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Zentrum für integrative Biodiversitätsentdeckung

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Mit der Gründung des „Zentrums für Integrative Biodiversitätsentdeckung“ setzt das Museum für Naturkunde Berlin einen neuen, zukunftsweisenden Forschungsschwerpunkt. Das Ziel des Zentrums ist die effiziente Entdeckung und Erforschung der weltweiten Artenvielfalt. Das Zentrum ist ein wichtiger Beitrag zur Erfassung der Millionen der bekannten und noch unbekannten Tierarten, zur Erforschung ihrer Bedeutung für die Natur und ihrer möglichen Relevanz für die Lösung vieler Probleme, mit denen die Menschheit zur Zeit konfrontiert ist. 

Die Vielfalt des Lebens (Biodiversität) ist eines der komplexesten und faszinierendsten Phänomene unserer Erde. Sie ist eine der wichtigsten Komponenten für das Funktionieren der globalen Ökosysteme und stellt die Grundlage für die Existenz und die Zukunft der Menschheit dar. Dennoch haben wir bislang die weltweite Biodiversität nur ansatzweise verstanden. Die heute bekannten rund 1,5 Millionen Tier- und Pflanzenarten, die im Laufe der letzten 250 Jahre intensiver Forschung entdeckt, beschrieben und benannt wurden, sind nur ein Bruchteil der tatsächlichen Artenvielfalt. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schätzen, dass lediglich 10 bis 20% der Arten bekannt sind und dass der weitaus größte Teil der weltweiten Biodiversität noch auf seine Entdeckung wartet. In dieser enormen Artenfülle steckt das Potenzial zur Lösung vieler gesellschaftlicher und wissenschaftlicher Probleme, mit denen sich die Menschheit heute konfrontiert sieht.

Allerdings haben wir keine weiteren 250 Jahre Zeit, die gesamte Vielfalt zu erforschen. Das System Erde wandelt sich ständig, aber menschliche Aktivitäten habe eine neue Dynamik erzeugt. In den letzten 50 Jahren haben dramatische Veränderungen des globalen Klimas, der biologischen Vielfalt, der Verfügbarkeit von landwirtschaftlicher Fläche und vieler anderer Faktoren unsere Welt nachhaltig verändert. Diese Veränderungen gefährden die Existenz der globalen Ökosysteme und damit unsere eigene Zukunft.

Die Erfassung, Erforschung und Bewahrung der Artenvielfalt als wesentlicher Teil der globalen Biodiversität ist eine prioritäre wissenschaftliche und gesellschaftliche Herausforderung. Neue technologische Möglichkeiten ergänzen das klassische Wissen um die Artenvielfalt und unterstützen eine effiziente Erfassung der weltweiten Biodiversität. Das am Museum für Naturkunde Berlin gegründete „Zentrum für Integrative Biodiversitätsentdeckung“ widmet sich dieser Aufgabe. Mit Hilfe einer Vielzahl unterschiedlicher Methoden und in enger Kooperation mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in Deutschland und weltweit werden neue, effiziente Methoden der Biodiversitätsentdeckung entwickelt, erprobt, angewendet und zahlreiche noch unbekannte Tierarten beschrieben. Neben der Entwicklung von beschleunigten Verfahren zur Artenerfassung sollen im Zentrum gezielt Projekte über ausgewählte Organismengruppen in enger Kooperation mit angewandt arbeitenden Institutionen in den Bereichen Human- und Veterinärmedizin, Landwirtschaft und Lebensmitteltechnologie durchgeführt werden. 

Das Zentrum ist als Abteilung im Forschungsbereich „Sammlungsentwicklung und Biodiversitätsentdeckung“ des Museums für Naturkunde integriert, was die grundlegende Bedeutung der wissenschaftlichen Sammlungen des Museums als Forschungsinfrastruktur widerspiegelt. Es umfasst insgesamt mehr als 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit verschiedenen Qualifikationen, zu denen auch einige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gehören, die unmittelbare Sammlungsverantwortung tragen. Zukünftig geleitet werden soll das Zentrum von einer Professur für Integrative Biodiversitätsentdeckung, die zusammen mit dem Institut für Biologie der Humboldt-Universität berufen werden wird. Bis dahin fungiert PD Dr. Michael Ohl als kommissarischer Leiter des Zentrums und Dr. Thomas von Rintelen als sein Stellvertreter.

Das „Zentrum für Integrative Biodiversitätsentdeckung“ ist eine dauerhafte strategische Erweiterung des Museums für Naturkunde und wird gemeinsam von Bund und dem Land Berlin gefördert.