

Museum im geteilten Berlin (1945–1990)
Nach Kriegsende beginnt der lange Wiederaufbau: Trümmer werden beseitigt, Objekte geborgen, Räume notdürftig hergerichtet. Die politische Teilung Berlins prägt Alltag und Arbeit im Museum über Jahrzehnte.
Wiedereröffnung in schweren Zeiten
Am 16. September 1945 öffnete das Museum für Naturkunde Berlin als erstes Museum der Stadt wieder seine Türen: Fünf Säle der zoologischen Schausammlung standen den Besuchenden offen. Bereits im Oktober folgte mit dem Lichtbildvortrag „Aus dem Liebesleben der Schmetterlinge“ die erste populärwissenschaftliche Vortragsreihe nach dem Krieg. Die Beschäftigten hofften, „dass wir mit unseren Schausälen recht vielen Menschen Stunden der Erbauung und der Kenntnisbereicherung verschaffen können“.
Wiederherstellen
Zunächst standen jedoch nicht Forschung oder Lehre im Mittelpunkt. Die Beschäftigten sicherten und bargen ausgelagerte Sammlungsbestände, entrümpelten und reinigten das stark beschädigte Gebäude, verglasten und dichteten zerstörte Fenster ab, schützten Objekte vor Diebstahl, reparierten Schränke und restaurierten beschädigte Präparate und Dioramen.
Erste Objekte kehrten 1947 aus den Kellern in die Ausstellung zurück. Ein Jahr später entstand das erste Diorama. Parallel dazu begannen im Lichthof die Vorbereitungen für den Wiederaufbau von „Brachiosaurus brancai“ (heute Giraffatitan brancai). 1951 unterbrach man die Arbeiten, da die Räume für die Ausstellung zum ersten Fünfjahresplan der DDR benötigt wurden. Zwei Jahre später stand der Saurier wieder.
1954 öffnete die mineralogische Sammlung, 1966 folgte der Huftiersaal – einer der ersten vollständig neu gestalteten Räume nach dem Krieg. Den völlig zerstörten Ostflügel mit der heutigen Nass-Sammlung rekonstruierte das Museum erst bis 2010.
Viele dringend notwendige Sanierungen lassen sich erst im Rahmen der laufenden Museums-Evolution bis voraussichtlich 2035 umsetzen.
Veränderung ist die Konstante
Politische Entwicklungen prägten das Museum, das auch in der DDR Teil der Humboldt-Universität zu Berlin blieb, weiterhin stark. Bereits in den ersten Nachkriegsjahren verließen zahlreiche wissenschaftliche Mitarbeitende das Museum und wechselten nach West-Berlin oder an westdeutsche Hochschulen.
Mit dem Mauerbau 1961 konnten viele Museumsangehörige, die in West-Berlin lebten, ihren Arbeitsplatz plötzlich nicht mehr erreichen. Dennoch setzte das Museum seine Arbeit fort, getragen vor allem vom wissenschaftlichen Nachwuchs.
1968 ordnete die DDR die Hochschullandschaft neu. Die akademische Lehre gehörte fortan nicht mehr zu den Aufgaben des Museums. Zugleich entstanden zeitweise neue Abteilungen, darunter Botanik und Anthropologie. Die Sammlung wuchs weiter – durch wertvolle Schenkungen und wissenschaftliche Sammelreisen.
Bevorzugte Zielregionen waren die sogenannten sozialistischen Bruderländer Kuba und die Mongolei sowie Naturgebiete der DDR. Viele andere Regionen blieben politisch kaum zugänglich. Dennoch entstanden zahlreiche bedeutende Veröffentlichungen, die die Wissenschaft in Ost und West nachhaltig prägten – darunter Lehr- und Bestimmungsbücher, die teilweise bis heute genutzt werden.
Ort der Begegnung
Gleichzeitig war das Museum ein Ort der – teils konspirativen – Begegnung. Hier trafen sich Menschen, die ein offenes Wort suchten oder sich mit Journalist:innen aus dem Westen austauschen wollten. Der lange Arm der Staatssicherheit reichte hier offenbar nicht hin.
Aufbruch in neue Strukturen
Mit dem Fall der Mauer 1989 beginnt für das Museum eine neue Phase: veränderte Strukturen, neue Möglichkeiten – und der Weg in die institutionelle Selbstständigkeit: Ins Naturkundemuseum des 21. Jahrhunderts (ab 1990)




