Dr. Mareike Petersen
Forschungsbereichsleitung

Teilprojekt im Zukunftsplan
Jedes unserer schätzungsweise 30 Millionen Sammlungsobjekte birgt wertvolles Wissen.
Manche Meteoriten enthalten beispielsweise Wasser und liefern Hinweise darauf, dass Wasser auf diesem Weg auf unseren Planeten gelangt sein könnte.
Hunderttausende sogenannte Typusexemplare dienen als Referenzobjekte, an denen Tierarten erstmals beschrieben wurden. Das „Berliner Exemplar“ des Urvogels Archaeopteryx dokumentiert den Übergang von klassischen Dinosauriern zu den heute lebenden Dinosauriern, die wir üblicherweise als Vögel bezeichnen. Mit dem gebündelten Wissen in der Sammlung können wir erforschen, was die Erde biologisch und geologisch zusammenhält.
Darüber hinaus enthält die Sammlung zahlreiche Antworten auf drängende Fragen etwa zu Klimawandel, Evolution und Biodiversität und liefert wichtige Impulse für Innovationen, zum Beispiel in Medizin und Technik. An fossilen Überresten von Tieren und Pflanzen früherer Erdzeitalter untersuchen wir konkret, welche Folgen veränderte Umweltbedingungen für die lebende Welt haben.
Was erforscht oder als Inspiration genutzt werden soll, muss gut erhalten und zugänglich sein. Der Großteil der Sammlung befindet sich jedoch noch in historischen Schränken und teilweise unsanierten Sammlungsräumen – trotz und auch wegen der seit 2008 laufenden, nur schrittweisen Sanierung und Modernisierung des denkmalgeschützten Hauptgebäudes. Dessen gesamtheitliche Entwicklung und Erweiterung geschieht nun erstmalig im Zuge der Museums-Evolution, der Umsetzung unseres Zukunftsplans.
Zudem ist bislang nur ein Bruchteil der 30 Millionen Sammlungsobjekte digital verfügbar. Viele Objekte enthalten Informationen, die sich erst mit künftigen Technologien erschließen lassen.
Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst, die Sammlung zu erschließen und weltweit zugänglich zu machen. Um ihre umfassende Nutzung zu ermöglichen, arbeiten wir systematisch an ihrer Erschließung und Weiterentwicklung.
Sammlungserschließung umfasst alle Prozesse, die Objekte langfristig nutzbar machen:
Der Zukunftsplan bildet das strategische und finanzielle Drehbuch dieses Teils der Museums-Evolution. Der Bundestag und das Land Berlin stellen dafür die erforderlichen Mittel bereit. Die Maßnahmen setzen wir im Teilprojekt Sammlungserschließung und -entwicklung um. Ihre Umsetzung ist bis 2028 vorgesehen.
Gleichzeitig handelt es sich um eine Aufgabe, die nie vollständig abgeschlossen sein wird. Sammlungserschließung ist ein Kernbestandteil der kontinuierlichen Museums-Evolution. Auch nach Abschluss des Zukunftsplans entstehen neue Anforderungen, technische Möglichkeiten und Erwartungen an die physisch-digitale Nutzung der Sammlung.
In den kommenden Jahren saniert und erweitert das Museum für Naturkunde Berlin grundlegend sein Hauptgebäude und errichtet in Adlershof einen Zweitstandort als Sammlungs- und Forschungszentrum. Dort bewahren wir Teile der Sammlung auf und erforschen sie in modernen Laboren.
Ziel ist eine bessere und nachhaltige Unterbringung der umfangreichen Sammlung. Umfangreiche Vorbereitungen schaffen die Grundlage für die anstehenden Sammlungsumzüge innerhalb des Museums und an den neuen Standort. In diesem Zusammenhang erfassen wir die Objekte digital und bereiten sie konservatorisch auf. So sichern wir sie langfristig für Wissenschaft, Forschung und Gesellschaft.
Mehr dazu erfahren Sie auf der Seite zum Teilprojekt Bau.
Wie erschließen und digitalisieren wir 30 Millionen Objekte?
In der Transformation sichern wir die Sammlung konservatorisch, digitalisieren sie mit moderner Technik und entwickeln Verfahren, mit denen Wissenschaft, Bildung und Gesellschaft weltweit auf Objekte, Bilder, Daten und historische Quellen zugreifen können. Gleichzeitig öffnen wir unsere Arbeit nach außen: Sonderausstellungen wie digitize! und ZUGvögel – Eine Sammlung in Bewegung geben Einblicke in diese Prozesse und sind teilweise partizipativ entstanden.
Wie sichern wir verlässliche und nachhaltige Sammlungsdaten?
Im Informationsmanagement schaffen wir die technischen und datenwissenschaftlichen Grundlagen der Sammlungserschließung. Wir entwickeln klare Strukturen und Workflows, damit wir Objektinformationen einheitlich erfassen, verarbeiten und sichern. Zentrale Medien- und Fachdatenbanken gewährleisten geprüfte, langfristig archivierte Daten, die wir über unser Datenportal sowie internationale Plattformen bereitstellen.
Damit möglichst viele Menschen die Daten uneingeschränkt für Forschung, Arbeit, Lehre oder kreative Projekte nutzen können, hat das Museum eine Richtlinie zur Urheberrechtsauszeichnung verabschiedet. Sie verpflichtet das Museum, Daten aus der Massendigitalisierung unter Creative-Commons-Lizenzen zu veröffentlichen. So ist auf einen Blick erkennbar, wie die Daten genutzt werden dürfen.
Wie machen wir digitale Objekte frei nutzbar?
Über Zugang, Innovation und Vernetzung machen wir digitale Sammlungsobjekte weltweit nutzbar – für Forschung, Bildung, Kunst und kreative Anwendungen. Über den Digitalen Katalog stellen wir, je nach Objekt, Sammlungs- und Forschungsdaten sowie hochauflösende Bilder, Tonaufnahmen oder 3D-Modelle frei zur Verfügung. Projekte wie ein 3D-basiertes Tastmodell eines Waldmistkäfers zeigen, wie digitale Sammlungsdaten Innovation und Inklusion fördern.
Wie entsteht neues Wissen?
In der sammlungsbezogenen Forschung zeigen wir, welches neue Wissen entsteht, wenn digitale und physische Sammlungen gemeinsam gedacht werden. Dafür bündeln wir innovative Ansätze in interdisziplinären Forschungsclustern – von Meteoritenforschung über urbane Biodiversität bis zu Sound-Analysen und Sammlungsgeschichte.
Wir untersuchen, welche neuen Forschungsmöglichkeiten die Digitalisierung eröffnet, welches Wissen moderne bildgebende und chemische Verfahren generieren und wie Forschung zur Tiefenerschließung der Sammlung beiträgt. Die Cluster sind heute fest im regulären Forschungsbetrieb verankert und arbeiten im Austausch mit nationalen und internationalen Partnern.
YouTube-Playlist
Was ist ein Forschungsmuseum? Welchen Nutzen hat eine erschlossene Sammlung für Wissenschaft, Gesellschaft und für Natur? Wie können auch Sie die Forschungssammlung als offene, digitale Infrastruktur nutzen? Fragen wie diese beantworten wir in kurzen Erklärfilmen auf unserem YouTube-Kanal.
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