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Das Museum für Naturkunde Berlin veröffentlicht drei wissenschaftliche Zeitschriften: Fossil Record, Deutsche Entomologische Zeitschrift, Zoosystematics and Evolution. Das Museum trägt die redaktionelle Verantwortung und ist Herausgeber der Titel. Ein Gespräch mit Dr. Florian Witzmann, Paläontologe und einer der Chefredakteure von Fossil Record.

Warum gibt ein Naturkundemuseum eine wissenschaftliche Zeitschrift heraus?

FW: Das Museum für Naturkunde Berlin ist ein global agierendes, integriertes Forschungsmuseum. Die Ergebnisse der Forschung zur Entwicklung der Erde und des Lebens werden in unterschiedlichster Art und Weise in die Öffentlichkeit kommuniziert, zum Beispiel in der Ausstellung, bei Veranstaltungen und durch Publikationen in renommierten Fachzeitschriften.

Was ist das Profil der Zeitschrift Fossil Record?

FW: Fossil Record ist eine SCIE-gelistete paläontologische Zeitschrift des Museums für Naturkunde Berlin und veröffentlicht Originalarbeiten aus allen Bereichen der Paläontologie, einschließlich der Taxonomie und Systematik fossiler Organismen, Biostratigraphie, Paläoökologie und Evolution. Es werden alle taxonomischen Gruppen behandelt, einschließlich wirbellose Tiere, Mikrofossilien, Pflanzen und Wirbeltiere. Die Zeitschrift ist großformatig, beinhaltet qualitativ hochwertige Abbildungen und bietet die Möglichkeit, Monographien zu veröffentlichen. Seit dem Jahr 2014 ist Fossil Record ein Open Access-Journal und erscheint bei Copernicus Publications (Göttingen, Deutschland). Die Editoren sind international aufgestellt.

Was bedeutet SCIE-gelistet?

FW: Seit 2009 ist die Zeitschrift SCIE-gelistet. SCIE steht für Science Citation Index Expanded (Web of Science Group), einem weltweit führenden Index zur Bemessung des Einflusses von Zeitschriftenzitationen auf den Wissenschaftsbetrieb. Federführend dabei war der damalige Editor des Fossil Record, Dr. Dieter Korn. Er hat strenge Kriterien eingeführt, zum Beispiel, dass die Artikel nur noch in englischer Sprache erscheinen, zwei Bände im Jahr herausgegeben und zwei internationale Gutachter/innen für jeden Artikel eingesetzt werden. Das waren bedeutende Schritte bei der Qualitätsentwicklung und haben uns in der konsequenten Weiterentwicklung diesen Erfolg beschert.

Seit wann gibt es die Zeitschrift und wer ist die Zielgruppe?

FW: Fossil Record wurde 1998 unter dem Namen Mitteilungen aus dem Museum für Naturkunde Berlin, Geowissenschaftliche Reihe, vom damaligen Direktor Prof. Hans-Peter Schultze gegründet und erscheint mit zwei Ausgaben pro Jahr. Sie richtet sich an eine internationale Leserschaft, die sich mit paläontologischer Forschung beschäftigt – Studierende, Postdocs, sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Da die Zeitschrift Open Access ist, kann jede Person mit Internetzugang auf der ganzen Welt, von Zehlendorf bis Sambia, all diese Artikel runterladen und sich über die aktuelle Forschung informieren. Auch das ist ein Auftrag des integrierten, offenen Forschungsmuseums.

Anfang Juli erhielten Sie die Nachricht, dass die SCIE-gelistete Zeitschrift Fossil Record im „1st Quartil“ ist. Was bedeutet das?

FW: Es gibt weltweit eine Vielzahl von paläontologischen Fachzeitschriften, in denen einzelne Artikel publiziert werden. In den Artikeln werden andere Beiträge zitiert. Je relevanter ein Beitrag ist, desto mehr wird er zitiert. Je mehr Artikel aus Fossil Record zitiert werden, desto höher ist der sich daraus errechnende Zitierindex. 2016 war der sogenannte Journal Impact Factor 1.250, jetzt liegt er bei 2.081, d.h. jeder Artikel darin wird durchschnittlich zweimal im Jahr zitiert. Die Zeitschrift gehört nun zu den am meisten zitierten paläontologischen Fachzeitschriften weltweit.

Darauf kann das Forschungsmuseum sehr stolz sein. Wie haben Sie es geschafft zu den Anerkanntesten zu gehören?

FW: Seit 2014 sind die drei Fachjournale des Museums für Naturkunde weltweit frei zugänglich, unterstützen den Kanon der freien Verfügbarkeit von Wissen und fördern somit den freien wissenschaftlichen Austausch (Open Access). Die Zeitschriften erscheinen in englischer Sprache und bieten Print-On-Demand an. Manuskripte können direkt online eingereicht werden, wozu Autorinnen und Autoren weltweit eingeladen sind und dies auch intensiv nutzen. Die Veröffentlichung geht mit durchschnittlich 145 Tagen vom Einreichen bis zur Veröffentlichung vergleichsweise sehr schnell. Die Kosten werden vom Museum für Naturkunde Berlin übernommen. Für diese Unterstützung möchte ich der Generaldirektion ausdrücklich danken. Ich möchte hier auch ganz besonders die wertvolle Arbeit des Forschungsbereiches „Digitale Welt und Informationswissenschaft“ hervorheben, dessen Publikationsmanagement unserer drei Hausjournale und die grundsätzliche Förderung von Open Access am MfN entscheidend zum Erfolg des Fossil Record beigetragen haben.

Noch eine private Frage zum Schluss: Haben Sie eine Highlight-Publikation in Fossil Record?

FW: Ich mag Artikel, die sowohl Sammlungsbezug haben, als auch eine analytische, evolutive Fragestellung. 2009 erschien ein solcher Artikel über die Individualentwicklung von fossilen Amphibien (DOI: 10.1002/mmng.200800012). Eine der Autorinnen, Nadia Fröbisch, ist heute Professorin am Museum für Naturkunde Berlin.

Das Gespräch führte Dr. Gesine Steiner, Pressesprecherin des MfN Berlin. Weitere Informationen zu den Zeitschriften erhalten Sie hier.