Ins Naturkundemuseum des 21. Jahrhunderts (ab 1990)

Ein Museum an der ehemaligen Grenze

Wer heute vor dem Haupteingang des Museums für Naturkunde Berlin steht, blickt auf eine der zentralen Verkehrsadern der Stadt. Kaum etwas erinnert daran, dass das Museum fast 40 Jahre lang unmittelbar an der Grenze zu Westberlin lag.

Die Invalidenstraße endete damals als Sackgasse, und die benachbarte U-Bahnstation an der Ecke Invalidenstraße/Chausseestraße blieb mehr als drei Jahrzehnte geschlossen. Seit 1991 ist sie wieder in Betrieb, 2009 erhielt sie ihren heutigen Namen „Naturkundemuseum“.

In den Jahren 1993 und 1994 reorganisierte sich das Museum grundlegend. Es wurde zum Zentralinstitut der Humboldt-Universität zu Berlin.

Zwischen 2005 und 2007 modernisierte das Museum mit Unterstützung der Lottostiftung große Teile der Ausstellungsräume. Eine neue Belüftungsanlage entstand, die Glasdächer wurden saniert. Die Saurierskelette in der großen Halle konservierte das Museum umfassend und stellte sie nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen neu auf.

Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft

Im Jahr 2009 folgte ein weiterer bedeutender Schritt. Aufgrund seiner international anerkannten Forschungsleistungen auf den Gebieten der biologischen und geowissenschaftlichen Evolution und Biodiversität verließ das Museum für Naturkunde Berlin die Humboldt-Universität. Es wurde Teil der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz, kurz Leibniz-Gemeinschaft.

Seitdem trägt das Haus den vollständigen Namen:

  • Museum für Naturkunde – Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung

Mit diesem Schritt wurde das Museum eine wissenschaftlich und rechtlich selbstständige Stiftung öffentlichen Rechts.

Neue Ausstellungen in neuen Formaten

Mit mehr als 30 Millionen Objekten und einer starken internationalen Reputation zählt das Museum für Naturkunde Berlin heute zu den bedeutendsten Forschungsmuseen der Welt. Zugleich prägen Kriegsschäden und jahrzehntelange Ressourcenknappheit das Gebäude bis heute. Platzmangel, veraltete Technik und ungünstige Sammlungsbedingungen machen eine umfassende Sanierung dringend erforderlich.

Auf die Teilerneuerung der Ausstellungsflächen (2004–2007) folgte die Rekonstruktion des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Ostflügels. Dort erhielt die Nass-Sammlung eine neue Heimat. Das Besondere: Sie ist dauerhaft öffentlich einsehbar. Zum ersten Mal präsentierte damit ein naturkundliches Museum einen wissenschaftlichen Sammlungsteil kontinuierlich für die Öffentlichkeit. Wie die kurz zuvor eröffnete Biodiversitätswand in der Ausstellung Evolution in Aktion entwickelte sich die Nass-Sammlung rasch zu einem Anziehungspunkt.

Der anschließende Bauabschnitt im Mittelbau des Hauptgebäudes verbesserte die Lagerung der Trockensammlungen, optimierte Arbeitsabläufe, schuf Arbeitsplätze und Labore. Erste Säle im Mittelbau ermöglichen 2026 Einblicke in die Forschungssammlung Säugetierschädel sowie Hirsche & Hornträger.

Entwicklung zum Museum des 21. Jahrhunderts

Der aktuell laufende Bauabschnitt im Westflügel führt diese Entwicklung konsequent fort. Er schafft neue Arbeits-, Lehr- und Vermittlungsräume. Gleichzeitig entstehen modernisierte Ausstellungs- und Schausammlungsflächen.

Bis 2026 sind erst rund 20 Prozent der historischen Gebäudesubstanz umfassend saniert. Mit Unterstützung des Bundestags und des Berliner Abgeordnetenhauses bietet der Zukunftsplan als Drehbuch der Museums-Evolution erstmals die Chance, die gesamte Liegenschaft denkmalgerecht, nachhaltig, energieeffizient und barrierefrei zu modernisieren und weiterzuentwickeln. Parallel entsteht in Adlershof ein neues Sammlungs- und Forschungszentrum, das künftig optimale Bedingungen für Sammlungspflege, Forschung und internationale Kooperationen bietet.

Die Museums-Evolution bildet damit die Grundlage für ein Naturkundemuseum des 21. Jahrhunderts – offen, dialogisch, nachhaltig und für Forschung und Gesellschaft gleichermaßen relevant.