berliner Herpetologie reicht bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts zurück und zählt damit zu den ältesten zoologischen Teilsammlungen des Museums. Die ältesten Bestände stammen unter anderem von Friedrich Heinrich von Borcke (1704–1747), Marcus Elieser Bloch (1723–1799) und Peter Simon Pallas (1741–1811).

Im 19. Jahrhundert erweiterten Forschungsreisen die Teilsammlung erheblich. Bedeutende Beiträge lieferten unter anderem Friedrich Wilhelm Hemprich (1796–1825) und Christian Gottfried Ehrenberg (1795–1876) aus Nordostafrika und dem Sinai, Friedrich Sellow (1789–1831) sowie Ignaz von Olfers (1793–1871) aus Südamerika und Wilhelm Peters (1815–1883) aus Mosambik. Im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts kamen weitere bedeutende Bestände aus verschiedenen Regionen der Welt hinzu. Diese umfassen auch Material aus kolonialen Kontexten, das heute wissenschaftlich und historisch kritisch eingeordnet wird.

Zu den ältesten Objekten der Teilsammlung zählt ein nahezu 300 Jahre alter Felsenpython (Python sebae) aus dem Naturalienkabinett von Albertus Seba (1665–1736). Das Museum für Naturkunde Berlin beherbergt heute vermutlich die weltweit größte Zahl herpetologischer Präparate aus dieser bedeutenden historischen Sammlung.

Forschung

Die Teilsammlung bildet eine wichtige Grundlage für taxonomische, phylogenetische, evolutionsökologische und biogeographische Forschung. Die zahlreichen Typusexemplare sowie umfangreiche historische Bestände ermöglichen es, Arten zu vergleichen, ihre Verwandtschaft zu rekonstruieren und Veränderungen biologischer Vielfalt über lange Zeiträume zu untersuchen. Die Arbeitsgruppe der wissenschaftlichen Sammlungsleitung forscht derzeit insbesondere in Afrika und auf Madagaskar.

Auch aktuelle Forschungsfragen zu Biodiversität und Naturschutz stützen sich auf die Teilammlung. Daten aus dem Museum flossen unter anderem in die weltweite Rote-Liste-Bewertung der Reptilien ein. Weitere Arbeiten befassen sich mit der Gefährdung von Schildkröten und Krokodilen sowie mit der Widerstandsfähigkeit von Amphibien gegenüber Lebensraumveränderungen.

Die Teilsammlung trägt außerdem regelmäßig zu neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen bei. So konnten Forschende unter anderem die Fortpflanzungsbiologie lebendgebärender Nimbakröten und neu beschriebener Baumkröten aus Tansania untersuchen. Auch die Entdeckung einer eigenständigen westafrikanischen Froschfamilie (Odontobatrachidae) geht auf Arbeiten mit Museumsmaterial zurück.