Alkoholpräparat eines Bandwurmes der Sammlung Vermes
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Vermes

Die Sammlung der wurmartigen Tiere umfasst ein Sammelsurium von Präparaten aus unterschiedlichen wirbellosen wurmartigen Tiergruppen und bildet keine systematische (taxonomische) Einheit. Die Sammlung wurde nach dem biologisch-historischen Begriff für Würmer „Vermes“ benannt und beinhaltet die Gruppen:

  • Plathelminthes (Plattwürmer) einschließlich der freilebenden „Turbellaria“ (Strudelwürmer) und  der parasitischen Trematoda (Saugwürmer) und Cestoda (Bandwürmer)
  • Gnathostomulida (Kiefermündchen)
  • Nemertini (Schnurwürmer)
  • Rotatoria (Rotifera, Rädertierchen)
  • Acanthocephala (Kratzer)
  • Gastrotricha (Flaschentierchen, Bauchhärlinge)
  • Nematoda (Fadenwürmer)
  • Nematomorpha (Saitenwürmer)
  • Kinorhyncha (Igelnackentiere)
  • Priapulida (Priapswürmer, Liebeswürmer)
  • Loricifera (Korsett-Tierchen)
  • Sipunculida (Spritzwürmer)
  • Echiurida (Igelwürmer)
  • Pogonophora (Bartwürmer)
  • Oligochaeta (Wenigborster, Regenwürmer)
  • Hirudinea (Egel)
  • Polychaeta (Borstenwürmer)
  • Chaetognatha (Pfeilwürmer)
     

Insgesamt sind es ca. 100.000 Objekte, von denen 3.611 Katalognummern Typus-Exemplare für Arten enthalten. Es sind ca. 14.000 Nasspräparate in Gläser konserviert, ca. 16.000 als mikroskopische Präparate und einige hundert Wurmröhren als Trockenpräparate.

Digitalisierung

Die etwa 100.000 Objekte sind unter ca. 26.900 Katalognummern verzeichnet. Das meiste Material ist in der Datenbank Sesam im Internet recherchierbar.
Die Wurmsammlung ist über vier originale Eingangskataloge erfasst, die durchnummeriert sind: Generalkatalog Freilebende Würmer (3 Bände), Generalkatalog Parasitische Würmer (2 Bände), Q-Katalog (2 Bände), und F-Katalog (1 Band). Der Q-Katalog diente ursprünglich als Katalog für unbestimmtes Material, das nach der Bestimmung oft, aber nicht immer, in einem der Generalkataloge neu katalogisiert wurde. Der F-Katalog enthält einige der ältesten Sammlungsstücke.

Geschichte

Im  Naturalienkabinett der Akademie der Wissenschaften fanden sich seit etwa 1716 frühe zoologische Sammlungen. Diese gingen 1799 in das Akademische Museum und 1803 in das Anato­mische Kabinett über. Mit Gründung der heutigen Humboldt-Universität 1810 wurden die zoologischen Bestände aufgeteilt auf das Anatomisch-Zootomische Museum der Medizinischen Fakultät und auf das Zoologische Museum der Philosophischen Fakultät. Das Anatomisch-Zootomische Museum sammelte parasi­tische Würmer, Skelette von Wirbeltieren und Präparate innerer Organe, um Rückschlüsse auf die Physiologie des Menschen zu ziehen. Das Zoologische Museum konnte sich mit seinem ähnlich ausgerichteten Konzept nicht durchsetzen und musste sich auf Insekten, Würmer, Fische, Amphibien, Bälge von Wirbeltieren und Skelett-Dubletten beschränken. Erst durch die Zusammenle­gung beider Sammlungen im heutigen Museumsbau 1889 konnte die unglückselige Trennung in verschiedene Sammelbereiche überwunden werden.
Zahlreiche Präparate gehen auf Aufsammlungen im 18. und 19. Jahrhundert zurück oder stammen von den großen deutschen Schiffsexpeditionen Gazelle-Expedition (1874), Deutsche Tiefsee-Expedition (1898-1899) und Deutsche Südpolar-Expedition (1901-1903).

Highlights

Einmalig in Berlin ist die Vielzahl an verschiedenen Wurmgruppen, die durch umfangreiches Typenmaterial vertreten sind. Hevorzuheben sind die parasitischen „Helminthen“, eine heterogene Gruppe von Würmern, die auf den Begründer der Helminthologie, Carl Asmund Rudolphi zurückgehen. Zur Sammlung gehören die historischen Präparate Rudolphi’s, und in der Historischen Arbeitsstätte ist der Nachlass der Sammlungs- und Erwerbungsdokumente hinterlegt. Keine Sammlung in Deutschland verfügt über eine so umfangreiche Parasitensammlung wie die Berliner Sammlung.

Forschung

Die Sammlung wird von der Kustodie und von externen Wissenschaftlern genutzt. Die taxonomische Arbeit, oftmals im Zusammenhang der Biodiversitätsforschung, steht hier im Vordergrund. Die Objekte und besonders die Typen dienen dazu, aktuelles Material zu vergleichen, Arten neu zu beschreiben, einzuordnen oder auch Artnamen zu revidieren. Es kommen immer wieder neue Forschungsfragen auf, die auf spezielle Objekte oder Sammlungsbereiche gerichtet sind.

Bibliothek

Die Kustodialbibliothek enthält ca. 19.000 Sonderdrucken, Monographien und Büchern. Etliche unserer Literaturwerke sind nur wenige Male in Deutschland vorhanden. Die Kustodie wird auch von externen Kollegen, auch international, zu dieser Literatur angefragt. Die Bibliothek ist in ständiger Nutzung, um Anfragen zu beantworten und um selbst zu forschen.