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Charlotte Schneider forscht an Nachtigallen. Am Museum für Naturkunde Berlin gibt es seit 2018 das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Citizen Science Projekt „Forschungsfall Nachtigall“. Insbesondere naturbegeisterte Nachtschwärmer haben via Smartphone akustische Aufnahmen des Nachtigall-Gesangs zusammentragen, die jetzt gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ausgewertet werden. Damit sollen neue Erkenntnisse zur Variabilität des Gesanges und zur aktuellen Verbreitung der Art gewonnen werden. Hunderte Bürgerinnen und Bürger haben bereits mitgeforscht, ihre Daten und Aufnahmen geschickt.

Nun forscht auch eine Schülerin zum Thema Nachtigall. Charlotte Schneider ist 17 Jahre alt und Schülerin am John Lennon Gymnasium in Berlin. Sie möchte Musikwissenschaften studieren und interessiert sich unter anderem dafür, ob Vogelgesang Musik ist und was uns Menschen ästhetisch an Vogelgesang anspricht. Dabei ist sie insbesondere von der Nachtigall fasziniert, da die Männchen vielseitige melodische Sänger sind, die ihren Gesang jedoch klar strukturieren und scheinbar bewusst Variationen und Assoziationen von Mustern einsetzen, um zuhörende Weibchen (und nach Charlottes Erkenntnissen auch Menschen) für sich zu gewinnen.

Charlotte Schneider hat in ihrer Jugend Forscht-Arbeit herausgefunden, dass der Nachtigallengesang strukturell dem menschlichen Musikstück ähnelt. Der an Weibchen adressierte Nachtgesang von Nachtigallen wurde von Menschen insgesamt als überraschender und beindruckender bewertet als der Taggesang der Vögel. Charlotte schließt daraus, dass, obwohl der Nachtgesang als verwirrender und herausfordernder wahrgenommen wird, es dadurch offenbar am besten den Nachtigallenmännchen gelingt, auch die Aufmerksamkeit der menschlichen Zuhörer langfristig zu steuern. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass konvergente evolutionäre Mechanismen der Selektion Vogelgesang und menschliche Musik hervorbrachten.