Seepocken und Entenmuscheln gehören zur Gruppe der Krebstiere. Arme, Beine und Scheren sind zu Rankenfüßen umgebildet. Foto: Pipit Pitriana/Museum für Naturkunde Berlin
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Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft: Integrative Taxonomie und Phylogenie von Seepocken (Crustacea: Cirripedia) Ost-Indonesiens

Dies ist eine gute Stelle. Pipit Pitriana schnorchelt etwa 50 Meter vor dem Strand von Rutong auf Ambon Island, einer der großen Molukken-Inseln im Osten Indonesiens. Das lauwarme Wasser ist etwa einen Meter tief.

Auf einem Felsen unter der Oberfläche findet sie einen Flecken mit etwa fünfzig Seepocken, die Nahrung aus dem Wasser filtern. Als sich Pitriana nähert, ziehen die Tiere schnell ihre fedrigen Arme ein und schließen ihre Schalen. Die Forscherin macht ein Foto von der Gruppe und löst dann mehrere Exemplare vom Fels, um ihre Art zu bestimmen - und das Wissen über diese Tiere in diesem Biodiversitäts-Hotspot-Gebiet zu erweitern.

Verbreitung und DNA

„Es gibt nur wenige Menschen, die in Indonesien an Seepocken arbeiten“, sagt Pitriana, die Doktorandin am Indonesian Institute of Sciences (LIPI) und Gastforscherin am Museum für Naturkunde Berlin ist. Für ihre Doktorarbeit, die am Museum von Kristina von Rintelen betreut wird, sammelt Pitriana Daten über das Vorkommen, die Verbreitung und die Ökologie von Seepocken der Molukken-Inseln Ostindonesiens.

Die Biogeographie dieser Tiere erneut zu untersuchen verspricht auch neue Arten entdecken zu können. Die neuesten Befunde bislang basieren auf den Ergebnissen der niederländischen zoologischen und hydrographischen Siboga Expedition im Jahr 1899. „Es fehlen noch viele Daten zur Ökologie der Seepocken“, sagt Pitriana, die eine Biodiversitätsdatenbank für Ostindonesien aufbaut. Die hohe Vielfalt in der Region beruht wahrscheinlich auf dem Austausch von Meerwasser zwischen dem Pazifik, dem Indischen Ozean und dem Südchinesischen Meer.

Seepocken sind Krebstiere. Sie sind marin und die erwachsenen Formen sind festsitzend und filtern organische Substanz aus dem Meerwasser. Seepocken haben Larvenstadien, die frei schwimmen und sich auf Oberflächen wie Felsen, Korallen und Bootsrümpfen und bisweilen auch auf lebenden Organismen wie Schildkröten, Walen oder Schwämmen festsetzen. Im Falle der Schwämme untersucht Pitriana, ob die Art der Verbindung symbiotisch oder parasitär ist. Mikro-CT-Scans von Proben zeigen, wie sich die Seepocken an der Oberfläche der Schwämme anheften.

Bei ihren Feldforschungen sammelt Pitriana Seepocken aus Gezeitengebieten und dokumentiert die Fundorte mit einer Kamera. Außerdem sammelt sie beim Tauchen Seepocken aus bis zu 20 Metern Tiefe. Darüber hinaus untersucht sie in ihrer Studie auch Exemplare von Seepocken aus dem Muséum national d'histoire naturelle in Paris, die in Tiefen von bis zu 1266 Metern gesammelt wurden.

Die Biologin kann die Seepocken anhand ihrer Schalen klassifizieren, aber um die Arten zu bestimmen, muss sie sie sezieren und Mundwerkzeuge wie die Mandibeln genauer untersuchen. In Proben von fünf der größeren Molukken-Inseln fand Pitriana 99 Arten, darunter 23 neue Nachweise im Gebiet und zwei noch nicht beschriebene Arten.

Um Einblicke in die Phylogenie der Arten zu erhalten, kombiniert sie die Beobachtungsdaten mit molekularen Daten aus DNA-Sequenzierungen. Die Untersuchung der Verbreitungsmuster der Arten kann Aufschluss über die Herkunft von Seepocken in diesem Gebiet geben.

 

Förderung:

Programm für Forschung und Innovation in Wissenschaft und Technologie (RISET-Pro) des Ministeriums für Forschung, Technologie und Hochschulbildung der Republik Indonesien

Laufzeit:

Januar 2018 bis Oktober 2020