

Ursprünge und Universitätsmuseum (bis 1889)
Unsere Forschungssammlung hat eine lange Entwicklung hinter sich – von frühen Objekten der Berliner Kunstkammer über die ersten naturkundlichen Universitätsmuseen bis hin zur Eröffnung des heutigen Museums für Naturkunde Berlin im Jahr 1889.
Von der Kunstkammer zur Universitätssammlung
Zahlreiche Objekte aus der frühneuzeitlichen Kunstkammer befinden sich heute in den Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin, der Humboldt-Universität zu Berlin und des Museums für Naturkunde Berlin. Andere Objekte sind nur noch in historischen Quellen überliefert. Das Projekt Das Fenster zur Natur und Kunst hat diese Quellen wissenschaftlich erschlossen. Eine virtuelle Forschungsumgebung rekonstruiert die Bestände erstmals digital und macht die engen Verflechtungen zwischen Kunstkammer, Universität und Museen sichtbar.
Universitätsgründung und Entstehung der drei naturkundlichen Museen und Einrichtungen
Im Jahr 1809 gründete König Friedrich Wilhelm III. auf Initiative von Wilhelm von Humboldt die Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin. Mit ihr entstanden im Prinz-Heinrich-Palais Unter den Linden drei naturkundliche Museen:
- das Anatomisch-Zootomische Museum – eine ausschließlich medizinisch ausgerichtete Lehr- und Forschungssammlung, in der anatomische und vergleichend-anatomische Präparate für die Ausbildung genutzt wurden
- das Zoologische Museum – eine systematische und taxonomische Sammlung von Tieren, die der Erforschung der Artenvielfalt und ihrer Verwandtschaft diente
- das Mineralogische Museum – eine Sammlung von Mineralen, Gesteinen und Erzen; hier bewahrte man auch paläontologische Objekte auf, da die Paläontologie damals noch Teil der Mineralogie und Geologie war
Diese Einrichtungen übernahmen Bestände aus der Kunstkammer, der Bergakademie, der Akademie der Wissenschaften sowie aus privaten Beständen. Durch Ankäufe, Schenkungen sowie Sammlungs- und Forschungsreisen wuchsen die Bestände rasch. Sie umfassten unter anderem die naturkundlichen Aufsammlungen von Alexander von Humboldt aus Amerika, Russland und aus seiner Zeit als Bergbeamter.
Die Sammlung sprengt ihre Räume
Die Bestände breiteten sich schnell im gesamten Universitätsgebäude aus. Bereits 1880 belegten naturkundliche Sammlungen rund zwei Drittel des Hauses. Durch die räumliche Ausdehnung war es zur Verdrängung der anderen Fächer gekommen. Unterricht war kaum mehr möglich. Es wurde ein Brandbrief geschrieben. Im Jahr 1869 sorgte ein präpariertes Walross für besondere Aufmerksamkeit: Der Rektor der Universität, Ernst Kummer, befand sich auf dem Weg in die Aula, kam aber nicht an einem Walross vorbei. Es blockierte den Durchgang vor der Aula und musste innerhalb von 24 Stunden entfernt werden. Im Nachgang erfolgte seitens Kummers massiver Druck, ein Sammlungsgebäude erbauen zu lassen.
Die anhaltende Platznot führte 1874 zur Entscheidung, für die drei naturkundlichen Sammlungen ein Museumsgebäude zu errichten. Als Standort wählte man das Gelände der ehemaligen Königlichen Eisengießerei in der Invalidenstraße. Die Planungen dauerten bis zum Baubeginn 1883. Zu diesem Zeitpunkt gehörte bereits ein wissenschaftliches Schlüsselobjekt zur Sammlung: der Archaeopteryx, ein zentrales Zeugnis der Evolutionsforschung.
Ein neues Museum entsteht
Mit dem rasanten Wachstum der Sammlungen stieß die Universität an ihre Grenzen. Der Schritt zu einem eigenen Museumsbau wurde unausweichlich.
Wie das Museum diesen Wandel gestaltete – eingebettet in die politischen und gesellschaftlichen Kontexte seiner Zeit – und welche Impulse es für Wissenschaft und Öffentlichkeit setzte, zeigt das nächste Kapitel der Museumsgeschichte: Kaiserreich und koloniale Verflechtungen (1889–1918)




