Fliegen, Foto: Joachim Ziegler / MfN
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Die Sammlung umfasst etwa 1.300.000 Objekte mit 27.000 Arten aus allen Teilen der Welt mit Schwerpunkt Europa. Darunter befinden sich 21.000 Typenexemplare von rund 10.000 Artbeschreibungen. Etwa 1 Million Objekte sind trocken auf Nadeln präpariert. Larvenstadien und Fallenfänge werden überwiegend als Alkohol-Präparate aufbewahrt. Hinzu kommen einige tausend in festes Medium eingebettete Dauerpräparate. Die Fliegen und Mücken (wissensch. Zweiflügler, lat. Diptera) gehören mit etwa 150.000 beschriebenen Spezies zu den artenreichsten Insektenordnungen. Allein in Deutschland kommen etwa 10.000 Arten vor. Damit bilden die Zweiflügler (neben den ähnlich diversen Hautflüglern) in Mitteleuropa sogar die umfangreichste Ordnung der Tierwelt. Die Sammlung der Flöhe (lat. Siphonaptera) umfasst 1.200 Objekte, in denen 237 Arten vertreten sind. Darunter befindet sich das Typenmaterial von 36 Artbeschreibungen.

Digitalisierung

Alle Arten der Sammlung sind in Karteien erfasst, aktuell revidierte Sammlungsteile auch in digitalen Datenbanken. Seit 2013 werden Insektenkästen am Museum für Naturkunde hochauflösend gescannt und ins Internet gestellt. Die Nasssammlung (in Alkohol) und knapp die Hälfte der trockenen Sammlungsobjekte wurden in den letzten Jahren digital erfasst. Diese Daten werden jeweils nach Revision der betreffenden Sammlungsteile der öffentlich zugänglichen Datenbank GBIF und dem Insektenportal zur Verfügung gestellt. Für einige Familien sind Typenkataloge erstellt worden, für andere sind sie in Arbeit. Die bereits publizierten Typenkataloge sind hier zusammengestellt.

Für das Projekt EoS (Erschließung objektreicher Spezialsammlungen) wurde die entomologische Sammlung des Museums für Naturkunde anteilig digital erfasst, unter anderen durch detailreiche Scans der Insektenkästen, die hier auf der EoS Seite zu einzusehen sind. Ebenso wurde von einzelnen wichtigen Exemplaren, wie der Fliegenart Phasia aurigera, eine 360° Bildsequenz hergestellt, die eine rundum Ansicht bietet.

Geschichte

Die Sammlung Diptera wird seit 1919 von eigenständigen Kustoden betreut. Den Grundstock bilden die Sammlungen von Hermann Loew (1807-1879), Theodor Becker (1840-1928) und Oswald Duda (1869-1941). Zu den ältesten Sammlungsteilen gehören auch Aufsammlungen des Museums-Kustoden Carl E. A. Gerstäcker (1828-1895) sowie diverse frühe Ankäufe aus „Übersee“ und Material aus den Deutschen Kolonien. Daneben haben die Spezialsammlungen von P. Lackschewitz (Tipulidae), E. Martini (Culicidae), S. J. Paramonow (Bombyliiden), M. P. Riedel (Tipulidae und Tachinidae), E. Rübsaamen (Cecidomyiidae) und P. Stein (Muscoidea und Oestroidea) sehr zum Wert beigetragen, da sie viele Typen enthalten. So ist allein im Sammlungsteil Muscoidea das Typenmaterial von mehr als tausend nominellen Arten hinterlegt. In diesem Zusammenhang muss auch die separat aufgestellte Sammlung von Erich Martin Hering (1893-1967) erwähnt werden, die ausschließlich Pflanzenminierer enthält. Sie ist nicht auf Zweiflügler beschränkt, sondern umfasst auch Käfer (Coleoptera), Hautflügler (Hymenoptera) und Schmetterlinge (Lepidoptera).

Highlights

Unter den neueren Zugängen ist das umfangreiche selbst gesammelte Material aus den Italienischen Alpen hervorzuheben (Parco Nazionale dello Stelvio). Die wissenschaftliche Bearbeitung dieser Aufsammlung bedarf der Kooperation von mehr als 40 internationalen Spezialisten und ist noch nicht ganz abgeschlossen. Dank einiger durch die DFG geförderter Forschungsreisen befindet sich jetzt auch eine bedeutende Sammlung iranischer Tachinidae und Rhinophoridae hier im Hause und wird in Kooperation mit iranischen Kollegen bearbeitet. Diese und andere neue Aufsammlungen bilden gemeinsam mit dem historischen Sammlungsmaterial die Basis der Forschungsinfrastruktur im Kustodiat.

