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Das am Museum für Naturkunde Berlin gegründete „Zentrum für Integrative Biodiversitätsentdeckung“ widmet sich der Erfassung, Erforschung und Bewahrung der Artenvielfalt als prioritäre wissenschaftliche und gesellschaftliche Herausforderung. In der Zeitschrift ZooKeys veröffentlichte nun ein Team von Forschenden 26 Art-Neubeschreibungen von Nachtfaltern aus Südostasien, die zur Gattung Hoploscopa (Zünslerfalter) gehören. Die Daten wurden durch DNA-Untersuchungen von Exemplaren aus weltweiten Forschungssammlungen erhoben. 

Das Museum für Naturkunde Berlin forscht für Natur. Dazu gehört auch die Erforschung der Artenvielfalt, dem sich das Zentrum für Integrative Biodiversitätserforschung am Museum für Naturkunde Berlin widmet. Schätzungsweise 10 bis 20% aller Arten weltweit sind erst bekannt. - insbesondere in den tropischen Regionen gibt es hier noch großes Entdeckungspotenzial. Die Tropen beherbergen auch eine einzigartige Vielfalt an Schmetterlingsarten und Nachtfalterarten (Lepidoptera). Während die tropischen Schmetterlinge schon sehr gut wissenschaftlich erforscht und beschrieben sind, gibt es bei den auf den ersten Blick weniger attraktiven Nachtfaltern noch viel zu erforschen. Jedoch stellen Nachtfalter 90% der 140 000 beschriebenen Lepidoptera-Arten dar. Nachtfalter spielen eine wichtige Rolle in den Ökosystemen und es sind hunderte Schädlingsarten bekannt. Die Zünslerfalter stellen mit 16 000 beschriebene Arten weltweit eine der größten Lepidoptera-Familien, dabei sind bisher fast ausschließlich nur Schädlingsarten wie die Mehlmotte und der Buchsbaumzünsler intensiv erforscht worden. Die Zünslergattung Hoploscopa, die in den Bergen Südost-Asiens vorkommt, spiegelt diese Situation gut wieder: 16 Arten wurden am Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts bereits beschrieben, aber nach Sichtung des Sammlungsmaterials gibt es Potential für weitere 70 Neubeschreibungen.

In der Zeitschrift ZooKeys veröffentlichte nun ein Team von Forschenden mit Erstautor Theo Leger vom Museum für Naturkunde Berlin Neubeschreibungen von 26 Arten. Die Autoren dieser Studie verwendeten morphologische Merkmale und DNA-Untersuchungen, um die Arten aus Borneo, Neu Guinea, den Philippinen, Sulawesi und Sumatra neu zu beschreiben. Sieben der Arten stammen von aktuellen Expeditionen, die 19 anderen Arten sind bereits lange Teil der Forschungssammlungen im Museum für Naturkunde Berlin sowie anderer naturhistorischer Museen wie London, Washington und Dresden. Obwohl die Tiere teils in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts gesammelt wurden, konnte aus den Exemplaren in den Museumssammlungen DNA gewonnen werden. Auch wenn die äußeren morphologischen Eigenschaften gleich sind, so weisen die DNA Daten auf stark differenzierte Populationen und einen hohen Endemismus in der Region hin: fast jede Insel weist ihre eigenen Arten auf. Aus den Sammlungen bleiben mindestens noch weitere 40 Arten zu beschreiben.

Diese Fülle steht für eine große und prioritäre wissenschaftliche Herausforderung. Neue technologische Möglichkeiten wie DNA-Untersuchungen und künstliche Intelligenz ergänzen die klassischen Untersuchungsmethoden, setzen neue Akzente und unterstützen eine effiziente Erfassung der weltweiten Biodiversität. Die Erforschung und Bewahrung der Artenvielfalt als wesentlicher Teil der globalen Biodiversität stellt nicht nur eine ethische Verpflichtung dar, sondern eröffnet vor allem auch das Potenzial für eine nachhaltige Nutzung dieser Vielfalt, um brennende gesellschaftliche Probleme innovativ zu lösen. Das am Museum für Naturkunde Berlin gegründete „Zentrum für Integrative Biodiversitätsentdeckung“ nimmt sowohl die wissenschaftliche wie auch die gesellschaftliche Herausforderung an.

Publikation: Theo Leger, Christian Kehlmaier, Charles S. Vairappan, Matthias Nuss. Twenty-six new species of Hoploscopa (Lepidoptera, Crambidae) from South-East Asia revealed by morphology and DNA barcoding, ZooKeys 907:1-99