Beschädigte Naturstein- und Ziegelfassade des Museum für Naturkunde Berlin mit zahlreichen Einschusslöchern

Krieg, Zerstörung und Rettung (1939–1945)

Der Zweite Weltkrieg trifft das Museum schwer: Bomben treffen Gebäude und Sammlung. Durch mutiges Handeln vieler Beschäftigter überlebt jedoch ein Großteil der Bestände. Zurück bleibt ein Museum in Trümmern.

Bombenangriffe und Rettungsaktionen

„Während das Gebäude beträchtlichen Schaden erlitten hat, sind die Sammlungen zu rund 75 Prozent gerettet; das Wesentliche ist also erhalten geblieben“, 

heißt es in einem Bericht aus dem Jahr 1948. Dass so viele Objekte die Zerstörungen überstanden haben, verdankt das Museum der Umsicht und dem großen Engagement der Beschäftigten.

Bereits im April 1943 begannen sie, zentrale Teile der Sammlung in Sicherheit zu bringen – darunter den erst kurz zuvor aufgestellten „Brachiosaurus brancai“ (heute Giraffatitan brancai) und den Urvogel Archaeopteryx lithographica. Viele Objekte schützten sie im Keller unter Sandschichten oder lagerten sie außerhalb des Museums aus. Nicht alles kehrte nach dem Krieg zurück: Mineralien und Teile der paläontologischen Bibliothek gelten bis heute als verschollen oder wurden entwendet und befinden sich noch in Russland.

Zerstörung im Februar 1945

Die ersten schweren Schäden entstanden bereits im November 1943. Der folgenschwerste Angriff erfolgte jedoch am 3. Februar 1945, als die US-Luftwaffe Berlin massiv bombardierte. Auch das Museum wurde getroffen:

  • Der Ostflügel erlitt schwere Schäden und stürzte später ein.
  • Die Halle mit Walskeletten in einem der Innenhöfe wurde vollständig zerstört.
  • In einem Luftschutzraum des Museums gab es Tote und Verletzte.

In den folgenden Tagen brannten weitere Gebäudeteile. Granaten rissen große Löcher in Wände und Fassaden. Fenster und Glasdächer zerbrachen, herabstürzende Trümmer begruben zahlreiche nicht ausgelagerte Präparate. In manchen Objekten stecken bis heute Splitter.

Schäden an der Vogelsammlung

Auch die historische Vogelsammlung war von den Angriffen schwer betroffen. Die Vitrinen im Vogelsaal – viele von ihnen stammen noch aus dem Eröffnungsjahr 1889 – wurden teilweise durch Druckwellen zerstört. Einige Präparate schleuderten die Explosionen so weit aus ihren Schaukästen, dass sie bis auf den Museumshof flogen. Viele ließen sich erst Jahre später und mit großem handwerklichem Aufwand restaurieren. Präparator:innen arbeiten bis heute daran, beschädigte Standpräparate zu stabilisieren.

Im Rahmen der Museums-Evolution saniert das Museum den historischen Sammlungsraum derzeit umfassend und denkmalgerecht. Die rund 11.500 Präparate wurden im Zuge der Sammlungserschließung gereinigt, fotografisch erfasst und in Transportboxen verpackt.

Dieser temporäre Umzug bildet die Grundlage der Sonderausstellung ZUGvögel – Eine Sammlung in Bewegung. Sie ermöglicht erstmals, diese historischen Bestände öffentlich aus der Nähe zu erkunden. Die Sonderausstellung verbindet die bewegte Geschichte der Präparate während des Zweiten Weltkriegs mit heutigen Perspektiven und zeigt, wie sich naturkundliche Sammungen zu offenen und dialogorientierten Orten weiterentwickeln können.

Neuanfang in Ruinen

Am 2. Mai 1945 endeten die Angriffe. Nur fünf Tage später, am 7. Mai 1945 – einen Tag vor der Kapitulation Deutschlands – nahmen die wenigen verbliebenen Beschäftigten ihre Arbeit wieder auf. Sie standen vor einem Bild der Verwüstung.

Neubeginn nach 1945

Wie das Museum im geteilten Berlin nach 1945 wieder öffnete, Sammlungen rekonstruierte und sich Schritt für Schritt neu aufstellte, zeigt das nächste Kapitel der Museumsgeschichte: Museum im geteilten Berlin (1945–1990)