Fossilien aus dem mitteldeutschen Kupferschiefer gehören mit zu den ältesten durch Menschen entdeckten Fossilien.
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Tue / 19.03.2019 / 18:00 to 19:30

Vortrag von Dr. S. Brandt (Halle/S.): „Reptilfunde aus dem Kupferschiefer und der Zechsteinformation."

Fossilien aus dem mitteldeutschen Kupferschiefer gehören mit zu den ältesten durch Menschen entdeckten Fossilien. Eine Abbildung findet sich bereits1550 und ist damit die älteste Abbildung eines Fossils in einem gedruckten Buch. So ist es nicht verwunderlich, dass das älteste bekannte und abgebildete Reptil ein Fund aus dem oberpermischen Kupferschiefer darstellt. Saurier aus dem Kupferschiefer stellen so nicht nur historisch den ältesten Fund, sondern waren lange Zeit, bis in das 19. Jahrhundert hinein, mit einem Alter von ca. 250 Mio. Jahren auch die geologisch ältesten Funde. Erstes Aufsehen erregten die Fossilien Anfang des 18. Jahrhunderts im Zusammenhang mit der Sintfluttheorie als versteinertes "Krokodil", sowie Ende des 19. Jahrhunderts als "Richelsdorfer Kinderhand".
An kaum einem anderen Fossil lässt sich die Forschungsgeschichte der Paläontologie so gut aufzeigen, wie an den Saurier-Funden des Kupferschiefers. Obwohl die Funde im Vergleich zu den
Fischfunden einerseits sehr selten sind und jeder Fund stets eine Besonderheit darstellt, sind die Fundstücke doch insgesamt gesehen vergleichsweise häufig. Dem Bergbau ist es aber geschuldet,
dass die Skelette meist nur in Bruchstücken oder gar kleinen Belegstücken vorliegen. Aber so gelang es über drei Jahrhunderte an dem häufigsten Reptil im Kupferschiefer, dem Protorosaurus zu forschen und das Tier zu rekonstruieren.
Als große Besonderheit gelangten die Funde weit verstreut in Museen in ganz Europa und durch die verstärkte Sammeltätigkeit im 20. und 21. Jahrhundert in zahlreiche Privatsammlungen. Inzwischen müssten etwa 150 bis 180 Saurier-Funde vorliegen, die überwiegend aus Hessen, Thüringen und Sachsen-Anhalt stammen. Sie verteilen sich im Wesentlichen auf 3 Gattungen. Von großer Bedeutung für die Evolution sind darunter befindliche Funde vom ältesten fliegenden Reptil. Erstmals in der Erdgeschichte eroberte ein Wirbeltier den Luftraum mittels Gleiflug!

Auf Grund der Verteilung der Funde auf unzählige Sammlungen - privat und museal - ist es heutzutage sehr schwierig einen gesamten Überblick über alle Funde zu erhalten. Dem Interessierten
sind deshalb oft nur die wenigen publizierten Funde bekannt. Dem Autor ist es gelungen über die letzten 30 Jahre zahlreiche Fundstücke in verschiedenen Sammlungen (neu) zu entdecken, zu
begutachten, zu sammeln oder für die eigene Sammlung zu erwerben. Im Ergebnis dessen, ergibt sich eine einmalige Präsentation, die zwar nicht vollständig ist und laufend ergänzt werden wird, aber unzählige Funde und wissenschaftliche Erkenntnisse in einer bisher nicht vorliegenden Kompaktheit präsentiert. Eine Gelegenheit, die sich jeder Interessierte nicht entgehen lassen sollte.

Museumstreff der Fachgruppe Paläontologie jeden 3. Dienstag im Monat, um 18.00 Uhr im Museum für Naturkunde, Invalidenstr. 43, Hörsaal 8, Treffpunkt im Hörsaal oder am Mitarbeitereingang Portal 5.

Eintritt frei