
Ornithologie
Über 200.000 Vogelpräparate dokumentieren Artenvielfalt, Forschungsgeschichte und globale Sammelkontexte.
Überblick
Die Vogelsammlung des Museums für Naturkunde Berlin umfasst über 200.000 Objekte und zählt zu den größten und bedeutendsten Sammlungen ihrer Art weltweit. Sie deckt – je nach Systematik – zwischen 76 Prozent und knapp 90 Prozent aller rezenten Vogelarten ab.
Die Teilsammlung ist besonders reich an Typusmaterial (über 5.000 Typen) sowie an historischen Belegen bedeutender Sammler:innen. Geographische Schwerpunkte liegen in Brandenburg, Südamerika sowie in Beständen aus Afrika, Südostasien, Neuguinea und weiteren Teilen Asiens.
Die Teilsammlung umfasst unter anderem:
- 120.000 Bälge
- 12.000 montierte Präparate
- 10.000 Skelette
- 1.000 Federbelege
- 5.000 Alkoholpräparate
- 40.000 Gelege
- 2.100 Nester
- 730 Flügelpräparate
Die montierten Standpräparate sind derzeit Teil der Sonderausstellung ZUGvögel – Eine Sammlung in Bewegung. Sie gehen auf Bestände zurück, deren Ursprünge in den 1810er Jahren liegen. Die Präparation zielte damals darauf ab, Vögel möglichst lebensecht darzustellen, um Arten anhand äußerer Merkmale vergleichen zu können.
Kontakt
Dr. Sylke Frahnert
Wissenschaftliche Sammlungsleitung
E-Mail: sylke.frahnert@mfn.berlin
Telefon: 030 889140-8512
Pascal Eckhoff
Sammlungspflege
E-Mail: Pascal.Eckhoff@mfn.berlin
Telefon: 030 889140-8923/8933
Zugang
Bereits 80 bis 85 Prozent der Objekte sind digital erschlossen (Stand 2025). Die Digitalisierung ist weitgehend abgeschlossen, mit Ausnahmen bei:
- Teilen der Balgsammlung
- großen Teilen der Eiersammlung
- Mikropräparaten
Alle anderen Sammlungsteile sind vollständig erfasst.
Mehr als 5.000 Typen sind digital dokumentiert, etwa 1.000 davon über GBIF zugänglich.
Die Sammlungsdaten stehen für wissenschaftliche Fragestellungen auf Anfrage zur Verfügung.
Geschichte
Die Entwicklung der Vogelsammlung ist eng mit der Arbeit ihrer Kurator:innen und Leitungen verbunden. Besonders prägend wirkten:
- Martin H. C. Lichtenstein (1780–1857)
- Jean L. Cabanis (1816–1906)
- Anton Reichenow (1847–1941)
- Erwin Stresemann (1889–1972)
Insbesondere Cabanis und Stresemann machten die Sammlung zu einem Zentrum der ornithologischen Forschung in Deutschland.
1853 gründete Cabanis das Journal für Ornithologie, die älteste bis heute erscheinende ornithologische Fachzeitschrift und offizielles Organ der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft. Stresemann prägte die moderne Ornithologie entscheidend, indem er neben der klassischen Systematik auch Genetik, Verhalten und Anatomie einbezog. Zudem baute er die ornithologische Bibliothek des Museums auf.
Die Teilsammlung entstand auch im Kontext globaler Forschungsreisen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Viele Bestände stammen aus kolonialen Kontexten, insbesondere aus Afrika und Ozeanien. Auch große asiatische Sammlungen wurden in dieser Zeit aufgebaut. Diese historischen Zusammenhänge sind heute Teil der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Provenienzen und Sammlungsgeschichte.
Der Zweite Weltkrieg verursachte erhebliche Verluste, insbesondere bei montierten Präparaten. In jüngerer Zeit wurden große Teile der Sammlung im Zuge der Museums-Evolution restauriert und konservatorisch bearbeitet.
Forschung
Rund 100 Forschende nutzen die Vogelsammlung jährlich. Sie arbeiten unter anderem zu:
- Taxonomie und Systematik
- Evolution
- Ökologie
- Bionik
- Paläontologie
- Isotopenforschung
Ein Schwerpunkt liegt auf der wissenschaftlichen Erschließung historischer Bestände. Dazu gehören:
- Erstellung von Typenkatalogen
- Rekonstruktion von Sammelreisen
- Präzisierung von Fund- und Sammlungsdaten
Aktuelle Projekte bearbeiten beispielsweise die Typen der Sammlung Gustav A. Fischer in Kooperation mit dem Zoologischen Museum Hamburg.
Die Forschungssammlung bietet zudem besondere Forschungsmöglichkeiten, etwa durch umfangreiche Serien von Embryonen und Jungtieren in der Nass-Sammlung, die ontogenetische Untersuchungen ermöglichen.