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Jakob Trimpert, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Virologie der Freien Universität Berlin und Guide am Museum für Naturkunde Berlin, beschäftigt sich mit der Evolution des medizinisch wahrscheinlich wichtigsten Virus der Hühner und hat darüber promoviert. Das Virus der Marekschen Krankheit ist ein Herpesvirus der Hühner. Anders als menschliche Herpesviren verursacht es aber eine sehr drastisch verlaufende Erkrankung. Die Tiere bekommen wenige Wochen nach der Infektion Blutkrebs. Bei nicht geimpften Tieren ist die Sterberate bis zu 100%. Angesichts dieser Dramatik wird seit über fünfzig Jahren gegen diese Erkrankung geimpft und das mit Erfolg. Ohne die Impfung wäre eine Geflügelindustrie kaum vorstellbar. Jedoch ist der Impfstoff permissiv, das bedeutet, geimpfte Tiere können sich anstecken und auch wieder andere Tiere infizieren, sie werden nur nicht krank. Das erlaubt eine besondere Evolution des Virus. Es ist gewaltigem Druck durch die Impfung ausgesetzt und passt sich dieser Situation an. Seit Jahrzehnten beobachten die Forschenden, dass die Viren immer aggressiver werden und viele Impfstoffe nicht mehr gut funktionieren. Das ist eine bedrohliche und bislang ziemlich einmalige Entwicklung. Angesichts dieser Tatsachen interessieren sich die Forschenden unter anderem für die evolutionären Ursprünge des Virus. Nach jetzigen Kenntnisstand ist es ein evolutionär junges Virus. Die Erstbeschreibung der Erkrankung erfolgte 1907, damals mit noch ganz anderem Krankheitsbild. Die Forschenden sind sehr daran interessiert dieses Virus aus alten Tieren zu sequenzieren, um die evolutionären Prozesse zu verstehen, die in einer so schrecklichen Erkrankung münden. Die Forschungssammlungen der großen naturkundlichen Museen, wie im Museum für Naturkunde Berlin, können Objekte für Beprobungen zur Verfügung stellen und so einen wertvollen Beitrag zur Klärung dieser Forschungsfragen leisten.