Der begrünte Vorplatz des Museums für Naturkunde Berlin im Sommer mit blühenden Pflanzenbeeten vor der historischen Hauptfassade des Gebäudes.

Pollinator Pathmaker
Ein lebendiges Kunstwerk für Bestäuber

Pollinator Pathmaker ist ein lebendes Kunstwerk der Künstlerin Alexandra Daisy Ginsberg auf dem Museumsvorplatz, das nicht für das menschliche Auge, sondern für bestäubende Insekten gestaltet ist. Sie lädt uns ein, die Welt aus dem Blickwinkel der Bestäuber zu betrachten und bietet gleichzeitig eine Möglichkeit, zu ihrem Schutz beizutragen.

Das Museum für Naturkunde Berlin unterstützte die LAS Art Foundation dabei, die erste internationale Edition von Pollinator Pathmaker in Berlin umzusetzen und an die klimatischen Bedingungen der Stadt anzupassen. Die LAS Edition entstand im Frühjahr 2023 und wurde im Juni 2023 eröffnet. Sie ist der dritte Garten der Pollinator-Pathmaker-Reihe.

Die Grundlage für Ginsbergs bestäuberfreundliche Gartenkunstwerke ist ein speziell entwickeltes, auf einem Algorithmus basierendes Pflanzprogramm, das auf der Website pollinator.art frei zugänglich ist. Der Algorithmus arbeitet mit einer Liste lokal geeigneter Pflanzen, die mit unserer Hilfe und in Zusammenarbeit mit Expert:innen zusammengestellt wurde.

Das Pflanzprogramm erstellt Bepflanzungspläne, die möglichst viele bestäubende Arten unterstützen. Interessierte können zu Hause ihre eigene kleine Ausgabe des Kunstwerks pflanzen und sich so aktiv an der Versorgung von Bestäubern beteiligen.

Zur Künstlerin

Dr. Alexandra Daisy Ginsberg untersucht in ihrer Praxis die belastete Beziehung des Menschen zur Natur und zur Technologie. In Kunstwerken, Texten und kuratorischen Projekten widmet sie sich unterschiedlichen Themen wie künstlicher Intelligenz, synthetischer Biologie, Naturschutz, Biodiversität und Evolution. Dabei erforscht Ginsberg den menschlichen Impuls, stets die Welt „verbessern“ zu wollen.

Porträt von Dr. Alexandra Daisy Ginsberg im Freien vor grünem Hintergrund. Sie trägt eine helle Bluse mit floralem Muster und blickt lächelnd zur Seite.
Porträt von Dr. Alexandra Daisy Ginsberg
Foto: Nathalie Théry

Auf die Mischung kommt es an!

Wildblumenflächen gewinnen in Gärten und auf Balkonen zunehmend an Bedeutung. Doch nicht jede Saatgutmischung unterstützt heimische Bestäuber gleichermaßen. Viele Zierpflanzen produzieren kaum noch Pollen oder Nektar und bieten Insekten daher nur wenig Nahrung.

Entscheidend ist die Auswahl geeigneter Pflanzenarten. Besonders wertvoll sind heimische Wildpflanzen, die an regionale Bedingungen angepasst sind. Frühblühende Arten schaffen bereits im Frühjahr wichtige Nahrungsquellen. Unterschiedliche Pflanzenhöhen, offene Bodenstellen oder wilde Bereiche bieten zusätzlich Schutz- und Rückzugsräume. Schon kleine Flächen können so zu wertvollen Lebensräumen für bestäubende Insekten werden.

Bestäubende Insekten

Der Bestand an bestäubenden Insekten ist in den letzten 40 Jahren dramatisch zurückgegangen. Die Hauptgründe dafür sind der Verlust von Lebensräumen, Umweltgifte wie Pestizide und der Klimawandel. Während in den Medien oft fälschlicherweise vom Rückgang der Honigbienen die Rede ist, sind viele hundert Arten von Wildbienen, Schmetterlingen, Schwebfliegen und anderen Gruppen ganz besonders vom Insektensterben betroffen. Als wesentlicher Bestandteil unseres Ökosystems bestäuben diese Insekten viele unserer Nutzpflanzen und tragen auch zum Erhalt und der Vermehrung der großen Pflanzenvielfalt in unseren Gärten und Naturlandschaften bei.

Um diesem Verlust entgegenzuwirken, entwickeln Städte auf der ganzen Welt Strategien zur Erhaltung der Artenvielfalt und zur Förderung der Populationen von Bestäubern. Die Schaffung von städtischen Lebensräumen mit einer Vielzahl von insektenfreundlichen Wildblumen steht dabei oft im Vordergrund, da sie Nahrung, Nistplätze und Rückzugsorte schaffen. Projekte wie Pollinator Pathmaker machen somit sichtbar, wie urbane Orte zu Lebensräumen für Bestäuber werden können.

Begrünter Vorplatz mit Hauptfassade des Museums für Naturkunde
Foto: D J Lagana

Zusammenarbeit mit LAS

Wir sind fasziniert vom Unbekannten. Gemeinsam mit der Kunstplattform LAS wollen wir neue Formen der Wissenschaftskommunikation beschreiten und alternative Wege der Öffentlichkeitsarbeit erkunden. Teil unserer Zusammenarbeit ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse greifbar zu machen, indem wir uns auf die Schnittstelle von Wissenschaft und menschlichen Erfahrungen konzentrieren.

Das Anthropozän, eine neue, vom Menschen geprägte Epoche, verlangt vor allem synergetische, interdisziplinäre Ansätze, um die Herausforderungen von heute und morgen zu bewältigen. Wir wollen eine neue Kultur des Wissens und des Lernens durch einen anregenden Dialog zwischen zweier, verschiedener Formen des kritischen Denkens unterstützen: der, der Kunst und jener, der Wissenschaft.

Kooperationspartner

LAS Art Foundation

Pollinator Pathmaker, LAS Edition, 2023
Pflanzenpalette Kontinentale Region
Beauftragt durch Eden Project und LAS
Realisiert in Zusammenarbeit mit dem Museum für Naturkunde Berlin

Ursprünglich beauftragt durch das Eden Project, gefördert von der Garfield Weston Foundation; zusätzlich unterstützt von der Gaia Art Foundation und in Kooperation mit Google Arts & Culture.