Blick in die Sammlung fossiler Vögel des Museums für Naturkunde Berlin
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Die Sammlung fossiler Vögel umfasst Skelettreste vom oberen Jura bis zum Pleistozän. Insgesamt liegen etwa 3000 Skelettreste mit etwa 11 Typen und 250 Originale vor.

1880 wurde das bislang besterhaltene Exemplar des berühmten Urvogels Archaeopteryx lithographica aus den oberjurassischen Plattenkalken Eichstätts in Bayern sowie seine Gegenplatte in die paläontologische Sammlung eingegliedert. Als weitere wichtige Positionen sind Reste von Hesperornithiformes, Vogelfossilien aus dem Paläogen von Quercy und dem Miozän von Sansan in Frankreich, dem Pleistozän von Kuba und die Skelette zweier subfossiler Moas (Dinornis, Emeus) aus Neuseeland zu nennen.

Neben diesen bedeutenden Funden ist der vergleichende und dokumentierende Charakter der fossilen Vogelsammlung insbesondere für den europäischen Raum wichtig. Die Sammlung fossiler Vögel ist systematisch gegliedert. Es ist eine Trockensammlung, in der vor allem Versteinerungen und wenige subfossile Knochen untergebracht sind.

Digitalisierung

Digitale Daten in verschiedenen Formaten liegen von Archaeopteryx vor.

Geschichte

Die ältesten Stücke der Sammlung reichen zurück bis zum Mineralogischen Kabinett der Humboldt Universität, welches 1810 gegründet wurde. Einige Sammlungsstücke stammen hierbei zum Beispiel aus der berühmten Sammlung von Ernst Friedrich von Schlotheim (1764-1832), einer der "Väter" der Paläontologie, die 1833 von der Humboldt Universität angekauft wurde. Erwähnenswert sind auch die Reste der fossilen Moas Pachyornis und Dinornis aus Neuseeland, die mit der Sammlung Hildebrandt 1880 in die Vogelsammlung gelangten. Sie wurden in den 1950er Jahren durch Grabungsfunde des Riesenlaufvogels Diatryma aus der eozänen Braunkohle des Geiseltals ergänzt.

Durch Ankauf gelangten 1887 eine größere Anzahl von Vogelresten aus dem Miozän aus St. Gérand-le-Puy, Sansan, Frankreich, in die Sammlung. 1876 erwarb das Museum mit der Sammlung von Fischer, dem damaligen Hof- und Medizinalrat in München, ein äußerst wertvoller Zugang: in dieser Sammlung enthalten war die 1860 gefundene Feder von Archaeopteryx aus Solnhofen. Ein weiteres Glanzstück kam 1877 mit der Fossilplatte und Gegenplatte des zukünftigen Berliner Exemplares von Archaeopteryx in die Sammlung, welche unter Vermittlung von Heinrich E. Beyrich (1815-1896) und durch die dankenswerte finanzielle Vorleistung des Industriellen Werner von Siemens (1816-1892) für das Berliner Naturkundemuseum gesichert werden konnte.

Spätere Erweiterungen der Sammlungen wurden durch verschiedene Expeditionen gewährleistet. So wurden z.B. durch Expedition nach Trinil, Java, (1907-1908) von Magarethe L. Selenka (1860-1922) pleistozäne Vogelreste für die Sammlung gewonnen. Aus Afrika kamen durch die Expeditionen von Ludwig Kohl-Larsen (1884-1969) Stücke u.a. von Straußenvögeln hinzu. Neben vielen weiteren Funden ist die Sammlung von Stücken aus dem Pleistozän von Kuba bedeutend. Diese Reste stammen aus einer Grabungsexpedition, welche das damalige Institut für Paläontologie des Museums für Naturkunde 1967 zu quartären Karsthöhlen in Kuba durchführte.

Die Vogelsammlung ist aufgrund ihrer begrenzten Größe traditionell keine eigene kustodiale Stelle, sondern wurde stets von anderen Kustodien mit betreut. Derzeit liegt die kustodiale Verantwortung bei den fossilen Reptilien.

Highlights

fossile Feder von Archaeopteryx

Die absoluten Highlights dieser Sammlung sind die Fossilien von Archaeopteryx. Die fossile Feder ist der ursprüngliche Holotyp und das namensgebende Fossil für Archaeopteryx. Sie wurde 1861 von Hermann von Meyer (1801-1869) beschrieben. Das Berliner Exemplar von Archaeopteryx kam durch Vermittlung und finanzielle Unterstützung von Werner von Siemens (1816-1892) im Jahre 1880 ins Museum für Naturkunde Berlin. Seit 2007 wird es in der Dauerausstellung des Dinosauriersaals der Öffentlichkeit zur Schau gestellt. Zu diesem Stück gehört auch eine Gegenplatte mit vorzüglich erhaltenen Federabdrücken, welche im Sammlungstresor aufbewahrt wird.

Die fossile Feder ist der ursprüngliche Holotyp und das namensgebende Fossil für Archaeopteryx. Sie wurde 1861 von Hermann von Meyer beschrieben.

Confuciusornis

Ein weiteres exzellentes Fossil ist der vollständig erhaltene Confuciusornis aus der Unterkreide von Liaoning, Nordost-China, welcher in den 1990er Jahren durch einen Ankauf in die Sammlung gelangte. Confuciusornis ist eine Gattung urtümlicher Vogelverwandte, die den heutigen Vögeln näher steht als Archaeopteryx. Die Tiere waren in etwa so groß wie eine Drossel und zeichneten sich durch ausgeprägte Unterschiede der Erscheinung von männlichen und weiblichen Individueen (Geschlechtsdimorphismus) aus. Bei einem Teil der gefundenen Tiere finden sich zwei stark verlängerte Schwanzfedern. Das Berliner Exemplar von Confuciusornis zeigt neben den Knochen eine schöne Federerhaltung inclusive der verlängerten Schwanzfedern.

Confuciusornis aus der Unterkreide von Liaoning (Nordost-China), welcher in den 1990er Jahren durch einen Ankauf in die Sammlung gelangte.

Forschung

Die Sammlung fossiler Vögel wird vor allem wegen Archaeopteryx frequentiert. Wissenschaftler aus aller Welt kommen nach Berlin, um das Sammlungsstück unter immer neuen wissenschaftlichen Fragestellungen zu betrachten. Da das Original von Archaeopteryx den Besuchern zur Schau steht, können Arbeiten am Archaeopteryx grundsätzlich nur montags durchgeführt werden.

Die Bearbeitungsmethoden haben sich in den letzten Jahren stark gewandelt von den einfachen optischen Erfassungsmethoden hin zu 3D Laserscan, UV-licht basierten Untersuchungen und sogar computertomographischen Analysen. Die konservatorischen Bedürfnisse von Archaeopteryx erlauben jedoch nur diese nichtinvasiven Verfahren.

Die anderen Exemplare der fossilen Vogelsammlung stehen natürlich ebenso der Wissenschaft zur Verfügung. Arbeitsplätze dafür sind direkt im Sammlungsraum vorhanden. Für Nachfragen steht die Kuratorin der fossilen Vogelsammlung, Dr. Daniela Schwarz, und Collection Manager, Thomas Schossleitner, zur Verfügung.