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Bühne frei für... Noras Schnecke l Glitzern & Denken

Sammlung des Vergleichsmaterials von Sermyla carbonata in Australien 2011 mit meinen Kolleg*Innen © Matthias Glaubrecht, CeNak, damals MfN

Am 7. Dezember 2020 wurde das Paper mit meiner Artbeschreibung von Sermyla kupaensis veröffentlicht – was für ein wahnsinnig schöner Abschluss für dieses denkwürdige Jahr. „Meine“ Art ist eine von 14 Molluskenarten, welche in wissenschaftlichen Artikeln im Dezember 2020 beschrieben wurden. Die Frage ist nun, was macht meine Art gegenüber den beiden schon in der Gattung Sermyla beschrieben Arten so besonders? Warum beschreiben wir diese neue Art?

Sermyla ist eine Gattung von Süßwasserschnecken, welche zur Familie der Thiariden gehört und in Südostasien (S. riquetii) und Australien (S. carbonata) vorkommt. Bisher wurden zwei Arten innerhalb von Sermyla beschrieben. Beide haben eine schmale, hochturmförmige Schale mit ausgeprägten axialen und spiraligen Rippen.

Des Weiteren sind die Schnecken lebendgebärend. Sie tragen einen sogenannten Brutbeutel in der Nackenregion hinter dem Kopf. In diesen werden die befruchteten Eier eingebracht und sozusagen ausgebrütet. Sermyla riquetii kommt in Südostasien weit verbreitet vor, jedoch sind sie in der Natur relativ schwer zu finden. Die Berichte zur Fortpflanzungsstrategie dieser Schneckenart widersprechen sich in der Literatur. Auf der einen Seite wurde eine „Ovo-vivipare“, auf der anderen eine „Eu-vivipare“ Reproduktion berichtet. Der Unterschied zwischen beiden Formen besteht in der Dauer, die die Jungtiere im Brutbeutel verweilen. Bei der Ovo-viviparen Reproduktion werden die Jungtiere nach dem Schlupf schon als Larven aus dem Brutbeutel entlassen. Im Gegensatz dazu bleiben die Jungtiere bei der Eu-viviparen Reproduktion im Brutbeutel bis sie bereits eine Schale mit mehreren Windungen aufgebaut haben. Letztere Form ist bei Schnecken der Art Sermyla carbonata aus Australien belegt. Für Sermyla riquetti gibt es jedoch widersprüchliche Berichte über sowohl die eine als auch die andere Form.

In unserer Studie sind wir dieser Frage auf einer breiten Basis nachgegangen und haben einen integrativen systematischen Ansatz gewählt, um die Arten innerhalb von Sermyla besser voneinander abgrenzen zu können. Hierzu haben wir die Maße und die Form der Schalen verglichen, die Brutbeutel präpariert und die darin befindlichen Jungtiere angeschaut, sowie die DNA mit genetischen Methoden untersucht.

Die Ergebnisse dieser Untersuchungen und statistischen Auswertungen zeigten einige Unterschiede, besonders in der Schalengröße von Sermyla carbonata und Sermyla riquetti. Auf der anderen Seite haben diese Arten aber auch Gemeinsamkeiten, wie z. B. die Fortpflanzungsstrategie, nämlich die Eu-viviparie mit Jungtieren, die eine Schale im Brutbeutel aufbauen. Im Gegensatz dazu haben wir aber auch Schnecken gefunden, die weniger weit entwickelte Larven in das Wasser entlassen und damit Ovo-vivipar sind. Diese weisen außerdem einige Unterschiede in der DNA-Sequenz auf. Sie kommen auf Sulawesi im Kupa River südlich der Stadt Parepare, im Süden der Insel, vor. Aufgrund dieser großen Unterschiede war es für uns nicht möglich diese Individuen der einen oder der anderen Art zuzuordnen. Gleichzeitig zeigten aber die genetischen Ergebnisse auch eine nahe Verwandtschaft zu den schon beschrieben Sermyla-Arten. Aus dem Grund haben wir eine neue Art innerhalb der Gattung Sermyla beschrieben.

Wenn ihr das noch ein bisschen genauer wissen wollt, dann ladet euch gerne meinen Artikel runter und lest ihn euch durch. Das könnt ihr hier ganz einfach tun, denn ich habe meine Artikel als „Open Access“ publiziert. Das erlaubt es allen Interessierten – ob nun Malakolog*In, Biolog*In, Student*In, Zuschauer*In von Glitzern & Denken oder einfach „nur“ Mensch – auf meinen Artikel zuzugreifen, ihn zu lesen und eine kleine Schnecke aus Sulawesi kennen zu lernen.