Sammlungsmaterial aus dem Parco Nazionale dello Stelvio, Italien

Leia stelviana Kurina, 2008 [Mycetophilidae]. Diese neue Mückenart wurde im Parco Nazionale dello Stelvio erstmals gefunden und nach dem Fundgebiet „stelviana“ benannt. Sie ist bisher nur aus der alpinen Region in 2.300 m Höhe bekannt. Insgesamt wurden durch die eigenen Untersuchungen in einem einzigen Tal des Nationalparks schon fast 2.000 Zweiflüglerarten festgestellt. Die Typen befinden sich in unserer Sammlung.

Bild von Leia Stelviana, Foto: Joachim Ziegler / MfN

Fundort der Fliege

Sammlungsmaterial aus Iran

Cylindromyia uncinata Gilasian, Talebi und Ziegler, 2014 [Tachinidae], auf dem Finger des Fotografen. Diese kürzlich entdeckte neue Art parasitiert als Larve wahrscheinlich in Schildwanzen (Heteroptera), wie es von ihren nächst verwandten Arten bekannt ist.  Sie wurde bisher ausschließlich in iranischen Hochgebirgen in Höhenlagen zwischen 2.000 und 4.000 m gefunden. Die Typen befindet sich in unserer Sammlung.

Cylindromyia uncinata, Foto: Joachim Ziegler / MfN

Fundort Fliege

 

Fliegenportraits

Im Rahmen der Sonderausstellung „Fliegen“ des Museums für Naturkunde im Jahre 2014 wurden Portraits der Fliegen von dem Fotografen Bernhard Schurian angefertigt. Wie an diesem Portrait der Fliegenart Asilidae Maira splendida kann hier bei dieser detailreichen Aufnahme erahnt werden, wie wichtig kleine Merkmalsunterschiede zur Bestimmung von Arten sein können.

„Zum Portraitieren wählte ich zunächst die Raubfliegen (Asilidae), die hier am Museum für Naturkunde mit etwa 1 250 Arten vertreten sind. Raubfliegen ernähren sich vor allem von anderen Insekten, die sie im Flug jagen. Die Beute wird mit den Beinen gefangen, in die Zange genommen und mit einem Stechrüssel ausgesaugt. Raubfliegen haben einen sehr markanten Kopf und häufig Borsten, die wie ein Bart erscheinen. Selbst bei der gleichen Art sind manche Individuen unterschiedlich, weshalb sie besonders für Portraits geeignet sind.“, Bernhard Schurian.

 

 

Foto von Asilidae maira splendida, Foto: Bernhard Schurian / MfN

Forschung

Die Sammlung der Zweiflügler wird durch Wissenschaftler weltweit als Forschungsgegenstand genutzt. Von besonderem Wert sind dabei die 21.000 Typusexemplare, die für taxonomische Untersuchungen eine Schlüsselrolle besitzen. Aber auch alle anderen hinterlegten Exemplare stellen wertvolle Belege aus allen zoogeographischen Regionen dar, die zum Beispiel Auskunft über die historische und rezente Verbreitung bestimmter Arten geben können. Neben Taxonomen, Systematikern und Biodiversitätsforschern arbeiten aber auch angewandte Entomologen mit unserem Material, wie zu solchen Themen wie forensische Untersuchungen, Myiasis, Vektoren von Krankheitserregern, biologische Schädlingsbekämpfung mit Parasitoiden u.v.a. Neben Fachanfragen aller Art werden besonders häufig Ausleihwünsche geäußert oder nach den Möglichkeiten für längere Arbeitsaufenthalte in der Sammlung gefragt.

Weitere Informationen zu Projekten und Forschung gibt es hier.

Eine Übersicht und Erklärung der erforschten Diptera Familien gibt es hier.

 

Bibliothek

Die dipterologische Teilbibliothek besteht aus 1.200 Büchern und Broschüren und einer umfangreichen Sonderdrucksammlung. Sie wird von der Kustodie erweitert und betreut.